Transgender im Football Keine Zukunft in der Profiliga

Hannah Mouncey ist mittlerweile eine Frau, trotzdem wurde der Transgender-Spielerin die Teilnahme an der weiblichen australischen Football-Liga verwehrt. Und das, obwohl sie alle Kriterien des IOC erfüllt.

Aussie Rules Football
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Seit knapp einem Jahr spielt Hannah Mouncey Football, für ihren Klub Ainslie hat sie in acht Spielen 17 Tore erzielt. Ihr Traum ist die AFLW, die australische Football-Liga für Frauen, die erst seit Februar existiert. Die 27-Jährige wurde auch nominiert, doch die Australian Football League (AFL) hat der Transgender-Spielerin die Teilnahme jetzt untersagt.

Ein Unterausschuss hat sich mit dem Fall der jungen Australierin befasst und Kraft, Ausdauer und Physik von Personen untersucht, die einmal dem anderen Geschlecht angehört haben. Auf der Homepage der AFL heißt es, dass man zu dem Entschluss gekommen sei, dass Mouncey anderen Spielerinnen gegenüber einen "unzumutbaren körperlichen Vorteil" habe. Die Teilnahme an der kommenden Saison sei deshalb nicht möglich.

Damit widerspricht das fünfköpfige Gremium den eigenen Richtlinien. Im Gender-Regelwerk der AFL heißt es, dass niemand aufgrund von Geschlecht oder Identität ausgeschlossen werden darf. Auch müssen Personen, die den Umwandlungsprozess durchlaufen und ein verifiziertes, neues Geschlecht haben, auch als solche angesehen werden.

Mouncey erfüllt auch die Kriterien des IOC. Denen zufolge dürfen Transgender-Sportler auch ohne eine geschlechtsangleichende Operation ihre jeweilige Sportart ausüben. Maßgabe ist dann ein bestimmter Testosteronlevel. Den soll Mouncey bei Weitem nicht erreicht haben. Die "Herald Sun" berichtet, dass die letzten Werte der Football-Spielerin sogar 20-mal höher hätten ausfallen können.

In der regionalen Liga darf Mouncey weiterhin spielen. Auch für Wettkämpfe in Canberra hat der AFL grünes Licht gegeben. Und das, obwohl die Sportlerin dort auch auf Gegnerinnen treffen dürfte, die ihr körperlich unterlegen sind. Ein Gegenbeispiel hat "The Guardian" geliefert: So soll es mit der 18-jährigen Erin McKinnon, sie spielt für die "Giants" in der AFLW, eine Spielerin geben, die nur einen Zentimeter kleiner ist als 1,90-Meter-Mouncey.

Jason Ball, Aktivist und Anwalt für psychische Gesundheit, bezeichnet die Begründung der AFL als "zynisch". Der Australier outete sich 2012 als erster homosexueller Footballspieler. Der "Herald Sun" sagte er nun: "Es ist heuchlerisch, Zweifel für das Elite-Niveau zu äußern. Man könnte meinen, dass Spieler im Profibereich gerade in der Lage sind, mit mehr Körperkraft umzugehen. Außerdem war das im Amateurbereich vorher auch kein Thema."

apa

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