Handballerin Steinbach Sommer der Wahrheit

Meisterschaft, WM-Quali, Studienabschluss: Auf Laura Steinbach warten große Aufgaben. Als eine der erfolgreichsten Torjägerinnen der Handball-Bundesliga scheint die Rückraumspielerin von Bayer Leverkusen jedoch bestens gerüstet. Das "Handball Magazin" stellt die 23-Jährige vor.

Von Ulrich Hartmann


Leverkusen besteht zurzeit vor allem aus Baustellen. Ein halbes Dutzend Kräne über der Stadtmitte und ein halbes Dutzend über dem Fußballstadion. Überall Kräne, überall Veränderung. Das passt irgendwie zu Laura Steinbach. Auch im Leben der Rückraumspielerin gibt es in diesem Sommer mehrere Baustellen. Die 23-Jährige spielt derzeit ihren bislang besten Handball. Mit Bayer Leverkusen will die Rückraumspielerin Meister und vielleicht sogar Europapokalsieger werden, mit der deutschen Nationalmannschaft die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in China schaffen. In der finalen Phase ihres Studiums der Lebensmitteltechnik schließlich wartet die Abschlussarbeit.

Handballerin Steinbach: Hartes Programm im Sommer
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Handballerin Steinbach: Hartes Programm im Sommer

All diese Baustellen sind bis zum Sommer gleichzeitig zu bewältigen. Wird ihr das nicht zu viel? Sie lacht. Natürlich nicht. "Ich bin sogar froh, dass ich mich nicht zu Hause langweilen und immer nur auf die nächste Trainingseinheit warten muss", sagt Steinbach.

Schon immer eine gute Sportlerin, entdeckte sie bereits früh den Handball für sich: Als 1994 in Deutschland die erste Europameisterschaft der Frauen stattfand, saß auch die neunjährige Laura bei einem Spiel auf der Tribüne und sagte beim Blick auf die Nationalspielerin zu ihrer Jugendtrainerin: "Da will ich auch mal spielen!" Zwölf Jahre später hatte sie ihr Ziel erreicht: 2006 feierte Laura Steinbach mit 20 Jahren ihr Debüt im Nationalteam, ein Jahr nach dem Einstand in der Bundesliga.

Es dauerte - auch wegen eines Kreuzbandrisses im Februar 2007 mit einer halbjährigen Genesungszeit - danach noch drei weitere Jahre, doch nun spielt sie Handball auf höchstem Niveau. Nach zwei Bundesliga-Spielzeiten in Trier geht Steinbach nun im zweiten Jahr für Bayer Leverkusen auf Torjagd. Die 1,81 Meter große Athletin gilt als eine der besten Schützinnen der Liga und entwickelt sich im linken Rückraum der Nationalmannschaft zur ernsthaften Konkurrentin von Nadine Krause. Die Welthandballerin des Jahres 2006 wechselte im Sommer 2007 von Leverkusen nach Kopenhagen, just in jenem Sommer kam Laura Steinbach von Trier nach Leverkusen und beerbte Krause auf Halblinks. Damals gab es durch diesen reibungslosen Wechsel noch keinen Konkurrenzkampf um den Stammplatz. Im Nationalteam sieht dies inzwischen etwas anders aus.

Im Juni muss sich die deutsche Mannschaft in einem Duell mit Hin- und Rückspiel gegen Serbien für die Weltmeisterschaft im Dezember qualifizieren. Für das Team und für Laura Steinbach sind das wegweisende Partien, eine verpasste WM wäre ein herber Rückschlag. Nach dem überraschenden Rücktritt des Bundestrainers Armin Emrich im Januar positioniert sich die Mannschaft neu - ebenso wie Laura Steinbach. Sie nimmt den Kampf auf Halblinks neu auf. Ohne die WM zum Jahresende würde eine wichtige Herausforderung fehlen. Dann müsste sich Laura Steinbach nur auf Bayer Leverkusen konzentrieren. Sie hat ihren Vertrag dort bis 2010 verlängert. Trotz lukrativer Anfragen aus Dänemark. "Aber ich spiele Handball nicht des Geldes wegen", sagt sie. Ein Wechsel ins Ausland käme zu früh. Bis Juli muss sie schließlich ihre Abschlussarbeit abgeben.

Laura Steinbach hat sich an die Dreifachbelastung gewöhnt. Vier Jahre Handball auf höchstem Level im Verein und der Nationalmannschaft sowie sieben Semester Lebensmitteltechnik hat sie zeitgleich bewältigt. Es ist ihr wichtig, nach dem Handball berufliche Perspektiven zu haben. Umso gelassener kann sie nach dem Studienabschluss ihre sportliche Karriere voranbringen.

Auch sportlich sind die Ziele klar definiert: Zwischen 1979 und 1987 waren Leverkusens Handballerinnen achtmal Meister, seitdem nicht mehr. Als Bayers Frauen zum bislang letzten Mal triumphierten, war Laura Steinbach ein Jahr alt. "Na ja, fast zwei", sagt sie lachend. "Aber es ist trotzdem ganz schön lange her." So lange jedenfalls, dass es mal wieder Zeit wäre. Auch im Europapokal stehen die Chancen gut. "Früher", sagt Laura Steinbach, "habe ich mich oft gefragt, ob sich der Aufwand im Europapokal überhaupt lohnt, weil man viel unterwegs ist, bloß, um dann irgendwann im Viertelfinale doch auszuscheiden." Aber jetzt - "jetzt macht das richtig Spaß, weil wir echt Chancen auf den Titel haben". Im April und im Mai werden sich die Weichen für die Leverkusenerinnen stellen, im Juni wird sich für die Nationalmannschaft der weitere Weg entscheiden, und im Juli gibt Laura Steinbach ihre Abschlussarbeit ab, um den Titel Bachelor zu erwerben.

Es werden spannende Wochen für die 23-Jährige, und ausgerechnet in dieser aufregenden Phase macht es ihr nicht immer Spaß, über den Handball im Allgemeinen zu diskutieren. "Traurig und erschütternd", findet sie die Debatte um Korruption und Bestechung. Steinbach hat für sich vorerst beschlossen, wegen der Korruptionsaffäre im Handball keine weitere Baustelle zu eröffnen. Sie hat schon genug andere in diesem Frühjahr. Denn 2009 ist das Jahr ihrer bislang größten Herausforderungen.



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