Handball-Niederlage gegen Frankreich Diese verdammte Sekunde

Die deutsche Nationalmannschaft war so nah dran, aber Nikola Karabatic zerstörte den Bronzetraum des Teams bei der WM. Das Spiel machte dem Ruf des Handballs als Drama-Sportart mal wieder alle Ehre.

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Ausgangslage des Spiels: Spiel um Platz drei, Spiel um die saure Gurke. Aber da die Handballer ja bekanntlich so bodennah, sturmfest und erdverbunden sind und überhaupt alle Positiveigenschaften auf sich vereinigen, nehmen sie diese Partie auch noch mal richtig ernst. Man hatte beiden Mannschaften schon im Vorfeld angehört, wie ernsthaft sie diese Aufgabe angehen wollten.

Ergebnis des Spiels: Das Spiel wurde wirklich ernst genommen. Also so richtig ernst. Ringen bis zur letzten Sekunde. In der der 26:25-Siegtreffer für Frankreich fiel.

Die erste Halbzeit: Eine konzentrierte deutsche Mannschaft, die fast immer in Führung liegt. Die einen sehr starken Andreas Wolff im Tor zu bieten hat. In der sich Patrick Wiencek gewohnt als Kampfschwein betätigt. Und die deshalb am Ende dieser Halbzeit verdient mit vier Treffern Vorsprung in die Kabine geht. 13:9, was soll noch schiefgehen?

Die zweite Halbzeit: Eine konzentrierte französische Mannschaft, die ab der 42. Minute fast immer in Führung liegt. Die einen sehr starken Vincent Gerard im Tor zu bieten hat. In der sich Nikola Karabatic gewohnt als Kampfschwein betätigt. Und die deshalb am Ende dieser Halbzeit das eine Tor besser ist.

Die letzte Sekunde: Für die Schlussphase im Handball wurden die Worte Hektik und Dramatik in die Sportberichterstattung eingeführt. Es steht 25:25, und 15 Sekunden vor Schluss ist die deutsche Mannschaft in Ballbesitz gekommen. Doch statt den Angriff überlegt auszuspielen, riskiert Matthias Musche "einen Harakiri-Pass", wie das Torwart Andreas Wolff später nannte. Hendrik Pekeler kann den Ball nicht fangen, der Harakiri-Pass landet bei den Franzosen, Tempogegenstoß, Karabatic, Tor, Schlusssirene. Verloren.

Spieler des Spiels: Das Turnier hat ohne Nikola Karabatic angefangen. Der Superstar der Franzosen war verletzt, und alle Welt ging davon aus, dass diese WM ohne Karabatic gespielt wird. Doch der 34-Jährige gesundete schneller als gedacht, wurde nachnominiert - und nach 59 Minuten und 59 Sekunden im Spiel um Platz drei hatte sich das spätestens gelohnt. Eiskalt, der Mann.

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Deutschland bei der Handball-WM: In letzter Sekunde das Treppchen verpasst

Zitat des Spiels: "Wir haben eigentlich eine tolle WM gespielt." Andreas Wolff hat mit dem Satz alles gesagt. Eigentlich.

Boom des Spiels: Das ZDF dürfte noch einmal eine fette Einschaltquote eingefahren haben. Ab sofort beruhigen sich alle wieder. Ab Februar ist dann wieder Hannover-Burgdorf gegen TVB Stuttgart.

Erkenntnis des Spiels: Wenn es eine Frage gab, die die Anwartschaft auf die Nervensäge der Woche hatte, dann war es: Was kann der Fußball vom Handball lernen? Vielleicht ja das: Dass ein Spiel um den Dritten Platz dramatischer sein kann als ein Endspiel.



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
a-cause-de 27.01.2019
1.
Mir geht die Eventisierung von allen möglichen Sportveranstaltungen ziemlich auf die Nerven. Jetzt wollte man den Handball auf das Niveau von Fußball hypen - mit euphorisierenden Werbevspots auf allen Fernsehkanälen. Dabei ist die Entwicklung des Fußballs hin zu totaler, völlig überzogener Kommerzialisierung doch traurig genug. Ich wundere mich, was man den Menschen alles einreden kann. Ihr Lieben Handballer, habt weiter Freude an eurem Sport und bleibt auf dem Boden. Übrigens: warum gibt es im öffentlichen TV keinen reinen Sportsender? Für Nichtsportinteressierte ist der ständige Sport zur Hauptsendezeit - mit Programmänderun - eine Zumutung
frodo111 27.01.2019
2. Schwach
Ich weiss nicht warum man nicht einfach mal sagen kann dass das einfach enttäuschend war...
mullertomas989 27.01.2019
3. Wieso wechselt man mehrfach den Torwart aus?
... wenn es mehrfach schiefgeht?? Das waren mindestens 4 Gegentore..........
andromeda793624 27.01.2019
4.
Zitat von a-cause-deMir geht die Eventisierung von allen möglichen Sportveranstaltungen ziemlich auf die Nerven. Jetzt wollte man den Handball auf das Niveau von Fußball hypen - mit euphorisierenden Werbevspots auf allen Fernsehkanälen. Dabei ist die Entwicklung des Fußballs hin zu totaler, völlig überzogener Kommerzialisierung doch traurig genug. Ich wundere mich, was man den Menschen alles einreden kann. Ihr Lieben Handballer, habt weiter Freude an eurem Sport und bleibt auf dem Boden. Übrigens: warum gibt es im öffentlichen TV keinen reinen Sportsender? Für Nichtsportinteressierte ist der ständige Sport zur Hauptsendezeit - mit Programmänderun - eine Zumutung
Ja das erinnert mich immer an die Frauen-Fußball WM. Da wird auch immer alles wieder künstlich gehyped.
pjotrmorgen 27.01.2019
5. Harakiripass? Kann den Ball nicht fangen?
Es sieht eher so aus, als ob Pekeler den Ball gefangen hat und dann von zwei Franzosen zu Boden gerissen wird bzw. aufgrund des Umreissens den Ball nicht so kontrollieren kann, dass er selbst zum Wurf kommt. Der dritte Franzose hat dann leichtes Spiel den Ball zu übernehmen. Hätte ein Franzose/Däne/Norweger an Pekelers Stelle nicht doch eher einen Freiwurf bekommen? Gensheimers Zeitstrafe kurz vor Schluss war zumindest fragwürdig, die rote Karte gegen Wiencek wohl eher ein Witzchen. Wie schon erwähnt: mit mehr Cleverness kommt man nicht mehr in solche Situationen und wird auch solche Spiele gewinnen.
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