Höhepunkte des Sportjahrs 2008 Kurvenkünstler, Sturmspitzen, Klopp und Hopp

8. Teil: Neuer Coach - Klopp bringt Hoffnung nach Dortmund


Dortmund-Fans mussten leiden. Rund sechseinhalb Jahre ist es her, dass sie die Deutsche Meisterschaft bejubeln konnten. Es folgten eine mittelmäßige Champions-League-Saison und ein dritter Platz in der Liga. Die erneute Qualifikation für die Champions League wurde gegen den international zweitklassigen FC Brügge verspielt. Der anschließende Auftritt im Uefa-Cup wurde von Frankreichs No-Name-Club FC Sochaux in der zweiten Runde beendet. In der Liga landete Dortmund auf Platz sechs und damit außerhalb der Europapokal-Ränge.

Dortmunder Trainer Klopp: Aufbruchstimmung bei der Borussia
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Dortmunder Trainer Klopp: Aufbruchstimmung bei der Borussia

Die Schuldenkrise nahm ihren Lauf, die sportlichen Leistungen passten sich den Erklärungsversuchen der verantwortlichen Manager Michael Meier und Präsident Gerd Niebaum an, zwei siebte Plätze in der Bundesliga mit dem bemühten Trainer Bert van Marwijk waren die Folge. Das Engagement der Niederländers wurde vorzeitig beendet, das Kapitel Jürgen Röber begann ebenso schnell wie es endete, Thomas Doll übernahm das Training. Mit ihm wurde der BVB Neunter, in der Folgesaison 13. Die Bilanz seit 2002: eine bejubelte Finalniederlage gegen Bayern München im DFB-Pokal und der Derbysieg am vorletzten Spieltag der Saison 2006/2007 gegen Schalke, die daraufhin nicht Meister wurden.

Ein erstes erleichtertes Aufatmen konnte man allerdings aus dem Revier vernehmen, als Thomas Doll sich im beidseitigen Einverständnis vom Verein trennte. Dann vollbrachte BVB-Sportdirektor Michael Zorc in diesem Sommer seine bislang beste Tat in einer bislang eher durchwachsenen Amtsausübung - er verpflichtete Trainer Jürgen Klopp zum 1. Juli 2008. Sportlich kann das die wichtigste Personalie seit der Einstellung von Erfolgscoach Ottmar Hitzfeld sein.

Für mich als BVB-Fan ist sie das schon jetzt. Weil ich, seitdem Klopp in Dortmund trainiert, wieder Glauben in die Mannschaft entwickelt habe. Weil ich denke, dass die Mannschaft mit Klopp in entscheidenden Momenten bestehen kann. Und das sage ich trotz der Uefa-Cup-Niederlage gegen Udine. Weil er, anders als Doll, durchgreifen kann und das Leistungsprinzip nicht nur zu einer Worthülse macht, wie sogar schon Kapitän Sebastian Kehl zu spüren bekam, ebenso wie Torjäger Alexander Frei, dessen Stil nicht ins laufintensive Konzept passt. Weil endlich jemand da ist, der Zorc die richtigen Hinweise zu Verpflichtungen geben kann, so schon geschehen bei Abwehr-Jungspund Neven Subotic.

Klopp passt nach Dortmund. Manchem mag seine offen-witzige Art nicht gefallen. Und mancher sieht Anzeichen einer medialen Überrepräsentation. Doch Klopp ist einfach Klopp. Seine Art wirkt nicht aufgesetzt. Bestes Beispiel: Das Spiel beim Hamburger SV Anfang November. Dortmund unterlag 1:2. BVB-Mittelfeldspieler Tamas Hajnal diskutierte im Anschluss mit Schiedsrichter Jürgen Drees. Der 1,91 Meter große Klopp stürzte auf den Platz, riss seinen nur 1,67 Meter großen Spielmacher zur Seite und schleuderte ihn hinter sich. Wer so mit seinen Spielern umgehen kann, der muss eine Menge Vertrauen und Respekt in der Mannschaft besitzen. Mit seiner Art hat er es geschafft, in einer lethargischen und chronisch satten Mannschaft neues Feuer zu entfachen. Und damit auch bei mir als Fan.

Jan Reschke

insgesamt 27 Beiträge
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derpolokolop 20.12.2008
1.
Zweifels ohne das 4:3 in letzt minute für Blackpool auswärts gegen Watford! Was denn sonst? ;-)
Christian W., 20.12.2008
2.
Das 1:1 von Köln gegen Gladbach im April diesen Jahres. Die Emotionen in diesem Spiel, die man sogar im TV als Nicht-Fan beider Mannschaften mitbekommen hat, waren schon gewaltig.
icaros, 20.12.2008
3.
Der "Aufstieg" des SSV Ulm 1846 von der OL BW in die RL Süd. Jaja, ich weiß, ist immer noch vierte Liga. Und schöne Momente waren auch die Last-Minute-Tore der Bayern gegen Getafe und Hoppenheim. Und die beiden Titel natürlich.
Schwabenpower 21.12.2008
4.
Eine Olympiade ohne Dopingfälle und auch sicherlich ganz ohne jegliche Beteiligung 12-jähriger Turnerinnen in der chinesischen Frauenturnerriege. Das war wunderschön. Endlich mal ein wirklich durch und durch sportlich fairer Wettbewerb. Danke China für die ersten glaubwürdigen und ehrbaren Sommerspiele der letzten 60 Jahre, die ich bewusst erleben durfte.
Brieli 21.12.2008
5.
Mein heutiges 10:9 in unserem traditionellen Alt-Herren-Weihnachtskick. Zum mit der Zunge-schnalzen. Ein unhaltbarer Pike-Schuss aus 5 Meter :-) Brieli
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