Höhepunkte des Sportjahrs 2008 Kurvenkünstler, Sturmspitzen, Klopp und Hopp

14. Teil: Bremen vs. Hoffenheim - der Wahnsinn von der Weser


Mesut Özil hatte sich eine Woche zuvor beim 5:2-Auswärtssieg von Werder Bremen gegen den Rekordmeister aus München schon warm geschossen: In der 54. Minute nahm der damals noch 20-Jährige den Ball in Strafraumnähe an und jagte den Ball mit links zum 3:0 hoch ins kurze Eck.

Torschütze Özil (M.): Mit links ins kurze Eck.
REUTERS

Torschütze Özil (M.): Mit links ins kurze Eck.

Am 6. Spieltag der Fußball-Bundesliga traf Werder im Weserstadion nun auf das Überraschungsteam der Hinrunde, 1899 Hoffenheim. Der Aufsteiger hatte bereits zuvor mit sehenswertem Angriffsfußball für Aufsehen gesorgt und lag in der Liga bereits auf Tabellenplatz zwei. Zuletzt hatten sie Borussia Dortmund beim 4:1 keine Chance gelassen.

Acht Minuten waren in Bremen gespielt, als Özil nach Doppelpass mit Aaron Hunt aus beinahe identischer Position wie in München zum Abschluss kam und mit seinem Tor eine denkwürdige Offensivorgie einleitete. Beide Teams lieferten sich über die gesamte Spielzeit einen offenen Schlagabtausch, der außer neun durchweg sehenswerter Tore auch noch reichlich Kabinettstückchen und Torwartparaden der Extraklasse zu bieten hatte.

Claudio Pizarro erhöhte die Bremer Führung mit einem Hackentreffer und auch Aaron Hunts Distanzschuss in den rechten Winkel hätte an jedem gewöhnlichen Bundesliga-Spieltag zum "Treffer des Tages" gereicht. Hoffenheim traf dreimal Aluminium, glich nach einem 1:4-Rückstand noch einmal aus und verlor am Ende doch 4:5. "Ich bin brutal enttäuscht über das Ergebnis", sagte Trainer Ralf Rangnick nach der Partie, "hier war viel mehr möglich: Das ist eine riesengroße Enttäuschung."

"Dieses Ergebnis bedeutet, dass viele Dinge falsch gelaufen sind, aber vieles hat auch geklappt", bilanzierte Bremens Manager Klaus Allofs. Die Werder-Tormaschine lief in diesem Spiel mal wieder auf Hochtouren, doch wer in dem Spektakel den Überblick behalten hatte, konnte bereits erahnen, dass die Anfälligkeiten in der Werder-Abwehr die Mannschaft im Laufe der Saison noch um viele Punkte bringen sollte.

Fünf Tore sind auch für Diego, Pizarro und Co. nicht im Wochentakt möglich. Hoffenheim zahlte den Preis für das bedingungslose Offensivspiel. Sie ließen sich auf einen Schlagabtausch ein, wollten die Gastgeber übertrumpfen und verloren am Ende die Punkte. Doch langfristig gesehen ging der Aufsteiger aus diesem Spiel als Gewinner hervor, um das Wissen reicher, sich nicht dem Angriffsrausch hinzugeben, so schön es auch anzusehen war.

Den letzten Treffer der Partie erzielte übrigens wieder Mesut Özil. Mit links traf er zum 5:4, links oben ins kurze Eck.

Lukas Rilke

insgesamt 27 Beiträge
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derpolokolop 20.12.2008
1.
Zweifels ohne das 4:3 in letzt minute für Blackpool auswärts gegen Watford! Was denn sonst? ;-)
Christian W., 20.12.2008
2.
Das 1:1 von Köln gegen Gladbach im April diesen Jahres. Die Emotionen in diesem Spiel, die man sogar im TV als Nicht-Fan beider Mannschaften mitbekommen hat, waren schon gewaltig.
icaros, 20.12.2008
3.
Der "Aufstieg" des SSV Ulm 1846 von der OL BW in die RL Süd. Jaja, ich weiß, ist immer noch vierte Liga. Und schöne Momente waren auch die Last-Minute-Tore der Bayern gegen Getafe und Hoppenheim. Und die beiden Titel natürlich.
Schwabenpower 21.12.2008
4.
Eine Olympiade ohne Dopingfälle und auch sicherlich ganz ohne jegliche Beteiligung 12-jähriger Turnerinnen in der chinesischen Frauenturnerriege. Das war wunderschön. Endlich mal ein wirklich durch und durch sportlich fairer Wettbewerb. Danke China für die ersten glaubwürdigen und ehrbaren Sommerspiele der letzten 60 Jahre, die ich bewusst erleben durfte.
Brieli 21.12.2008
5.
Mein heutiges 10:9 in unserem traditionellen Alt-Herren-Weihnachtskick. Zum mit der Zunge-schnalzen. Ein unhaltbarer Pike-Schuss aus 5 Meter :-) Brieli
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