Handball-WM Bombendrohung und Ausschreitungen

Schrecksekunde im deutschen Quartier: Im Hotel der Handball-Nationalmannschaft ist eine Bombendrohung eingegangen, die sich allerdings als Fehlalarm entpuppte. In der Stadt kam es zu Schlägereien zwischen serbischen und kroatischen Fans.

"Um 20.45 Uhr ist eine Bombendrohung im Hotel eingegangen", sagte der deutsche Teamguide in Zadar, Laura Jogadic. Die Teams seien allerdings nicht in Sicherheit gebracht worden, sagte Jogadic. Nach der Drohung sei das Hotel Kolovare am Freitagabend auf Sprengstoff durchsucht worden, die Drohung erwies sich als Fehlalarm. Der Anrufer sei bereits zehn Minuten später gefasst worden.

"Wir haben davon gar nichts mitbekommen", sagte Horst Bredemeier, Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB) und Delegationsleiter des deutschen Teams bei der Handball-WM: "Wir haben davon nur gehört, weil Christian Schöne einen Anruf von seinem Göppinger Trainer Velimir Petkovic bekommen hat." Dem DHB-Tross wurde dennoch empfohlen, das Quartier nur noch in Polizeibegleitung zu verlassen. Die deutsche Auswahl trifft am Samstag (17.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) im ersten Hauptrundenspiel auf Serbien.

In dem Hotel sind alle sechs Teilnehmer der Hauptrundengruppe II einquartiert, darunter auch die serbische Mannschaft. Am Freitagabend erhielt eine Zeitung in Zadar eine Mitteilung per SMS, in der es über das Hotel sinngemäß hieß: "In dreißig Minuten wird dort eine Bombe hochgehen. 150 Serben werden sterben."

Eine politisch motivierte Tat kann daher nicht ausgeschlossen werden. "Zadar war früher Kriegsgebiet, ich glaube deshalb nicht, dass viele serbische Fans kommen werden, das ist vielen zu gefährlich", sagt Momir Ilic, derzeit bester Torschütze im Team der Serben. Zadar gilt als eine der Hochburgen des extremen kroatischen Nationalismus. Kroatische Extremisten hatten zuvor erklärt, dass die serbischen Fans unerwünscht seien.

Am Samstag kam es zudem im Zentrum der Stadt zu Schlägereien zwischen kroatischen und serbischen Anhängern. Vor einem anderen Hotel wurde ein Auto mit serbischen Kennzeichen schwer beschädigt. Bereits in der Nacht zuvor war ein mazedonischer Fan von Unbekannten verprügelt und schwer verletzt worden.

Am Freitag hatte der Bürgermeister von Zadar bereits die Entfernung der Fahnen aller WM-Teilnehmer angeordnet und damit für Spannungen gesorgt. Dies habe die Stadtverwaltung nach zahlreichen Bürgerprotesten getan, weil sich unter den Flaggen auch die von Serbien befand, hatte Bürgermeister Zivko Kolega gesagt. Er habe die "Sensibilität" seiner Mitbürger respektiert, erklärte Kolega.

In dieser Woche war es bereits bei den Australian Open zu Ausschreitungen zwischen serbischen und bosnischen Fans gekommen. Nach der Drittrunden-Partie zwischen dem serbischen Titelverteidiger Novak Djokovic und dem in Bosnien geborenen Amerikaner Amer Delic gingen nach Angaben der Polizei 20 bis 30 Menschen in Melbourne aufeinander los. Dabei wurden Plastikstühle und Flaschen geworfen, eine Frau wurde leicht verletzt.

"Ich kann nicht viel machen. Ich bin auf dem Court", hatte Djokovic gesagt. "Darüber haben wir keine Kontrolle. Was außerhalb des Platzes passiert ist, weiß ich nicht." Delic hatte vor dem Match auf seiner Internet-Seite zu friedlicher Unterstützung aufgerufen. "Das ist ein Tennismatch. Da ist kein Platz für so etwas", sagte Delic.

mit Material von dpa