Handball-WM Deutschland besiegt Ungarn und wird Fünfter

Versöhnlicher Ausklang bei der Handball-WM in Kroatien: Die deutsche Nationalmannschaft hat sich durch einen ungefährdeten Sieg gegen Ungarn den fünften Platz gesichert. Präsentieren konnten sich vor allem Spieler, die bislang in der zweiten Reihe gestanden hatten.


Hamburg - Als Rückraumspieler Holger Glandorf den Treffer zum 19:15 erzielte, ballte er die Faust und schrie seinen Jubel hinaus. Die Szene verdeutlichte den Ehrgeiz, mit dem die deutsche Handball-Nationalmannschaft ihr letztes Spiel bei der Handball-WM in Kroatien gegen Ungarn anging und um den fünften Platz kämpfte. Das Engagement wurde belohnt - am Ende hieß es 28:25 (16:13). Bester Torschütze in Zagreb war zum Abschluss der Rückraumspieler Lars Kaufmann mit acht Treffern. Im gesamten Turnierverlauf erzielte Holger Glandorf die meisten deutschen Tore (43). Echten Wert hat der fünfte Sieg im neunten WM-Spiel für die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand allerdings nicht, da sich nur der Titelträger für die nächste Weltmeisterschaft 2011 in Schweden direkt qualifiziert. Nach dem knapp verpassten Halbfinal-Einzug hatte Brand dennoch ein positives Fazit der Leistung seines neu formierten Teams gezogen: "Mit Platz fünf kann ich sehr gut leben. Wenn mir vorher jemand das Ergebnis gesagt hätte … Langsam lässt auch die Enttäuschung nach. Vor allem fand ich toll, wie die Spieler nach dem Ausfall von Hens noch mal an die Grenzen gegangen sind."

Gegen Ungarn fehlten einige Spieler: neben den bereits abgereisten Christian Sprenger (Innenbandriss im Knie) und Kapitän Michael Kraus (Außenbandriss im Sprunggelenk) auch Pascal Hens wegen einer Oberschenkelverhärtung sowie Kreisläufer Sebastian Preiß, der mit einer Grippe im Bett lag. Auf der Hens-Position im halblinken Rückraum zeigte Kaufmann seine ganze Wurfgewalt und hatte schon in der ersten Hälfte sieben Tore erzielt. "Man sieht, dass es Spaß macht, auch wenn es natürlich nicht ganz so einfach war, sich noch mal zu motivieren", sagte Hens als Zuschauer auf der mit nur knapp 2000 Zuschauern spärlich gefüllten Tribüne.

Gegen die glücklosen Torhüter der Ungarn mit dem Gummersbacher Nandor Fazekas steigerten aber auch die anderen Deutschen ihre Trefferquote. So war der Vorsprung nach 20 Minuten erstmals auf fünf Tore angewachsen (12:7). Anders als in den vorangegangenen WM-Spielen blieb der Bruch im deutschen Spiel diesmal aus. Auch die vielen Wechsel, mit denen Heiner Brand allen Spielern noch einmal WM-Einsatzzeit verschaffte, brachten sein Team nicht aus dem Konzept. Zudem zeigte der im zweiten Durchgang für Carsten Lichtlein eingewechselte Silvio Heinevetter aus Magdeburg erneut eine starke Leistung und glänzte mit zahlreichen Paraden.

Als der Vorsprung in der 42. Minute beim Stand von 23:16 erstmals auf sieben Tore angewachsen war, hatten die Ungarn in einer weitgehend fairen Begegnung nicht mehr viel entgegenzusetzen. Erst die Umstellung auf eine etwas offensivere Abwehr eine knappe Viertelstunde vor dem Ende brachte den deutschen Angriff kurzzeitig in Schwierigkeiten. "Wir haben das gemacht, was wir im gesamten Turnier gemacht haben: uns richtig reingehängt. Mein Kompliment geht heute vor allem an die jungen Spieler", sagte der deutsche Abwehrchef Oliver Roggisch nach dem Spiel.

Das Erreichen des Platzierungsspiels war für Ungarn ein Erfolg. 2008 hatten sie die Qualifikation für die EM in Norwegen und Olympia in Peking verpasst.

jar/sid

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