Hintergrund Technischer K.o.


Hamburg - Bei der Niederlage von Witalij Klitschko im WM-Kampf gegen Lennox Lewis war die Augenverletzung des Ukrainers ausschlaggebend für die Entscheidung von Ringrichter Lou Moret, den Fight nach der sechsten Runde zu stoppen.

"Es war nicht klar zu erkennen, ob die Verletzung durch Schlagwirkung oder durch einen Kopfstoß herrührte", sagt Manfred Küchler (Hannover), seit 1995 beim Bund Deutscher Berufsboxer als Ringrichter eingesetzt. Klitschko hatte sich den Riss an der linken Augenbraue in der dritten Runde zugezogen.

Küchler: "Wenn sie von einem Schlag herrührt, war der Sieg von Lewis korrekt. Bei einem Kopfstoß muss man unterscheiden, ob absichtlich oder unabsichtlich." Bei einem absichtlichen Kopfstoß hätte Lewis disqualifiziert werden müssen. Wenn es ein unabsichtlicher Kopfstoß gewesen wäre, hätten die Punkte nach der vierten Runde gezählt werden müssen, erläuterte Küchler. "Wer dann vorne lag, hätte den Kampf gewonnen. Da aber weiter geboxt wurde, war diese Regelung hinfällig."

Die Verletzung sei so schwer wiegend gewesen, dass man den Kampf auch früher hätte abbrechen können. "Ein Protest würde keinen Sinn mehr machen. Das ist eine Tatsachenentscheidung wie beim Fußball."

Außer einer Verletzung kann laut Küchler auch die zu große Überlegenheit eines Boxers sowie die Aufgabe durch die Sekundanten oder den Boxer selbst zum technischen K.o. führen. Der Ringrichter darf zudem einen Kampf abbrechen, wenn er einen am Boden liegenden Boxer auszählt, dieser noch vor "Zehn" wieder aufsteht, der Ringrichter aber dennoch der Meinung ist, der Boxer sei nicht mehr in der Lage, den Fight fortzusetzen.



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