Handball-WM Abschied von Schnauzbart und Mutterkomplex

Die beiden letzten Duelle bei großen Turnieren verlor die deutsche Nationalmannschaft gegen den amtierenden Weltmeister Frankreich. Am Samstag im Halbfinale der Handball-WM in Portugal wollen es Stephan Kretzschmar und Co. besser machen.


Stefan Kretzschmar: Wo geht es hier zum WM-Titel?
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Stefan Kretzschmar: Wo geht es hier zum WM-Titel?

Lissabon - "Wir wissen, dass wir jede Mannschaft schlagen und etwas ganz Großes erreichen können. Wir gehen voller Freude in die letzten beiden Spiele", sagte Kapitän Markus Baur vor der Halbfinalpartie am Samstag gegen Frankreich (um 16 Uhr live im ZDF).

Auch Bundestrainer Heiner Brand traut seinem Team im Pavilhao Multiusos von Lissabon den ganz großen Wurf zu. "Meine Mannschaft ist gewachsen und setzt sich hohe Ziele, die sie erreichen kann", so der 50-Jährige, "ich habe noch nie ein Team trainiert, das so konstant spielt und sich auch mal aus dem Sumpf befreien kann."

Zuletzt waren allerdings die Franzosen stärker. Vor acht Jahren bei der WM in Island zog die DHB-Auswahl ebenso den Kürzeren (20:22) wie 2001. Damals musste sich die deutsche Mannschaft im WM-Viertelfinale dem späteren Weltmeister mit 23:26 nach Verlängerung geschlagen geben.

Nervenstärke als großes Plus

"Wir haben einfach gelernt, die Mannschaft ist gereift. Ein Team, das aus Fehlern lernt, wird immer stärker", verweist der Lemgoer Kreisspieler Christian Schwarzer auf die gewachsene Nervenstärke. Die hatte sich auch am Donnerstag im entscheidenden Hauptrundenspiel gegen den WM-Dritten Jugoslawien gezeigt. Beim 31:31 ließ sich das Brand-Team nicht aus dem Konzept bringen und sicherte sich den fehlenden Punkt zum Einzug ins Halbfinale.

Erstmals seit 1995 hat eine deutsche Mannschaft bei einer Weltmeisterschaft die Vorschlussrunde erreicht. Der letzte WM-Titel liegt bereits ein Vierteljahrhundert zurück. "Ich hoffe, dass bis zum Finale alles zusammenpasst. Die Mannschaft hat sich seit 1998 stetig weiterentwickelt. Darauf bin ich stolz", so Bundestrainer Brand.

"Möchte mir nicht ewig diese Sprüche anhören müssen"

Nach der verpassten Qualifikation zur WM 1997 in Japan hatte der Gummersbacher das Amt übernommen und das Team bei der Europameisterschaft zu Bronze (1998) und Silber (2002) geführt. Brands Vertrag läuft noch bis 2005. 25 Jahre nach dem WM-Gewinn als Spieler kann der 50-Jährige diesen Triumph auch als Trainer erreichen und damit das Gleiche schaffen wie Franz Beckenbauer 1974 und 1990 im Fußball.

"Bei einer WM ist der Druck immer da. Wir haben diesmal eine Chance, und die wollen wir nutzen", gibt Brand seinen Spielern vor dem 53. Spiel (bislang 32 Siege) gegen Frankreich mit auf den Weg. Selbst die Gefahr, dass er beim Gewinn des WM-Titels wohl seinen markanten Walross-Bart opfern müsste, schreckt Brand nicht. "Ich habe schon schlimmere Ängste ausgestanden. Allerdings habe ich den Schnäuzer erst zweimal in meinem Leben abrasiert."

Auch der mit 48 Treffern bislang beste deutsche Torschütze Stephan Kretzschmar hat sich einiges vorgenommen. "Meine Mutter hat schon drei WM-Titel gewonnen. Ich möchte jetzt endlich nachlegen, damit ich mir nicht ewig diese Sprüche anhören muss", sagte der Magdeburger, der am Sonntag im möglichen Finale sein 200. Länderspiel bestreiten würde.



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