Deutschlands Halbfinal-Niederlage gegen Norwegen "Heute war in der Abwehr und im Angriff der Wurm drin"

Auch die starken Keeper konnten das Halbfinal-Aus nicht verhindern: Deutschland hat das Endspiel der Handball-WM verpasst.

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Spiel der Emotionen: Im Handball liegen Ekstase, Freude, Wut und Trauer eng beieinander - so war es auch in Hamburg. Die freudestrahlenden Fans zu Beginn, Uwe Gensheimers Jubelschrei nach dem 1:0, das deutlich formulierte Unverständnis von Andreas Wolff, als er ausgewechselt wurde, - und am Ende die Tränen von Patrick Wiencek. Kalt ließ der Handball am Freitagabend niemanden.

Von Nationalspieler zu Nationalspieler: In den vergangenen Tagen äußerten sich viele Menschen, die im Handball vieles von dem zu sehen glauben, was sie beim Fußball vermissen. Dass bei den Fußballern dennoch kein Neid aufkam, zeigten die vielen warmen Worte von Löw, Grindel und Co. Von den Nationalspielern Thomas Müller, Joshua "Heiner" Kimmich und Leon Goretzka gab es einen ganz speziellen Gruß.

Das Ergebnis: Alle guten Wünsche aus der Fußballbranche halfen nicht - die deutsche Mannschaft verlor das Halbfinale 25:31 (12:14) gegen Norwegen. Im Endspiel kommt es am Sonntag dank des dänischen Siegs gegen Frankreich zum skandinavischen Duell (17.30 Uhr). Das DHB-Team trifft im Spiel um Platz drei auf die Franzosen (14.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ZDF).

Die erste Hälfte: Die Deutschen führten schnell 3:1, doch dann schwächelte das DHB-Team und den Norwegern gelangen drei Tore am Stück. In der Offensive vergaben die Deutschen viele Chancen - und konnten sich bei ihren starken Keepern Andreas Wolff und Silvio Heinevetter (den Bundestrainer Christian Prokop zum Ärger von Wolff - trotz einer starken Phase von Wolff - einwechselte) bedanken. Beide zeigten tolle Paraden. Dennoch führte Norwegen zur Halbzeit 14:12.

Silvio Heinevetter
AFP

Silvio Heinevetter

Die zweite Hälfte: Norwegen konnte seinen Vorsprung schnell auf vier Treffer ausbauen - Prokop versuchte sein Team in einer Auszeit nochmal wachzurütteln. Deutschland kam tatsächlich ran, doch Fabian Böhm verwarf die Chance zum Anschlusstreffer. Dann handelte sich Hendrik Pekeler durch seine dritte Zeitstrafe die Rote Karte ein - und Norwegen zog wieder davon. Am Ende waren es sechs Tore Vorsprung.

Zwei Minuten: Die tschechischen Schiedsrichter fuhren eine strenge Linie. Das führte dazu, dass beide Teams zeitweise je zwei Spieler auf der Strafbank hatten. Einige Strafen (wie die "Notbremse" von Uwe Gensheimer, der bei einem Konter einen Norweger von hinten umstieß) waren berechtigt, in anderen Situationen hätten die Referees aber auch mit einem strengen Blick auskommen können. Am Ende waren es insgesamt zehn Zeitstrafen. "In meinen Augen war es kein überhartes Spiel", sagte Prokop nach der Partie.

Stimmen: "Das sind einfach zu viele Gegentore gewesen und Norwegen hat das cleverer gespielt", sagte Paul Drux in der ARD. "Norwegen war einfach besser", sagte Prokop. Und Heinevetter meinte: "Heute war sowohl in der Abwehr als auch im Angriff der Wurm drin."

Knapp daneben getippt: Uwe Schwenker, Präsident der Handball-Bundesliga, hatte im Vorfeld auf ein WM-Finale zwischen Deutschland und Frankreich getippt. So können sich auch Handball-Fachleute irren.

Ausblick: So enttäuscht die Spieler nach der Pleite waren - in den Interviews sagten viele, dass sie nun die Bronzemedaille holen wollen - auch Prokop: "Das lassen wir uns nicht nehmen."



insgesamt 35 Beiträge
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Taugur 25.01.2019
1. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel
Vielen Dank für eine schöne WM! Heute war nicht das stärkste Spiel des Turniers aber insgesamt war das eine klasse Teamleistung und macht Lust auf mehr!
cerec 25.01.2019
2. Kopf hoch
Norwegen war heute einfach cleverer.... trotzdem toles Turnier mit Riesenstimmung. und am Sonntag den amtierenden Weltmeister Frankreich schlagen....viel Glück
wunsiedel 26.01.2019
3. Endlich vorbei !
Man sollte einem Fußballtorwart einmal sagen: "Toll gespielt ! Nur 60 % der Schüsse auf Dein Tor hast Du nicht gehalten ! Einfach Weltklasse !"
telarien 26.01.2019
4. Im Vergleich
Die Handballer haben Spaß gemacht. Im Vergleich mit den Fussballern wirkte es wie Männer gegen Jungs. Hier gab es keine ewigen Schauspieleinlagen, gut so!
ius 26.01.2019
5. Die Auswechslung...
...von Andreas Wolff in der ersten Halbzeit war eine absolute Fehlentscheidung und hat wohl die Niederlage eingeläutet. Einen Torwart, der gerade warmgeschossen wurde und mehrere Bälle weggefischt hat, in seiner stärksten Phase auszuwechseln, ist völlig unverständlich. Ein kapitaler Trainerfehler. Irgendwelche Abmachungen, die vorher in der Kabine vielleicht getroffen wurden, sind in solch einer Situation völlig nachrangig. Damit war auch die Sicherheit in der Hintermannschaft weg. Andreas Wolff hat sich zurecht aufgeregt, man hat es als Spieler und eigentlich auch als Trainer im Gefühl (auch als kundiger Zuschauer), wenn es läuft, und dann ausgewechselt zu werden, ist nicht nachvollziehbar.
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