Handballprozess Buchführung des THW Kiel "nicht ordnungsgemäß"

Der deutsche Handball-Rekordmeister THW Kiel hat seine Bücher offenbar nicht korrekt geführt. Eine Mitarbeiterin des Landeskriminalamts kritisierte im Prozess um angebliche Schiedsrichtermanipulationen im Handball Buchungen ohne Belege.

Ex-THW-Manager Schwenker: Ihm wird auch Untreue vorgeworfen
dapd

Ex-THW-Manager Schwenker: Ihm wird auch Untreue vorgeworfen


Hamburg - Die Buchführung des deutschen Handball-Clubs THW Kiel war nach Angaben einer Mitarbeiterin des Landeskriminalamts Kiel "nicht ordnungsgemäß". Das sagte die Zeugin am fünften Verhandlungstag im Kieler Prozess um angebliche Schiedsrichtermanipulationen aus. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft hatte die LKA-Mitarbeiterin Geldbewegungen auf dem THW-Geschäftskonto geprüft, die in zeitlicher Nähe zu Champions-League-Spielen standen. Was sie vorgefunden habe, "entspricht nicht ordnungsgemäßer Buchführung", sagte die Zeugin, "weil ihr keine Belege zugrunde liegen, die die geschäftlichen Vorgänge widerspiegeln."

In dem Prozess müssen sich der ehemalige THW-Manager Uwe Schwenker und der ehemalige Kieler Trainer Zvonimir Serdarusic wegen angeblicher Schiedsrichterbestechung im Vorfeld des gewonnenen Champions-League-Finales am 29. April 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt verantworten. Beide Angeklagten sowie die angeblich bestochenen Schiedsrichter bestreiten die Vorwürfe.

Die Zeugin gab an, dass der THW im April 2007 kurz vor dem Endspiel 92.000 Euro in zwei Teilbeträgen auf das Konto des kroatischen Spielervermittlers Nenad Volarevic mit dem Verwendungszweck "Transfer THW" überwiesen habe. Drei Tage vor dem Finale habe Volarevic 45.000 Euro in bar abgehoben. Später wurde dieser Betrag wieder auf seinem Konto verzeichnet. Um die Vorgänge überprüfen zu können, verlas das Gericht am Freitag einen Durchsuchungsbeschluss von Volarevics Bank in Zagreb.

Anklage wirft Schwenker Untreue vor

Laut Schwenker sei der Betrag für eine Spielervermittlung von Igor Anic gezahlt worden. Anic war im Sommer 2007 aus Montpellier nach Kiel gewechselt. Die Anklage ist dagegen davon überzeugt, dass Volarevic die 45.000 Euro an die beiden Schiedsrichter der Finalpartie weitergeleitet hat. Am 28. Oktober soll einer der beiden polnischen Unparteiischen vernommen werden.

Auch im Jahr 2008 soll es laut der LKA-Beamtin "nicht korrekte" Buchungen gegeben haben. Demnach fehlten Belege für mehrere Zahlungsvorgänge über insgesamt 60.000 Euro. Diesen Betrag verbuchte der Club nach Prüfung der Zeugin am 4. April und am 13. Mai 2008 in Einzelbeträgen auf drei Aufwandskonten unter den Rubriken "Schiedsrichter", "Verpflegung" und "Sonstige Aufwendungen". Bei der zweiten Abbuchung am 13. Mai in Höhe von 40.000 Euro hätten hinter der Kategorie "Schiedsrichter" die Namen der beiden Referees der Champions-League-Finalspiele gestanden, so die Zeugin. Am 4. und 11. Mai 2008 unterlagen die Kieler dem spanischen Club Ciudad Real.

Der frühere THW-Gesellschafter Hubertus Grote sowie Schwenker hatten ausgesagt, dass es sich bei dem Geld um ein Darlehen für Serdarusic gehandelt habe. Die Anklage bezweifelte das und wirft Schwenker Untreue zulasten des THW vor.

Laut Gericht hatte Serdardusic erst kurz vor Abschluss der Ermittlungen im Dezember 2009 rund 43.000 Euro an den THW zurückgezahlt. Demnach hat der Rekordmeister seine Forderungen an den früheren Coach mit noch ausstehenden Zahlungen an ihn verrechnet. Schwenkers Verteidigung verwies darauf, dass die nicht ordnungsgemäß durchgeführten Abbuchungen nicht von Schwenker durchgeführt worden seien.

max/dpa/sid

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