WM-Vierter Deutschland Ausgekurbelt

Mit einem letzten Drama und ohne Medaille beenden die deutschen Handballer die Weltmeisterschaft. Kapitän Uwe Gensheimer war wieder überragend - und am Ende doch die tragische Figur.
Aus Herning berichtet Jan Göbel
Uwe Gensheimer, Andreas Wolff und Steffen Weinhold (v.l.)

Uwe Gensheimer, Andreas Wolff und Steffen Weinhold (v.l.)

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

Die Würfe von Uwe Gensheimer sind berüchtigt, seine Dreher von links einzigartig. Vom Mann mit dem Gummiarmen ist oft die Rede. Aber der deutsche Handballer hat auch eine Handbewegung drauf, die mit dem aktiven Spiel gar nicht so viel zu tun hat.

Wenn er ein Tor erzielt, dreht sich Gensheimer oft zum Publikum, streckt den Zuschauern seinen Arm entgegen und beginnt zu kurbeln, als würde er an der Pedale eines Fahrrads drehen. Gensheimer kurbelt auch, wenn ein Teamkollege gerade verworfen hat oder das Spiel ruht. Die Botschaft dieser Geste ist ziemlich eindeutig: Es geht weiter, immer weiter.

Im verloren gegangenen Halbfinale gegen Norwegen hat man Gensheimer bei dieser Handbewegung oft beobachten können, auch im Spiel um den dritten Platz bei der Handball-WM in Herning. Aber gegen Frankreich in der 58. Minute, beim Stand von 24:24, war es vorbei mit dem Kurbeln. Es ging nicht mehr weiter, zumindest für ihn: Gensheimer kassierte eine Zeitstrafe und konnte die letzten zwei Minuten nur noch von der Bank verfolgen. Es wirkte erschüttert, für ihn war das Turnier nun vorbei. Und Deutschland, als es am Ende darauf ankam, in Unterzahl.

Karabatic erzielt das entscheidende Tor

Die letzte Minute glich einem Drama. Kurz sah es so aus, als würde die DHB-Auswahl ohne ihren Superstar mit der Bronzemedaille nach Hause fahren können. Doch dann konnte Hendrik Pekeler einen letzten Pass nicht mehr fangen, so kam er nicht mehr zum Wurf, Sekunden vor Schluss, es wäre sonst der Sieg gewesen. Im Gegenzug traf Frankreich zum 26:25. Ausgerechnet Nikola Karabatic setzte den Schlusspunkt, der französische Topstar sollte eigentlich für die WM ausfallen.

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"Da waren viele Emotionen drin", sagte Bundestrainer Christian Prokop: "Die clevere Mannschaft hat gewonnen." Cleverer waren die Franzosen auch deswegen, weil die DHB-Auswahl mit vier Treffern Vorsprung in die Pause gegangen war, um dann mal wieder doch nicht mit letzter Konsequenz bis zum Schluss zu spielen.

"Wir haben uns durch Dummheiten um die Bronzemedaille gebracht", sagte Torwart Andreas Wolff, und Paul Drux ergänzte: "Bitter" sei das Spiel am Ende gewesen. Damit war eigentlich alles gesagt, und für Gensheimer, mit sieben Treffer gegen Frankreich der überragende Mann, bleibt es dabei: Nach der Bronzemedaille bei den Olympischen Sommerspielen 2016 wartet er weiter auf einen großen Erfolg mit der DHB-Auswahl, beim EM-Sieg vor drei Jahren fehlte er verletzt.

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Deutschland beendet das Turnier mit zwei Niederlagen, es hat keine Wiederholung des Erfolgs von 2007 gegeben. Aber in Erinnerung werden auch positive Dinge bleiben: Der dramatische Erfolg gegen Kroatien, der über zehn Millionen Zuschauer vor die Fernseher lockte und einen zumindest kurzen Handball-Hype auslöste. Die vielen Tore von Gensheimer, über 50 waren es am Ende. Auch dieser letzte Krimi gegen Frankreich war wieder Werbung für den Handballsport.

Vielleicht wird diese WM einmal als Beginn einer erfolgreichen Ära unter Trainer Prokop gelten. Als die Sternstunde von Fabian Wiede, der auch im Match um Bronze auftrumpfte. Es hat einige Gewinner gegeben, es gab aber auch bittere Momente. Der Gesamteindruck aber, der bleibt positiv. Torwart Andreas Wolff sagt: "Wir haben eigentliche eine tolle WM gespielt." So ist es.

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