Hong Kong Jockey Club Der Milliardenverein

Zehn Milliarden Euro: Kein Sportclub der Welt macht mehr Umsatz als der Hong Kong Jockey Club. Das Magazin "SPONSORS" gibt einen Einblick in die Welt des Vereins, der sein Geld mit Sportwetten verdient - und an dessen Spitze ein Deutscher steht.
Von Michael Weilguny

In Deutschland ist der FC Bayern München mit einem Umsatz von 286,8 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2007/08 der mit Abstand wirtschaftsstärkste Club. Doch für Europas Spitze reicht das nicht. Hier hat der spanische Edelverein Real Madrid mit jährlichen Erlösen von 351 Millionen Euro ( Geschäftsjahr 2006/07) die Nase vorn. Doch das alles sind vergleichsweise Peanuts, über die Winfried Engelbrecht-Bresges nur müde lächeln kann.

Der Deutsche ist Geschäftsführer des Hong Kong Jockey Clubs, des wirtschaftsstärksten Sportclubs der Welt. Jährlicher Umsatz: zehn Milliarden Euro. Sein Geld verdient der Verein in erster Linie mit Wetten. Denn in Hongkong darf man ausschließlich auf Sport wetten, Glücksspiel oder staatliche Lotterie sind verboten.

"Pferderennen sind hingegen ein gesellschaftliches Ereignis. Deshalb wird das Geld auf die Rennbahn getragen, teilweise sogar in Tüten", sagte Engelbrecht-Bresges in einem Beitrag der WDR-Sendung "Sport Inside". Besonders profitiert der Club davon, dass die Regierung dem Verein das Monopol für Pferde- und Fußballwetten in Hongkong verliehen und damit die Konkurrenz quasi ausgeschaltet hat.

Zur Abwicklung der Wetten verfügt der Club über das nach eigenen Angaben modernste und leistungsfähigste Computersystem Asiens. 1,5 Millionen Telefonwettkunden wickeln jährlich über Internet, Telefon und PDA ihre Einsätze ab.

In einer Saison wird so ein Wettumsatz bei Pferderennen von umgerechnet 5,6 Milliarden Euro erzielt, weitere 3,3 Milliarden Euro pro Jahr mit Fußballwetten. Der Hong Kong Jockey Club verzeichnet an einem einzigen Renntag Wettumsätze von bis zu 100 Millionen Euro. Das ist das Doppelte dessen, was alle deutschen Rennbahnen zusammen erwirtschaften – in einem Jahr.

Um Manipulationen vorzubeugen, werden im Pferderennsport alle Jockeys, Trainer und Besitzer vom Club und von der Polizei überprüft. 250 Sicherheits-Mitarbeiter überwachen den Wettmarkt und das gesamte Renngeschehen mithilfe von fast 50 Kameras. "Unsere Racing Control weiß genau, wie Pferde normalerweise geritten werden. Alle 15 Sekunden bekommt das System ein Update, wie sich die Wettmuster verändern. Auf diese Weise können wir über intelligente Technologie die optimale Kontrolle ausüben, um das Vertrauen der zahlenden Kunden aufrechtzuerhalten", sagt Engelbrecht-Bresges.

Der 52-jährige Diplom-Kaufmann leitete sechs Jahre den Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht. 1998 kam er aus Köln als Renndirektor zum Club nach Hongkong. Seit Februar 2007 ist er Vorstandsvorsitzender des Vereins, der 1844 gegründet wurde und seit 1971 professionellen Pferderennsport betreibt. "Ich bin für die Gesamtorganisation des Jockey Clubs inklusive des Wettgeschäfts verantwortlich", sagt der Vorstandschef.

Die Anlage seines Clubs verfügt über zwei Rennbahnen, "Happy Valley" und "Sha Tin", die bis zu 86.000 Zuschauern Platz bieten. Der Führring auf der Rückseite der Tribüne ist als weltweit einziger mit einem ausziehbaren Dach ausgestattet, unter dem 3000 Zuschauer das Vorstellen der Pferde beobachten können. 14.000 Beschäftigte arbeiten an den Renntagen in den zahlreichen Restaurants und Bars innerhalb der Tribünen. Damit ist der Jockey Club, ganz nebenbei, mittlerweile auch der größte Gastronom in Hongkong.

Mit zehn Milliarden Euro Jahresumsatz erwirtschaftet der Verein allein zehn Prozent des gesamten Steueraufkommens der chinesischen Metropole und ist damit der größte Steuerzahler. Entsprechend einflussreich sind der Verein und Vorstandschef Engelbrecht-Bresges in Hongkong.

So erreichte der Club sogar, dass die Reitwettbewerbe der Olympischen Spiele in Peking auf der Anlage des Hong Kong Jockey Clubs ausgetragen wurden. Da die Olympiapferde wegen der Quarantäne-Bestimmungen nicht nach Peking einreisen durften, bot sich der Club vor drei Jahren als Ausrichter an. Nur eines kam den Hongkongern und Engelbert-Bresges nicht ganz so gelegen: Auf die olympischen Reitwettbewerbe durfte nicht gewettet werden.

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