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29. Januar 2015, 14:31 Uhr

WM-Aus der deutschen Handballer

"Im Schiedsrichterwesen gibt es Grauzonen"

Ein Interview von

Haben die Schiedsrichter bei der Handball-WM gegen Deutschland gepfiffen? Der frühere Nationaltrainer der Frauen sagt: Heimvorteile gibt es immer. Doch Gastgeber Katar habe verdient gewonnen.

SPIEGEL ONLINE: Herr Emrich, Katar ist bislang nicht wirklich als Handballnation aufgefallen. Nun steht der Gastgeber im Halbfinale der Weltmeisterschaft. Verdient?

Emrich: Ich muss sagen: absolut. Die Katarer haben es geschafft, für dieses Turnier gezielt eine richtig starke Mannschaft zusammenzustellen, mit hervorragenden Spielern aus der ganzen Welt. Ihr Spiel trägt eindeutig die Handschrift des spanischen Trainers Valero Rivera López - und die ist nun eben gut. Katars strategische und finanzielle Investitionen haben sich schon jetzt gelohnt.

SPIEGEL ONLINE: Heißt das im Umkehrschluss, dass Deutschland verdient verloren hat?

Emrich: Schaut man auf den gesamten Turnierverlauf, dann nicht. Diese junge Truppe hat sich in den vergangenen Wochen entwickelt, sie hat in der Vorrunde ihre Möglichkeiten voll ausgeschöpft. Aber gegen Katar haben die Spieler plötzlich Fehler gemacht, die ihnen vorher nicht unterlaufen sind, im Angriff wie in der Abwehr. Schauen Sie sich allein die vergebenen Chancen in der Schlussphase an!

SPIEGEL ONLINE: Sie sind ein international erfahrener Trainer. Wie beurteilen Sie die Leistung der Schiedsrichter?

Emrich: Sie ahnen, dass das ein ganz heißes Thema ist. Gerade, weil es im Schiedsrichterwesen des Handballs subjektive Grauzonen gibt. Zum Beispiel bei Offensiv- oder Abwehrfouls oder auch bei der Interpretation des passiven Spiels. Die Abfolge des Strafmaßes und damit die Linie der Schiedsrichter unterscheiden sich von Partie zu Partie. Bei der hohen Emotionalität der Spiele spielt auch ein vermeintlicher Heimvorteil eine Rolle. Aber darüber kann und will ich nicht in der Öffentlichkeit diskutieren. Ich weiß, dass sich der Internationale Handballverband intern mit dem Thema beschäftigt

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass dieses Wissen die junge deutsche Mannschaft schon vor dem Anwurf verunsichert haben könnte?

Emrich: Davon gehe ich nicht aus. Die Mannschaft war gut vorbereitet und hoch konzentriert. Es ist auch völlig normal, dass ein Team mal einen Durchhänger hat. Für die Deutschen kam er zum falschen Zeitpunkt gegen den falschen Gegner. In der Vorrunde hat die junge deutsche Mannschaft klasse Spiele und Ergebnisse abgeliefert, die man in dieser Qualität nicht unbedingt erwarten durfte.

SPIEGEL ONLINE: Also lag es nicht an zu hohen Erwartungen?

Emrich: Nein, alle Spieler sind den Druck in der Bundesliga, der besten Liga der Welt, gewöhnt und können auch damit umgehen.

SPIEGEL ONLINE: Wie fällt Ihr WM-Fazit aus?

Emrich: Die deutsche Mannschaft befindet sich auf einem guten Weg. Sie spielt bei diesem Turnier erstmals mit dieser Formation eine WM unter ihrem neuen Trainer Dagur Sigurdsson. Man hat gesehen: Da ist in den kommenden Jahren viel Luft nach oben. Und es werden noch weitere vielversprechende Spieler zum Team stoßen.

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