Handballer Hendrik Pekeler  Vom Partylöwen zum Musterprofi

Er galt als eines der größten Handball-Talente Deutschlands. Doch Hendrik Pekeler ruinierte seine Karriere beim THW Kiel durch fehlende Disziplin und lange Partynächte. Das "Handball-Magazin" schildert seinen Absturz - vom Champions-League-Sieger zum Zweitligisten Solingen.

Handballer Pekeler (r.): "Viele Fehler gemacht"
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Handballer Pekeler (r.): "Viele Fehler gemacht"

Von Tim Oliver Kalle


Die Geschichte klingt wie ein Handballmärchen: Ein talentierter 15-Jähriger wird vom THW Kiel entdeckt, mit 18 für vier Jahre unter Vertrag genommen und ist der neue Star am Kreis. Doch die Geschichte von Hendrik Pekeler ist kein Märchen, und so sitzt er nicht in einem Café an der Kieler Förde, sondern in Solingen, und erzählt, was ihm bisher zum Happy End gefehlt hat. "Ich habe in Kiel nicht profihaft gelebt und viele Fehler gemacht", sagt der heute 19-Jährige.

Noch im vorvergangenen Sommer schwärmte THW-Trainer Alfred Gislason vom Potential des 2,03 Meter großen Jungen. Doch inzwischen spricht Pekeler von einem "Jahr, das man in die Tonne treten kann. Ich habe nicht begriffen, dass ich im besten Verein der Welt spielen konnte". Stattdessen läuft er jetzt in Solingen beim Bergischen HC in der zweiten Liga Süd auf.

Dabei deutete für Pekeler alles auf eine große Karriere hin. Schon als Jugendspieler darf er mit Kieler Stars wie Nikola Karabatic trainieren, 2008 bekommt er einen Vertrag. Der damalige THW-Manager Uwe Schwenker sagte: "Wir haben gegenüber Pekeler eine große Verantwortung. Wir haben ihm auch deshalb einen Vier-Jahres-Vertrag gegeben, damit er seine Berufsausbildung beenden kann." Auf Vermittlung des Vereins beginnt Pekeler eine Ausbildung zum Bankkaufmann.

Ein Jahr später, im Oktober 2009, bestreiten die "Zebras" gegen Vardar Skopje ein Gruppenspiel der Champions League. Auf der Bank sitzt Pekeler - doch die Chance auf einen Einsatz hat er am Vortag vertan: Der 18-Jährige verschlief den Abflug der Mannschaft. Die Episode fügt sich ins Bild des undisziplinierten Partylöwen. Gislason und THW-Kapitän Marcus Ahlm reden nach der Rückkehr aus Mazedonien mit dem jungen Mann, doch die ernsten Worte verlieren nach einigen Monaten wieder ihre Kraft.

Wieder ein Jahr später, im Juli 2010, hat der THW zum zweiten Mal die Champions League gewonnen und bereitet sich auf die neue Saison vor. Pekeler ist nicht mehr dabei. "Talent", sagt Trainer Gislason, "hat Hendrik ohne Ende. Aber er hat bei uns keine Einstellung gezeigt und ist nur selten zum Training erschienen. Es ist zum Heulen - dieser Junge hat eigentlich alles, um ein super Kreisläufer zu werden". Was ist schiefgegangen?

Mit den falschen Freunden auf der Piste

"Es lag an den falschen Freunden", sagt Pekeler heute. "Ich war nur feiern und konnte nicht 'nein' sagen." Der Ernst der Lage entgeht auch den Eltern, denn "ich habe ihnen nicht die ganze Wahrheit gesagt und wollte sie nicht unnötig belasten". Nach anderthalb Jahren bricht Pekeler seine Ausbildung als Bankkaufmann ab. Er erhält einen Platz in der Sportförderkompanie der Bundeswehr - auf Kurs kommt er jedoch erst, als er im April erstmals mit Martin Heuberger zusammentrifft. Der Junioren-Bundestrainer erklärt ihm Rahmenbedingungen und zeigt auf, "wie Leistungssport funktioniert". Es ist Pekelers letzte Chance.

Bislang scheint er sie zu nutzen. Anfang Juli wechselt er nach Solingen. Im August spielt er in der Slowakei eine überragende U20-Europameisterschaft und steht im All-Star-Team. Heuberger hat ein geläutertes Talent kennengelernt. "Er war ja sehr schwierig, aber ich kann nur über eine positive Entwicklung sprechen", sagt er. "Eigentlich verstehe ich nicht, warum man es in Kiel nicht geschafft hat, ihn in die Spur zu bekommen."

Pekeler sagt inzwischen, er sei dem THW dankbar für das Auflösen des Vertrages und Öffnen eines neuen Weges. Sein neuer Trainer Hans Dieter Schmitz hat den Transfer zu einem umfassenden Projekt gemacht und sagt: "Wenn man so einen jungen Mann holt, dann nicht nur als Spieler, sondern auch als Mensch. Ich weiß, welche Gefahren da drohen. Und wir haben alles versucht, Hendrik hier einzupflanzen." Die norwegischen Mitspieler Kristoffer Moen und Kenneth Klev sind Pekelers Paten. Sie sorgen dafür, dass der Neue im Alltagsbetrieb nicht verloren geht.

"Ich bin nur noch Handballer"

Pekeler empfindet die Situation mit maximaler Konzentration auf den Sport als kompletten Wandel. "Jetzt", sagt er, "bin ich nur noch Handballer. Mein Ziel ist es, bester Kreisläufer in Deutschland zu werden. Und ich setze alles daran, dass ich das schaffe." Sein Potenzial ist enorm: Trotz seiner Größe ist er sehr schnell auf den Beinen, fängt Bälle mit einer Hand, nutzt gnadenlos seine körperlichen Vorteile aus. In der Abwehr kann er sowohl im Innenblock stehen, als auch auf der vorgezogenen Position in der 5:1-Deckung spielen.

"Natürlich ist mein Ziel die Nationalmannschaft", sagt Pekeler. Da wolle er so schnell wie möglich Anschluss finden. Das klingt nach großen Worten, doch Pekeler wirkt nicht wie ein übermütiger Emporkömmling - seine Vergangenheit hat ihn geprägt: "Ich kann den THW verstehen, und ich hoffe, dass ich dort noch mal eine Chance bekomme. Es ist schon traurig, dass ich den Schalter nicht gefunden habe."



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Seite 1
stevie76 09.12.2010
1. ..
ich habe von handball null ahnung und als ich die überschrift las dachte ich es geht um einen mit- bzw. enddreißiger. aber der junge ist 19. damit hat er doch noch alle möglichkeiten der welt.
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