Hilde Gerg "Ich starte bei der WM"

In Zeiten, in denen eine Hiobsbotschaft die andere jagt, freut man sich beim Skiverband über jeden noch so kleinen Hoffnungsschimmer. Nun hat sich "die wilde Hilde" nach langer Verletzungspause zurückgemeldet.


Hilde Gerg: "Ganz gut" in der ungeliebten Disziplin
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Hilde Gerg: "Ganz gut" in der ungeliebten Disziplin

Maribor - Das eine Sorgenkind kämpft noch um seine Teilnahme am Saisonhöhepunkt, da überrascht das andere mit einer definitiven Zusage. "Ich werde die Weltmeisterschaft mit Sicherheit fahren", erklärte Hilde Gerg (Lenggries) nach ihrem Überraschungscomeback beim sechsten Weltcup-Riesenslalom von Maribor am Samstag der dpa. Nachdem Martina Ertl (Lenggries) wegen ihres Innenbandeinrisses im rechten Knie noch um ihren Einsatz anfang Februar bangen muss, kehrt in Gerg die zweite Klasseläuferin aus der goldenen Ära um Katja Seizinger nach ihrem Schien- und Wadenbeinbruch endgültig zurück. Bereits im November hatte sie einige Rennen in Übersee bestritten, sich dann aber noch einmal zum Konditionstraining zurück gezogen.

"Wir haben ihr den Platz gegeben, damit sie Wettkampfpraxis bekommt", verdeutlichte Frauen-Chetrainer Wolfgang Maier, der Gergs Lauf in der ungeliebten Disziplin als "ganz gut" einstufte: "Man sieht, dass sie sich wieder mehr aufs Skifahren konzentriert und nicht mehr so sehr an die Verletzung denkt."

Doch noch hat die Slalom-Olympiasiegerin längst nicht ihr volles Leistungsvermögen erreicht. "Die Kraft in der Wade ist noch nicht hundertprozentig okay. Die Kraft im Fußgelenk ist derzeit erst bei 70 bis 80 Prozent", befand die 25-Jährige, die auf dem Schneeband bei frühlingshaften Temperaturen im Rennen um den "goldenen Fuchs" als 37. angekommen war. Kein Grund zur Beunruhigung, schließlich habe sie nach ihrem ersten Versuch vor Weihnachten im November schon "einmal gedacht, dass ich es nicht mehr schaffe. Nun bin ich sicher, dass ich noch einmal dorthin komme, wo ich schon einmal war."

Dort thront derzeit uneingeschränkt Sonja Nef. Bereits zum vierten Mal siegte die 28-jährige Schweizerin in diesem Winter in der Zeit von 2:37,97 Minuten vor der Italienerin Karen Putzer (2:38,21) und Renate Götschl (2.38,33). Petra Haltmayr (Rettenberg) schied im zweiten, Steffi Wolf (Garmisch) bereits im ersten Durchgang aus.

Die Show der Janica Kostelic tags darauf fiel dann auf dem 695 Meter hohen Hügel buchstäblich ins Wasser. Regen und frühlingshafte Temperaturen von bis zu 14 Grad verhinderten den sechsten Erfolg des Slalom-Asses in diesem Winter in Folge. Trotz der Absage bleibt Kostelic (700 Punkte) im Gesamtweltcup vor Nef (644). Die Slalom-Wertung macht ihr ohnehin niemand ernsthaft streitig.

Weiter beharrlich im Schatten Ertls, deren Rückkehr nach einer furiosen ersten Winterhälfte sehnsüchtig erwartet wird, arbeitet Gerg an der vollständigen Genesung. Noch fehlen nach eigener Einschätzung Angriffsfähigkeit und Sicherheit. "Ein Hammer" sei indes der Ausfall der Kollegin und Rivalin für das Team gewesen: "Für den deutschen Skisport ist das nicht optimal." Für Gerg selbst "hat sich nichts geändert. Jeder arbeitet an sich."

Dass die Sportsoldatin ausgerechnet den Riesentorlauf für den zweiten Anlauf wählte, hing mit dem Ausfall einiger FIS-Rennen der unteren Kategorie zusammen. Die Hoffnung bleibt, bis zur WM "wieder konkurrenzfähig zu sein", spätestens aber zur neuen Saison. Die Speed-Disziplinen Abfahrt und Super-G hat sich Gerg vorgenommen, beide finden in der ersten Woche von St. Anton statt.

Ertl hat die schnellen Wettbewerbe bereits abgesagt und schindet sich für die zweiten sieben Tage der WM. Statt mit einer Equipe der Namenlosen zum großen Rivalen nach Österreich zu reisen, darf der Deutsche Ski-Verband (DSV) seit Samstag hoffen, statt keiner, gleich beide Asse in St. Anton zumindest am Start zu haben.

Von Evgen Bergand und Mathias Schneider, dpa



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