Höhepunkte des Sportjahrs 2008 Kurvenkünstler, Sturmspitzen, Klopp und Hopp

12. Teil: Deutsche Hockey-Herren - viel leisten, viel feiern


Es muss eine Erlösung gewesen sein. Ein unfassbare, für den normalen Menschen nicht nachvollziehbare Erlösung. Der Lohn der harten Arbeit, der Entbehrungen, der Disziplin. Spieler und Trainer lagen sich in den Armen. Als die Schiedsrichter das Hockey-Finale der Olympischen Spiele abpfiffen, kannte der Jubel im deutschen Lager keine Grenzen mehr. Das Team von Bundestrainer Markus Weise hatte gegen Spanien die Goldmedaille gewonnen. Für einen Sportler gibt es nichts Wertvolleres. Und dieses Team hatte sich dieses goldene, runde Etwas wahrlich verdient.

Jubelnde Hockey-Herren: Belohnungsprinzip als Erfolgsformel
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Jubelnde Hockey-Herren: Belohnungsprinzip als Erfolgsformel

Fast 200 Lehrgänge absolvieren die Hockey-Herren im Jahr. Nun gut, man könnte sagen, dass dies von leistungsorientierten Sportlern auch zu erwarten sei – doch handelt es sich bei den Spielern um keine Vollzeitprofis. Die meisten studieren oder machen eine Ausbildung, einige sind auch schon im Beruf. Christopher Zeller, der im Finale (1:0) das entscheidende Tor schoss, quälte sich über Jahre hinweg morgens vor der Uni auf dem Hockeyplatz - vor den Seminaren und Vorlesungen hatte er meist schon mehrere hundert Ecken geschossen. Florian Keller bekam von seinem Arbeitgeber die Möglichkeit - ebenfalls am Vormittag - Kondition zu bolzen. Immer mit dem klaren Ziel vor Augen: Gold in Peking.

Dieser Einsatz, dieser unbändige Wille und dieser Erfolg sind schon seit Jahren ein Markenzeichen der deutschen Nationalmannschaft: Weltmeister 2002 in Kuala Lumpur, Olympische Bronzemedaille 2004 in Athen, Weltmeister 2006 in Deutschland - Die Hockey-Herren sind das erfolgreichste deutsche Team der vergangenen Jahre.

Andere Nationen, wie die Niederlande, Pakistan und Indien, fragten sich natürlich irgendwann - woran liegt das? Um die Antwort darauf zu finden verbrachte fast der gesamte Nationalmannschaftskader Indiens ein halbes Jahr in Deutschland, um in Bundesliga, Zweite Bundesliga und Regionalliga nach dem bestimmten "Etwas" zu suchen: dem Sieger-Gen.

Gefunden haben sie es nicht – Indien war für Olympia 2008 nicht qualifiziert.

Vielleicht fehlt ihnen auch eine andere Eigenschaft, die die deutschen Amateure besitzen: Sie können feiern - wie nach dem Finalsieg eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde. Im deutschen Haus, in "Waldi und Harrys" Olympia-Studio, auf den unzähligen Festen in den Heimatclubs der Olympioniken.

Eigentlich eine einfache Formel: Wer viel leistet, darf auch viel feiern. Ein Belohnungsprinzip - vielleicht ist dies das Geheimnis der deutschen Erfolge.

Benjamin Knaack

insgesamt 27 Beiträge
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derpolokolop 20.12.2008
1.
Zweifels ohne das 4:3 in letzt minute für Blackpool auswärts gegen Watford! Was denn sonst? ;-)
Christian W., 20.12.2008
2.
Das 1:1 von Köln gegen Gladbach im April diesen Jahres. Die Emotionen in diesem Spiel, die man sogar im TV als Nicht-Fan beider Mannschaften mitbekommen hat, waren schon gewaltig.
icaros, 20.12.2008
3.
Der "Aufstieg" des SSV Ulm 1846 von der OL BW in die RL Süd. Jaja, ich weiß, ist immer noch vierte Liga. Und schöne Momente waren auch die Last-Minute-Tore der Bayern gegen Getafe und Hoppenheim. Und die beiden Titel natürlich.
Schwabenpower 21.12.2008
4.
Eine Olympiade ohne Dopingfälle und auch sicherlich ganz ohne jegliche Beteiligung 12-jähriger Turnerinnen in der chinesischen Frauenturnerriege. Das war wunderschön. Endlich mal ein wirklich durch und durch sportlich fairer Wettbewerb. Danke China für die ersten glaubwürdigen und ehrbaren Sommerspiele der letzten 60 Jahre, die ich bewusst erleben durfte.
Brieli 21.12.2008
5.
Mein heutiges 10:9 in unserem traditionellen Alt-Herren-Weihnachtskick. Zum mit der Zunge-schnalzen. Ein unhaltbarer Pike-Schuss aus 5 Meter :-) Brieli
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