Handballprozess Löwen-Anwalt belastet Schwenker und Serdarusic

"Uwe hat Spiele verschoben": Mit diesen Worten soll der ehemalige Trainer des THW Kiel, Zvonimir Serdarusic, Ex-Manager Uwe Schwenker beschuldigt haben. Das sagte Christian Wiegert im Kieler Prozess aus. Der Anwalt der Rhein-Neckar Löwen stellte den Handball dabei unter Generalverdacht.
Ex-THW-Manager Schwenker: "Uwe hat Spiele verschoben"

Ex-THW-Manager Schwenker: "Uwe hat Spiele verschoben"

Foto: A3912 Marcus Brandt/ dpa

Hamburg - Im Kieler Handballprozess hat Christian Wiegert, Rechtsanwalt des Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen, die früheren THW-Kiel-Verantwortlichen Uwe Schwenker und Zvonimir Serdarusic schwer belastet. "Uwe hat Spiele verschoben", habe Serdarusic ihm bei einem Treffen an 25. Januar 2009 gesagt, versicherte Zeuge Wiegert am zwölften Verhandlungstag vor der 5. Großen Strafkammer des Kieler Landgerichts. Auf Nachfrage habe Serdarusic laut Wiegert erklärt, er habe von den Schiedsrichterbestechungen gewusst.

Ex-THW-Manager Schwenker und der ehemalige Kieler Trainer Serdarusic wird vorgeworfen, das Rückspiel des Champions-League-Finales 2007 ihres damaligen Clubs gegen die SG Flensburg-Handewitt manipuliert zu haben. Die Kieler gewannen 29:27 und sicherten sich den Titel. Beide Angeklagten bestreiten die Vorwürfe.

Zum Auftakt der Verhandlung am Mittwoch hatte Serdarusics Verteidiger Marc Langrock versucht, die Aussagen Wiegerts zu verhindern. Begründung: Zwischen Serdarusic und Wiegert habe am 25. Januar und 11. Februar 2009, als sich Vertreter der Rhein-Neckar Löwen mit dem designierten Trainer des Clubs getroffen hatten, ein anwaltliches Vertrauensverhältnis bestanden. Dieser Auffassung schloss sich die Kammer jedoch nicht an. Serdarusic hatte bei den Löwen einen ab dem 1. Juli 2009 geltenden Vertrag unterzeichnet. Nach Bekanntwerden der Manipulationsvorwürfe wurde der Kontrakt aber Anfang 2009 vorzeitig aufgelöst.

Handball gerät unter Generalverdacht der Manipulation

In der fünfstündigen Befragung erinnerte sich Wiegert präzise an viele Details in der Vorgeschichte des Skandals. Er habe nach den Treffen mit Serdarusic den Eindruck gehabt, "dass es bei internationalen Turnieren etabliert ist, dass Schiedsrichter bestochen werden". Demzufolge käme es nur darauf an, im Umgang mit den Schiedsrichtern großes Geschick an den Tag zu legen.

Serdarusic habe damals ein Bild vermittelt, an das sich Wiegert, wie er betonte, bis heute erinnern könne: Ein Handballtrainer fungiere wie "im Krieg ein General, der für die Truppen da ist", sollen die Worte Serdarusics gewesen sein. Aber der THW sei Opfer der großen Handballpolitik gewesen und habe Schiedsrichter bestechen müssen, um erfolgreich zu sein. "Wenn man nicht untergehen will, muss man sich den Gegebenheiten hingeben, um erfolgreich zu sein", soll Serdarusic laut Wiegert gesagt haben.

Fortgesetzt wird der Prozess am 8. Dezember mit der Vernehmung des THW-Gesellschafters Georg Wegner. Der Richter informierte, dass beide Parteien ihre Plädoyers vermutlich im Januar halten werden.

ham/dpa