Niederlage im WM-Viertelfinale Deutsche Handballer scheitern an Katar

Deutschland hat bei der Handball-WM in Katar durch eine 24:26-Niederlage das Halbfinale verpasst. Gegen die Mannschaft des Gastgebers liefen die Deutschen fast das gesamte Spiel über einem Rückstand hinterher. Das DHB-Team haderte mit den Schiedsrichtern.

DPA

Hamburg - Die deutsche Nationalmannschaft ist bei der Handball-WM an Katar gescheitert. Die Mannschaft des Gastgebers besiegte die Deutschen 26:24 (18:14) und zog damit ins Halbfinale ein.

Dort trifft Katar auf Polen. Deutschland spielt nun in den Platzierungsspielen um die Teilnahme an einem Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Gegen Katar war Kapitän Uwe Gensheimer mit fünf Toren bester Werfer des DHB-Teams, aufseiten der Gastgeber war der gebürtige Kubaner Rafael Capote (acht Treffer) am erfolgreichsten.

"Man muss aufpassen, was man sagt", sagte Deutschlands Torhüter Silvio Heinevetter in Anspielung auf die Schiedsrichterleistung: "Jeder, der Ahnung hat von Handball, weiß, was ich denke."

Deutschland war zunächst durch einen Treffer von Steffen Weinhold in Führung gegangen, doch Katar gelang schnell der Ausgleich. In der Folge wechselte die Führung ständig, ehe Katar durch zwei Siebenmeter von Zarko Markovic auf drei Tore davonzog. Ein Treffer von Katars Abwehrchef Hassan Mabrouk bedeutete sogar eine Vier-Tore-Führung, die Katar zunächst halten konnte.

Heinevetter kommt nach der ersten Auszeit - und hält stark

Bundestrainer Dagur Sigurðsson reagierte, indem er nach rund einer Viertelstunde die erste Auszeit nahm. Die blieb zunächst ohne positiven Effekt, denn unmittelbar danach vergab Gensheimer einen Siebenmeter - Katar zog in der Folge auf sechs Tore davon.

Immerhin konnte Torwart Silvio Heinevetter zunächst einen noch deutlicheren Rückstand verhindern, zum Beispiel durch einen gegen Markovic parierten Siebenmeter. Heinevetter war nach der Auszeit für den bislang in diesem Turnier überragenden Carsten Lichtlein ins Spiel gekommen. Doch obwohl er viele Bälle hielt, konnte sich Katar kurzzeitig sogar einen Sieben-Tore-Vorsprung herausspielen. Auf den Treffer von Katars Capote zum 16:9 hatte Gensheimer immerhin eine schnelle Antwort, der allzu deutliche Vorsprung hielt nur wenige Sekunden.

Als Patrick Groetzki kurz vor der Halbzeit auf fünf Tore Abstand verkürzte, nahm Katars spanischer Trainer Valero Rivera erstmals eine Auszeit. In den wenigen verbleibenden Minuten vor der Pause konnte Deutschland weiter verkürzen, Patrick Groetzki verwandelte Sekunden vor der Halbzeit einen Tempo-Gegenstoß zum 14:18 - das war der Pausenstand.

Schiedsrichter wegen umstrittener Entscheidungen im Fokus

Der deutliche Rückstand lag nicht nur an den häufigen Fehlern, die sich die Deutschen leisteten: Es gab erneut auch mehrere umstrittene Schiedsrichterentscheidungen zugunsten Katars. Schon Katars Achtelfinalgegner Österreich hatte sich von den Schiedsrichtern benachteiligt gefühlt.

Wenige Minuten nach der Halbzeit gab es eine umstrittene Zwei-Minuten-Strafe für Patrick Wiencek, trotzdem konnte sich Deutschland wieder herankämpfen. Als Groetzki die Deutschen auf zwei Tore Abstand heranbrachte, nahm Katar-Trainer Rivera eine Auszeit. Doch kurz darauf verkürzte erneut Groetzki auf 19:20.

Danach erzielten die Katarer zwei Tore in Folge - auch weil Deutschland ein erfolgreicher Angriff wegen eines vermeintlichen Offensivfouls abgepfiffen wurde. Und Katars Drei-Tore-Vorsprung hielt mit einer kurzen Unterbrechung bis zur Schlussphase.

Deutschland hatte Chancen, um noch heranzukommen, doch unter anderem Groetzki scheiterte nach einem Tempo-Gegenstoß an Katars Torwart. Am Ende war Katars Sieg verdient.

Katar - Deutschland 26:24 (18:14)
Katar: Saric, Stojanovic - Capote (8), Markovic (6/2), Vidal (4), Memisevic (3), Benali (3/1), Mabrouk (1), Roine (1)
Deutschland: Lichtlein, Heinevetter - Gensheimer (5/1), Groetzki (4), Weinhold (3), Strobel (3), Drux (3), Wiencek (3), Pekeler (2), Kraus (1), Schmidt, Kneer, Schöngarth, Müller, Musche, Sellin
Zeitstrafen: 2:3
Siebenmeter: 3/4:1/3
Schiedsrichter: Nachevski/Nikolov (Mazedonien)
Zuschauer: 14.500

Kroatien - Polen 22:24 (10:12)

Polen steht erstmals seit 2009 in einem WM-Halbfinale. Das Team des deutschen Trainers Michael Biegler setzte sich 24:22 (12:10)gegen Kroatien durch.

Beide Mannschaften überzeugten von Beginn an mit harter, aber meist regelkonformer Abwehrarbeit. Polen konnte sich bis zur Pause einen kleinen Vorteil erspielen. Nach Wiederbeginn ging jedoch Kroatien in Führung und zog innerhalb von zehn Minuten auf drei Tore davon. In den Schlussminuten glich Polen aus und konnte das Spiel in einer spannenden Schlussphase drehen.

Kroatien hatte in Welthandballer Domagoj Duvnjak und Marko Kopljar seine besten Werfer, beide trafen fünfmal. Für Polen war Mariusz Jurkiewicz (sechs Tore) am erfolgreichsten. Das Halbfinale gegen Katar findet am Freitag (16.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky) statt.

tim

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goethestrasse 28.01.2015
1. Geld gewinnt
..nun können wir mit den Österreichern jammern. Wird aber nix helfen. Wer weiss, was Katar noch zur Fussball WM einfällt. Nicht die Spieler allein entscheiden das Spiel.
anonxd 28.01.2015
2. Scheitern triffts nicht eher wurden Gescheitert
nämlich von den Schiedsrichtern. Ich war lange selber Handball Schiedsrichter und habe auch vorher schon Spiele mit Fehlentscheidungen gesehen aber selten welche mit so vielen und noch nie aber auch nur ein einziges Spiel wo Fehlentscheidungen nur gegen eine Seite fielen. Das heute war lächerlich und hatte nichts mehr mit Handball zu tuen wenn ich der DHB wäre ich würde dieses Spiel vor ein Sportgericht ziehen macht man nur nicht weil Katar ja alles bezahlt!
Mähtnix 28.01.2015
3.
Es gab - wie gegen Österreich - ein paar Stürmerfouls zu viel gegen Deutschland und ein bis zwei Zeitstrafen zu wenig für Katar. Aber wie Östereich hatte auch Deutschand es in der Hand, das Spiel zu entscheiden. Wir haben vorne einfach zu viel weggeworfen. Schade. Aber super gekämpft.
exeblue 28.01.2015
4. Lächerlich und/oder ärgerlich
Katar, Wiege des Handballs, steht im Halbfinale. Hurra! Die Mannschaft als Nationalmannschaft von Katar zu verkaufen ist ja wohl lächerlich. Skandal Nummer zwei, mit Sicherheit die Schiedsrichter. Ich könnte mir vorstellen, dass die mehr als einen Tankgutschein bekommen haben. Vergessen wir aber nicht, dass die Sauereien sich lediglich in eine komplette Witzveranstaltung einreihen. Schließlich wissen wir ja noch, wie wir überhaupt zu dieser WM gekommen sind.
geominer 28.01.2015
5. Sportliche Größe
Wenn Herr Heinevetter schon von Ahnung vom Handball redet, dann hätte er vor der WM schon wissen müssen worauf er und das Team sich einlassen. Jeder wusste was dort passieren wird. Sportliche Größe wäre es gewesen, nicht den politischen und monetären Entscheidungen Folge zu leisten und an der WM aufgrund von besseren Einschaltquoten mit Deutschland teilzunehmen. So bleibt Deutschland als Verlierer gegen Katar in Erinnerung, dass den sportlich qualifizierten Australiern das Ticket nahm! Schade, dass Geld mittlerweile auch den Handball regiert. Nebenbei habe ich schon schlechtere Schiedsrichter gesehen. Ich bezweifel das Deutschland VIEL besser gewesen wäre ohne sie.
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