Handball-WM Knackt Deutschland den Tor-Rekord?

Deutschlands zweiter Gruppengegner bei der WM in Portugal ist der Handball-Exot Australien. Zum Auftakt kassierte der Vertreter Ozeaniens gegen Island gleich eine Rekordniederlage. Gegen die Deutschen dürfte es dem bedauernswerten Außenseiter nicht viel besser ergehen.

Viseu - Gleich am ersten Spieltag der Handball-WM in Portugal wurde ein neuer Rekord aufgestellt. In der Gruppe B, in der auch Deutschland spielt, besiegten die Isländer am Montag den Handballzwerg Australien mit 55:15. Eine neue Bestmarke in der WM-Geschichte des Sports: Erstmals seit 1938 durchbrach ein Team die 50-Tore-Marke bei einem WM-Turnier. Die bisherige WM-Höchstmarke hatten die Schweden 1999 beim 49:17 ebenfalls gegen die Australier aufgestellt. Am Dienstag (15.15 Uhr) ist Australien Gegner der deutschen Mannschaft.

Den Isländern bedeutete der Höchstwert allerdings nicht allzu viel. "Das ist nur für die Statistik", stellte Olafur Stefansson vom Champions-League-Sieger SC Magdeburg nach dem Rekordergebnis seiner Mannschaft ungerührt fest, "solche Spiele bringen uns nicht weiter." Thema nach dem Schlusspfiff war vielmehr der Stromausfall acht Minuten vor dem Ende der Partie, den sich die bedauernswerten Australier vielleicht herbeisehnten, den Isländern jedoch mächtig ärgerte. "Es kann nicht sein, dass so etwas bei der WM passiert", fluchte Stefansson, "das bekommen zu Hause alle mit und ärgern sich. Ich hoffe, das war ein Ausnahme."

Die größte Tordifferenz aller WM-Spiele stammt übrigens aus dem Jahr 1958. Beim Titelkampf in der DDR siegte die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes DHB mit 46:4 gegen Luxemburg. Ein munteres Torewerfen präsentierte die deutsche Mannschaft auch zum Auftakt der WM in Portugal. Mit 40:17 besiegte der EM-Zweite Katar. Schon vor zwei Jahren beim Titelkampf in Frankreich hatte das DHB-Team die Handball-Exoten Grönland mit 39:8 und USA mit 40:12 deklassiert. "Fragen Sie die IHF", delegierte Bundestrainer Heiner Brand Fragen nach dem Sinn einer WM-Teilnahme dieser Mannschaften an den Weltverband.

"Wir müssen versuchen, die Differenz zu minimieren"


Tatsächlich ist für Australiens Handballer der Ausflug nach Portugal ein Abenteuer, bei dem Prügel unvermeidbar scheint. Die Sportart ist auf dem fünften Kontinent nicht gerade populär. "Ich schäme mich ein bisschen, es zu sagen, aber es spielen nur 150 bis 200 Menschen Handball in Australien", beichtet ihr mazedonischer Trainer Dragan Marinkovic. Deshalb kann das Ziel der Handball-Exoten für die Partie gegen die DHB-Auswahl laut Marinkovic nur heißen: "Wir müssen versuchen, die Differenz zu minimieren." Gegen die Isländer waren es 40 Tore Unterschied.

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