Hintergrund Die umstrittene Einbürgerung von Shawn Bradley

Von Tobias Pox

Berlin - 16 Mannschaften, aufgeteilt in vier Gruppen, ermitteln vom 31. August bis 9. September in der Türkei den Europameister. Der deutschen Auswahl wurden Jugoslawien, Kroatien und Estland als Gegner zugelost. Die Gruppenersten qualifizieren sich direkt für das Viertelfinale, die restlichen Viertelfinalisten werden aus vier Überkreuzspielen zwischen den Gruppenzweiten und -dritten ermittelt. Titelverteidiger ist Italien. Deutschland belegte bei der letzten EM 1999 in Frankreich Rang sieben. Neben den Favoriten Jugoslawien, Litauen, Frankreich und Russland gilt die Türkei als Geheimtipp. Der Gastgeber hat drei NBA-Akteure in den eigenen Reihen und nicht zuletzt ein fanatisches Publikum im Rücken.

Aus für Bogojevic


Die EM-Vorbereitung der deutschen Basketball-Nationalmannschaft stand im Zeichen der Einbürgerung des baumlangen US-Centers Shawn Bradley vom Dirk-Nowitzki-Club Dallas Mavericks. Lange Zeit war ungewiss, ob der 2,29-Meter-Riese aus der NBA, der als Sohn einer deutschen Mutter im pfälzischen Landstuhl geboren wurde, rechtzeitig bis zum Meldeschluss für das Turnier die notwendigen Papiere bekommen würde. Als die Unterlagen tatsächlich beim Deutschen Basketball-Bund (DBB) eintrafen, hatte dies schmerzhafte Konsequenzen für Vladimir Bogojevic, den in Jugoslawien geborenen Aufbauspieler der DBB-Auswahl.

Laut internationalem Reglement darf nur ein eingebürgerter Akteur im Kader einer Nationalauswahl stehen. Deshalb musste Bogojevic kurzfristig seinen Platz für Bradley räumen. Die Entscheidung ist in der Fachwelt sehr umstritten. Bogojevic ist der einzige aktuelle deutsche Spielgestalter mit internationaler Erfahrung, zudem absolvierte der 25-Jährige fast die gesamte Vorbereitung. Shawn Bradley hingegen, gerade von einer Knieblessur genesen, stieß erst am Wochenende vor der EM erstmalig zum Team. Er ist weder mit den europäischen Regeln noch mit der Spielweise in der Alten Welt vertraut.

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