Hayes Sieg gegen Chisora Her mit Klitschko!

K.o. in der fünften Runde: Im Duell der bösen Buben machte David Haye kurzen Prozess mit Dereck Chisora. Jetzt will er gegen Vitali Klitschko ran. Doch den Vortritt hat ein Deutscher - und der stürmte nach dem Duell der Skandalboxer in London die Pressekonferenz.

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So also sehen zwei Männer aus, die sich abgrundtief hassen. Sie umarmen sich, lächeln gemeinsam in die Kameras und loben sich dann auch noch gegenseitig. David Haye und Dereck Chisora, die vermeintlichen britischen Intimfeinde im Schwergewichtsboxen, kamen nach ihrem Kampf am Samstagabend in London rüber wie die dicksten Kumpel.

Er habe "großen Respekt" vor Chisora, sagte Haye in der "Legends Bar" des Fußballstadions von West Ham United, wo der Kampf stattgefunden und Haye seinen Gegner in der fünften Runde K.o. geschlagen hatte. Chisora sagte brav, der Bessere habe an diesem Abend gewonnen. Es wollte ihm nach diesem eindeutigen Kampf auch niemand widersprechen.

Seit Wochen hatten Massenblätter wie die "Bild"-Zeitung und die "Sun" den "Hassgipfel" zwischen den beiden Skandalboxern beschworen. Seit der unkontrollierten Prügelei bei einer Pressekonferenz in München im Februar dieses Jahres nach Chisoras Kampf gegen Vitali Klitschko galten die beiden Briten als Bad Boys, die in der Branche schief angesehen wurden. Eine britische Boxlizenz haben sie längst nicht mehr. Nur dank der unorthodoxen Schirmherrschaft des luxemburgischen Verbands durften sie überhaupt gegeneinander antreten.

Kampf in London ein abgekartetes Spiel

Vor dem Kampf hatten Haye und Chisora alles getan, um die vermeintliche Fehde zu befeuern. Sie ließen sich durch einen Bauzaun getrennt ablichten, beschimpften sich gegenseitig als "Drama-Queen" und "Loser". Haye tönte, er werde Chisora für seine Unverschämtheiten bestrafen. Nach dem Kampf klang das alles ganz anders. Geläutert präsentierten sich die beiden vor den rund 30.000 Zuschauern im Stadion. Sie hätten sich wieder vertragen, erklärten sie unter Applaus im Ring. "Aller Schaden, den wir in München angerichtet haben, ist wieder repariert", sagte Haye.

Der rasante Sinneswandel verstärkt den Eindruck, dass es sich bei dem Fight um ein abgekartetes Spiel gehandelt hat. Ohne den Eklat in München wäre es nie zu diesem Kampf gekommen, er hätte jedenfalls nie so große Aufmerksamkeit erhalten. Sportlich waren Haye und Chisora bereits abgemeldet, beide hatten gegen einen der Klitschkos verloren: erst Haye gegen Wladimir, dann Chisora gegen Vitali.

Haye gegen Chisora wendig und mit präzisen Schlägen

Zumindest Haye hat sich nun aber wieder zurück ins Rampenlicht katapultiert. Der 31-Jährige ist wieder da - fast genau ein Jahr, nachdem er in Hamburg von Wladimir Klitschko eine Lektion erteilt bekam und sich später in den Ruhestand verabschiedete. Haye war damals zum Gespött geworden, weil er die Schuld an der Niederlage auf seinen gebrochenen kleinen Zeh geschoben hatte.

Diese Episode wollte er gegen Chisora vergessen machen - und die Rehabilitation ist ihm gelungen. Nach dem eindrucksvollen Sieg reden Boxfans wieder über Hayes Wendigkeit und seine präzisen Schläge. Die Klitschkos scheinen nun wieder in Reichweite. Haye meldete sogleich seinen Anspruch auf einen Kampf um den WM-Gürtel an. "Wenn Vitali der Welt einen großartigen Kampf schenken will, dann bin ich bereit", sagte Haye noch im Ring.

Der ältere Klitschko-Bruder hatte früher zwar mehrfach betont, gegen Haye boxen zu wollen. Konkret wurden diese Pläne bislang aber noch nicht, weil sich die Parteien beim Geld nicht einigen konnten. Das Management des Briten werde sich laut Haye nun aber auf jeden Fall mit dem Ukrainer in Verbindung setzen.

Zunächst muss Vitali Klitschko im September noch seinen Titel gegen den Deutsch-Libanesen Manuel Charr verteidigen. Der versuchte, die Pressekonferenz in London zu kapern und ähnlich wie Haye vor fünf Monaten in München die Veranstaltung für PR-Zwecke zu missbrauchen. Während Chisora und Haye die Fragen der Journalisten beantworteten, drängte Charr plötzlich nach vorn und rief: "Ich zerstöre Vitali. Seine Zeit ist vorbei." Haye werde nicht gegen Klitschko antreten müssen, sondern gegen ihn.

Dass Charr gegen Klitschko gewinnt, ist sehr fraglich. Es halten sich zudem hartnäckig die Gerüchte, dass Klitschko nach dem Kampf gegen Charr seine Boxkarriere beenden und sich auf eine Politik-Karriere als Abgeordneter im ukrainischen Parlament konzentrieren will. Dann müsste Haye auf den Kampf seines Lebens verzichten. Er glaube aber nicht, dass Klitschko ihm aus dem Weg gehen werde, sagte der "Hayemaker". Viele Boxfans dürften diese Hoffnung teilen.

insgesamt 34 Beiträge
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Chrysler-Fahrer 15.07.2012
1. Rummelboxen.
Leider ein technisch ziemlich schwacher Kampf. Mit Herz und Kampfgeist, aber gegen einen disziplinierten Boxer chancenlos. Die Führhand wird Haye mürbe machen und dann kommt der Hammer. Wetten, dass ..?
oliverth 15.07.2012
2. wees noch nicht gesehen hat...
David Haye gewinnt "Hass-Duell" gegen Dereck Chisora durch K.o. http://goo.gl/R6i5z involler länge
farang 15.07.2012
3. Boxen ist Rummel
Zitat von sysopGetty ImagesK.o. in der fünften Runde: Im Duell der bösen Buben machte David Haye kurzen Prozess mit Dereck Chisora. Jetzt will er gegen Vitali Klitschko ran. Doch den Vortritt hat ein Deutscher - und der stürmte nach dem Duell der Skandalboxer in London die Pressekonferenz. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,844444,00.html
Boxen ist nun mal auch Show, früher aufm Rummel, heute in Stadien. Chisora und Haye beherrschen das Spiel mit den Medien perfekt. Unsere Medien hingegen sind zu dämlich um das zu erkennen. Warum hat die ARD abgelehnt diesen Kampf zu übertragen? Weil die ARD von Langweilern angeführt wird. Nach dem Motto "saubere" Kämpfe a la Maske und Klitschko gg schwache Gegner sollen das Publikum verblöden, ansttt mal nen richtigen Kampf mit richtigen Männern zu übertragen. Wer den Kampf gesehen hat weiss, Boxen ansehen kann auch wieder gute Unterhaltung sein. Ich hoffe das Haye gg Klitschko Nr.2 antritt und gg ihn auch gewinnt, damit Boxen endlich wieder frei wird von Langeweile. Was waren das noch für Zeiten mit Lennox Lewis oder Tyson gg Holyfield. Boxen braucht auch Bad Guys. Wer sauberen Gentlemansport möchte, dem empfehle ich Leichtathletik oder Schach. Und den verrückten Don King am Ring zu sehen, wäre auch mal wieder fein.
HerrKeule 15.07.2012
4. Danke Sky
Eine perfekte Inszenierung die über mehrere Wochen ging und am Ende doch nur ein schwarzes Bild war. Ich hätte den Kampf gern gesehen, allerdings wurde der Kampf nicht bei ARD übertragen (da die beiden Boxer falsche Moralvorstellungen haben) und Sky seinen Kunden nochmal 25 € abdrücken lassen wollte.
SP70 15.07.2012
5. Nix gesehen!
Zum Kampf kann ich leider nichts schreiben, da ich ihn nicht gesehen habe! Ich bin aber immer wieder überrascht mit welcher Treffsicherheit der Bezahlsender meines Vertrauens seine Kunden vergrault: 25€ sollte ich für diesen Boxkampf bezahlen, obwohl man bereits 40€ jeden Monat für das Premium-Paket abgezogen bekommt! Nee, nee, so wird das mit Sky niemals etwas: Ich als ehem. Kunde komme nicht wieder und Noch-Kunden aus meinem Umfeld trauten gestern ihren Augen nicht! Die spinnen!
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