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17. April 2009, 09:21 Uhr

Handballstar Stefansson

"Mein Anspruch ist Perfektion"

Viele Jahre spielte Olafur Stefansson in Spanien und feierte dort große Erfolge. Nun kehrt der Isländer nach Deutschland zurück. Mit dem "Handball-Magazin" sprach der 35-Jährige über Ehrgeiz, das Altern und seinen neuen Job bei den Rhein-Neckar Löwen.

Frage: Herr Stefansson, warum haben Sie bei den Rhein-Neckar Löwen unterschrieben? Sie waren sich im Prinzip doch schon mit dem dänischen Zweitligisten Kopenhagen einig.

Nationalspieler Stefansson: "Intensives Leben"
Getty Images

Nationalspieler Stefansson: "Intensives Leben"

Stefansson: Mein Kopf war lange Zeit mit Kopenhagen beschäftigt. Doch auf einmal wurden alle meine Vorstellungen durcheinander gewirbelt. Plötzlich ist alles so schnell passiert. Ich habe mich dazu entschieden, auch fortan auf hohem Niveau zu spielen. Es hätte Ciudad Real sein können, jetzt ist es eben Deutschland geworden, weil ich gedanklich schon zu sehr auf etwas Neues eingestellt war. Da kam das Angebot von den Rhein-Neckar Löwen gerade recht.

Frage: Es klingt beinahe so, als ob Sie Ihre schnelle Entscheidung für eine Planänderung bereits bedauern.

Stefansson: Nein, eigentlich bedauere ich sie nicht. Was zu tun ist, versuche ich so gut wie möglich zu tun. Mein Anspruch ist Perfektion. Und die Löwen sind wahrlich kein schlechtes Projekt. Ich werde mein Alter noch einmal vergessen, mich so professionell wie nie zuvor verhalten und meine Zeit genießen!

Frage: Wäre nach den vielen Erfolgen im vergangenen Jahr nicht der perfekte Zeitpunkt gewesen, Ihre Karriere zu beenden?

Stefansson: Dieser perfekte Moment kommt nie, glaube ich. Vielleicht bedauere ich meine Entscheidung in zehn Jahren, vielleicht werde ich aber auch sehr froh sein, es so gemacht zu haben. Die meisten Spieler meinen, man solle seine Kunst ausnutzen, so lange es geht. Zwei bis drei weitere Jahre werden mir da nicht schaden.

Frage: Was hält Sie nach wie vor im Spiel?

Stefansson: Wahrscheinlich der Umstand, dass ich auf dem Parkett intensiv lebe. Ich hätte Lust, andere Dinge richtig gut zu machen, zu schreiben oder zu malen beispielsweise. Aber in dem, was ich derzeit tue, gehe ich richtig auf. Ich respektiere meinen Sport vollkommen, und ich lebe nirgendwo intensiver.

Frage: Sie sind seit 2003 bei Ciudad Real. Fällt Ihnen der Abschied leicht?

Stefansson: Es ist auch traurig, Ciudad Real zu verlassen. Die Trainer und die Mannschaft leben dort in vollkommener Harmonie miteinander und strahlen sehr viel Menschlichkeit und Gelassenheit aus. Das deckt sich sehr mit meiner Lebensphilosophie. Aber dem stehen andere Kräfte gegenüber: das Neue, die Herausforderung. Es wird nicht leicht werden, doch gerade diese Umstellung ist das, was mich reizt.

Frage: Welche Aufgaben sehen Sie für sich bei den aufstrebenden Löwen?

Stefansson: Hier ist nicht nur mein physisches Können gefragt, sondern auch meine mentale Stärke, meine Erfahrung, meine Menschlichkeit. Hier ist alles gefragt, und das macht dieses Projekt zu einem Kunstwerk. Solch eine Herausforderung ist so schwierig, dass sie schon wieder schön ist - und dafür bin ich zu haben.

Frage: Beim Wechsel in die zweite dänische Liga hätten Sie es ruhiger angehen lassen können, nun lasten wieder hohe Erwartungen auf Ihnen. Fühlen Sie sich mit 35 Jahren noch fit genug, um den hohen Belastungen in Bundesliga und Europapokal standzuhalten?

Stefansson: Ich fühle mich wirklich gut. Mein Alter ist ein Teil der Herausforderung. Doch die zwei Jahre halte ich wohl noch durch. Was danach kommt, werden wir sehen. Ich habe tolle Vorbilder, allen voran die alten Schweden. Stefan Lövgren spielt mit seinen 38 Jahren in Kiel noch immer auf einem verdammt hohen Niveau.

Frage: Warum halten Spieler heutzutage so lange durch?

Stefansson: Ich glaube, mit jeder Generation wird man aufgrund des besseren Trainings und der besseren medizinischen Versorgung zwei bis drei Jahre länger spielen können. Vielleicht bin ich allerdings auch ein wenig arrogant, da ich in Spanien nicht solch hohe Belastungen erfahre wie anderswo. Vielleicht bin ich schon zu lange weg, so dass ich die Strapazen in der Bundesliga einfach vergessen habe.

Frage: Inzwischen wird im Zuge spektakulärer Transfers über Gehaltsobergrenzen in der Bundesliga diskutiert. Was halten Sie davon?

Stefansson: Es ist für mich schon paradox, einen guten Vertrag in Zeiten einer weltweiten Finanzkrise zu erhalten. Aber solche Gedanken lege ich auf Eis.

Frage: Wie schwer wird Ihnen das letzte Spiel im Trikot der Spanier fallen?

Stefansson: Ich will kein Feuerwerk, dafür bin ich zu bescheiden. Mir reicht es für mein Leben, wie mich die Magdeburger damals verabschiedet haben. Das war ein wundervolles Erlebnis. Deswegen: Ein schöner Abend mit Rotwein und einem köstlichen Essen, mehr bitte nicht! Aber erst einmal möchte ich noch gewinnen, was es zu gewinnen gibt. Ich möchte lieber Taten sprechen lassen und meinen Auftrag erfüllen.

Die Fragen stellte Sascha Klahn

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