Höhepunkte des Sportjahrs 2008 Kurvenkünstler, Sturmspitzen, Klopp und Hopp

7. Teil: Kaymer in München - gestatten, Weltklasse-Golfer


Am Dienstag fuhr er noch einmal nach Hause. Von München nach Mettmann, zur schwer erkrankten Mutter. Es war nicht klar, ob Martin Kaymer am frühen Donnerstag am ersten Abschlag des Golfclubs Eichenried stehen würde. Es war äußerst fraglich, ob er an den BMW Open teilnehmen könnte.

Doch Kaymer kam, und wie er kam. Deutschlands Golfhoffnung düpierte das Feld. Sechs Schläge lag der ruhige Rheinländer nach drei Tagen in Führung, er spielte auf einem eigenen Level. Am sonnigen Juni-Samstag wuchs die Zahl derer, die dem Aufsteiger über den Kurs folgten, auf 10.000 an. In Münchens Nordosten brach ein Golf-Hype aus, der das ganze Land erreichte - nachdem er sich Monate zuvor bereits angekündigt hatte.

Golfprofi Kaymer (in München): Am Ende plötzlich spannend
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Golfprofi Kaymer (in München): Am Ende plötzlich spannend

Mitte Januar war der 23-Jährige in Abu Dhabi nicht zu stoppen. Es war sein erster Turniersieg auf der European Tour. Nach gut einem Jahr bei den Profis, früher als jeder deutsche Golfer vor ihm, ließ er Europas Elite hinter sich - um zwei Wochen später beinahe den Weltranglistenersten zu besiegen: In Dubai konnte nur der junge Deutsche mit Tiger Woods mithalten. Am Ende fehlte ein Schlag. Seither kennt der Superstar den jungen Mann aus Mettmann.

Kaymer zeigte in diesen Wochen sein Weltklassepotential. Damit war er nicht der Erste, doch im Gegensatz zu früheren deutschen Talenten legte er einige Monate später nach - und wurde zum Golfer von Weltklasseformat.

In München deklassierte Kaymer die Konkurrenz in den ersten Tagen, ließ sie jedoch sonntags noch einmal herankommen. Am letzten Loch rollte sein Putt um Zentimeter am Loch vorbei. Er verpasste das Eagle und musste ins Stechen gegen den Dänen Anders Hansen.

Dort zeigte Kaymer eine seiner größten Qualitäten: Nervenstärke. Trotz der schwierigen privaten Situation, dem verspielten Vorsprung auf den letzten Löchern blieb er vor begeisterten Zuschauern ruhig - und siegte gleich am ersten Extraloch. 20 Jahre nach Bernhard Langer hatte das größte deutsche Turnier wieder einen deutschen Sieger.

Langer selbst, an diesem Wochenende als 37. klar im Schatten seines Nachfolgers, outete sich als Kaymer-Fan: "Ich habe ihm gesagt, du bist aggressiv, spielst aber trotzdem mit Köpfchen - genau wie Tiger Woods und Phil Mickelson." Mickelson war damals hinter Woods die Nummer zwei der Welt. "Er ist ohne Frage der beste Jungprofi der Tour", schwärmte die schottische Golflegende Colin Montgomerie.

Kurz nach dem Triumph in München verlor Kaymer seine Mutter. Seine Leistungen ließen nach. Um einen Platz verpasste er die Teilnahme am Ryder Cup im September.

Im Oktober kam er wieder zurück, als er sich bei den schottischen Dunhill Links Championships nicht wie andere Teilnehmer prominente Spielpartner wie Samuel Jackson oder Hugh Grant an seine Seite holte, sondern mit Bruder Philip und Vater Horst die Runden absolvierte. Kaymer wurde Zweiter, wohl ein noch größerer Erfolg als der Sieg in München. Für den Ryder Cup kam er zu spät. Doch dieser junge Golfer hat noch viel Zeit - und viele Gelegenheiten.

Frieder Pfeiffer

insgesamt 27 Beiträge
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derpolokolop 20.12.2008
1.
Zweifels ohne das 4:3 in letzt minute für Blackpool auswärts gegen Watford! Was denn sonst? ;-)
Christian W., 20.12.2008
2.
Das 1:1 von Köln gegen Gladbach im April diesen Jahres. Die Emotionen in diesem Spiel, die man sogar im TV als Nicht-Fan beider Mannschaften mitbekommen hat, waren schon gewaltig.
icaros, 20.12.2008
3.
Der "Aufstieg" des SSV Ulm 1846 von der OL BW in die RL Süd. Jaja, ich weiß, ist immer noch vierte Liga. Und schöne Momente waren auch die Last-Minute-Tore der Bayern gegen Getafe und Hoppenheim. Und die beiden Titel natürlich.
Schwabenpower 21.12.2008
4.
Eine Olympiade ohne Dopingfälle und auch sicherlich ganz ohne jegliche Beteiligung 12-jähriger Turnerinnen in der chinesischen Frauenturnerriege. Das war wunderschön. Endlich mal ein wirklich durch und durch sportlich fairer Wettbewerb. Danke China für die ersten glaubwürdigen und ehrbaren Sommerspiele der letzten 60 Jahre, die ich bewusst erleben durfte.
Brieli 21.12.2008
5.
Mein heutiges 10:9 in unserem traditionellen Alt-Herren-Weihnachtskick. Zum mit der Zunge-schnalzen. Ein unhaltbarer Pike-Schuss aus 5 Meter :-) Brieli
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