Wegen Solidarität mit Hongkong Spielehersteller Blizzard sperrt E-Sport-Profi

Während der Live-Übertragung eines E-Sport-Wettbewerbs sendete ein "Hearthstone"-Profi eine Botschaft zu den Demonstranten in seiner Heimat Hongkong. Der Veranstalter reagiert mit drakonischen Maßnahmen.

Chung Ng Wai alias "Blitzchung" (rechts) im Livestream
Inven Global/ Twitter

Chung Ng Wai alias "Blitzchung" (rechts) im Livestream


Weil er sich während der Live-Übertragung eines E-Sport-Wettbewerbs zur politischen Lage in seinem Heimatland positionierte, wurde "Hearthstone"-Profi Chung Ng Wai alias "Blitzchung" aus Hongkong von Spielehersteller und Organisator Blizzard für ein Jahr gesperrt. Zudem wurde dem Spieler, der als Großmeister zu den besten 48 der Welt gehört, sein Status offiziell aberkannt und seine Preisgelder für die laufende Saison einbehalten. Diese sollen sich auf rund 14.500 Euro belaufen.

"Blitzchung" hatte im Interview in einem taiwanesischen Stream nach einem Spiel der Asia Pacific Hearthstone Grandmasters eine Gasmaske und eine Skibrille aufgezogen und "Befreit Hongkong, die Revolution unserer Zeit" gerufen. Die beiden Interviewer versteckten sich unter dem Tisch, ein leises Lachen war zu hören. Es wurde zwar direkt Werbung eingeblendet, trotzdem wurden auch sie bestraft und vom Hersteller entlassen.

Blizzard begründete seine Entscheidung, "Blitzchung" zu bestrafen, mit einem Verstoß gegen die offiziellen Regeln für "Hearthstone"-Großmeister. Demnach ist es ihnen untersagt, öffentliche Aussagen zu tätigen, die dem Ansehen des Online-Sammelkartenspiels "Hearthstone" und Publisher Blizzard schaden könnten. Fünf Prozent der Anteile von Activision Blizzard gehören dem chinesischen Konglomerat Tencent.

"Eine Art, mich an den Protesten zu beteiligen"

Das E-Sport-Portal "Inven" veröffentlichte ein Statement von "Blitzchung", in dem es heißt: "Mein Aufruf im Stream war eine Art, mich an den Protesten zu beteiligen, von denen ich hoffe, dass sie mehr Aufmerksamkeit bekommen." Zu den Folgen seiner Äußerungen sagte er: "Ich weiß, was mein Auftritt im Stream bedeutet. Es kann mir viel Ärger einbringen, auch für meine persönliche Sicherheit. Aber ich empfinde es als meine Pflicht, mich zu der Angelegenheit zu äußern."

Wegen der wachsenden Einflussnahme der chinesischen Regierung und der Angst vor der weiteren Beschneidung der Bürgerrechte gibt es in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong seit Monaten Massenproteste. Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China mit einem eigenen Grundgesetz nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert. Allerdings fürchten die sieben Millionen Hongkonger derzeit um ihre besonderen Rechte, wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

In Hongkong war am Wochenende die Gewalt erneut eskaliert, U-Bahnstationen sowie prochinesische Geschäfte wurden verwüstet, in Straßen legten Demonstranten Brände. Regierungschefin Carrie Lam drohte den Demonstranten am Dienstag damit, die Proteste mit militärischer Unterstützung aus China zu beenden.

tip

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