Hondo-Anwalt "Das Wada-System könnte kippen"

Nachdem ein Schweizer Gericht die Dopingsperre gegen den Radprofi Danilo Hondo aufgehoben hat, droht nicht nur dem Radsport eine Klagewelle. Laut Hondos Anwalt Michael Lehner könnte jetzt sogar die Grundsatz-Regelung der Welt-Anti-Dopingagentur (Wada) fallen.

Lausanne - "Dieses Urteil hat Signalwirkung", sagte Lehner auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Der Jurist hatte seinen Antrag vor dem Obersten Schweizer Kantonsgericht unter anderem damit begründet, dass zwei Jahre Sperre für Hondo einem Berufsverbot gleichgekommen wären. Der in der Schweiz wohnende Hondo war 2005 vom Internationalen Sportgerichtshof (Cas) in Lausanne für zwei Jahre gesperrt worden, nachdem er bei der Murcia-Rundfahrt im selben Jahr zweimal positiv auf  das Aufputschmittel Carphedon getestet worden war.

Das Gericht gab der Nichtigkeitsbeschwerde Hondos heute statt. "Die Urteile sind vorerst nur aufgehoben, eine definitive Entscheidung erwarten wir in sechs Monaten", so Lehner. Der Fall könnte dennoch weit reichende Konsequenzen haben, denn zum ersten Mal in der Geschichte des Radsports hob ein ordentliches Gericht das Urteil eines Sporttribunals auf. Sollte das Gericht endgültig zu Hondos Gunsten entscheiden, droht nicht nur dem Radsport-Weltverband Uci eine Klagewelle ungeahnten Ausmaßes.

Denn auch die Mindeststrafe von zwei Jahren, die die Welt-Anti-Dopingagentur Wada bei nachgewiesenen Vergehen für alle Athleten vorsieht, dürfte in diesem Fall der Vergangenheit angehören. "Das Wada-System könnte kippen", sagte Lehner, der in Zukunft eine Umkehrung der Beweislast erwartet: "Dann müssten nicht mehr die Athleten ihre Unschuld beweisen, sondern die Ankläger deren Schuld", erklärt Lehner.

Wie auch im Fall Hondo müssten die Gerichte nach Lehners Einschätzung künftig die Verhältnismäßigkeit der Mittel stärker berücksichtigen. "In Zukunft werden die Verfahren viel weiter ins Detail gehen müssen. Gerade um die Frage zu klären, ob Athleten fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt haben, ist diese Maßnahme längst überfällig", sagt der Heidelberger Anwalt SPIEGEL ONLINE. Insgesamt würde die endgültige Entscheidung zu Gunsten Hondos zu mehr Gerechtigkeit führen.

Der Schweizer Radsportverband Swiss Cycling wird Hondos Lizenz umgehend wieder freigeben, wie Geschäftsführer Lorenz Schläfli dem sid sagte: "Damit ist er ab sofort wieder startberechtigt." Ob der ehemalige Sprinter vom Team Gerolsteiner vor einem endgültigen Urteil ein neues Team findet, muss abgewartet werden. Dass dies nicht ganz leicht wird, ist auch Hondo klar. Er habe Manager Tony Rominger beauftragt sich umzuhören: "Wir gehen das ganz offen und ruhig an. Man muss sehen, wie die Szene und vor allem die Sponsoren reagieren. Auf ein paar Tage kommt es nach einjähriger Zwangspause auch nicht mehr an", so Hondo, der das Urteil als "Sensation" bezeichnet hatte.

Mike Glindmeier/sid

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