Hornets-Übernahme Das große Zocken in der NBA

Es ist ein Novum. Mit den New Orleans Hornets hat die NBA erstmals einen Club übernommen. Liga-Boss David Stern will den Fans zeigen, wie ernst die Lage ist. Er hofft, die Spielergewerkschaft in den Verhandlungen um einen neuen Tarifvertrag unter Druck setzen zu können.

AFP

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Chris Paul ist ein faszinierender Spieler. Die Pässe des Point Guards können unberechenbarer kaum sein, er dominiert eine Partie in Angriff und Verteidigung. Sein Team New Orleans Hornets hat der Aufbauspieler in den vergangenen drei Jahren zwei Mal in die Playoffs der NBA geführt, zuletzt verpasste die Mannschaft die Meisterrunde - weil Paul verletzungsbedingt in 37 von 82 Partien der Hauptrunde nicht eingesetzt werden konnte.

Jetzt ist Paul wieder fit und die seit 2002 in New Orleans und zuvor in Charlotte (North Carolina) beheimateten Hornets sind auf Playoff-Kurs. Trotzdem bleiben die Zuschauer weg. Durchschnittlich nur etwas mehr als 13.600 Zuschauer pro Partie kommen in die New Orleans Arena, 18.500 hätten Platz. Nur die New Jersey Nets und die Sacramento Kings genießen einen noch geringeren Zuspruch.

Die Entwicklung ist schon seit einigen Jahren negativ, den Hornets geht es finanziell schlecht. Laut einer Bilanzprüfung, die das Basketball-Blog "Deadspin.com" veröffentlichte, lag der Schuldenstand Ende vergangenen Jahres bei 111 Millionen Dollar. Um den Club vor der Insolvenz zu bewahren, hat die NBA erstmals in der Ligageschichte ein Team übernommen. Kaufpreis der Hornets: 300 Millionen Dollar.

Für den seit 1984 amtierenden NBA-Boss David Stern scheint es eine persönliche Niederlage zu sein, auch wenn schon MLB (Baseball) und NHL (Eishockey) Clubs aufkaufen mussten, um deren Bestand zu sichern. Der 68-jährige Jurist, der als Wirtschaftsanwalt arbeitete, war stets ein Befürworter des Standorts New Orleans. Das Allstar-Game 2008, das Stern nach dem Hurrikan Katrina im August 2005 an New Orleans vergeben hatte, war eine perfekt inszenierte PR-Kampagne für seine Liga. Der Werbeslogan lautete: "NBA cares" ("Die NBA kümmert sich").

370 Millionen Dollar Verlust für die NBA 2009/2010

Nun hat Stern die Reißleine gezogen. "Der Kauf soll den Wert der Hornets und der gesamten Liga sicherstellen", sagt er. Die 30 Clubs umfassende NBA hat weitere Problemfälle. Neben New Orleans Hornets sind auch Indiana Pacers, Memphis Grizzlies und Sacramento Kings angeschlagen. Hingegen prosperieren die Teams in den großen Märkten wie Los Angeles (Lakers), New York (Knicks) oder Chicago (Bulls).

Im Zuge der Verhandlungen mit der Spielergewerkschaft über einen neuen Rahmentarifvertrag bezifferte Stern den Verlust in der Saison 2009/2010 auf rund 370 Millionen Dollar.

Für Eigner wie Mark Cuban (Dallas Mavericks) oder Paul Allen (Portland Trail Blazers), die Milliarden in der Computer- und Internetbranche verdient haben, sind die Teams Hobbys, Verluste kümmern sie nicht. Andere, auch der bisherige Hornets-Eigentümer George Shinn, können es nicht so locker sehen.

Im neuen Tarifvertrag soll der Finanz-Ausgleich zwischen den Teams gerechter gestaltet werden. Die Großen müssten mehr für die Kleinen zahlen. Laut Liga-Boss Stern sind jedoch die Spielergehälter das Hauptproblem. "Zu hoch", urteilt Stern und schlägt Kürzungen vor. Bestverdiener in dieser Saison ist Guard Kobe Bryant von Meister LA Lakers mit einem Jahresgehalt von fast 25 Millionen US-Dollar.

Naturgemäß wehrt sich die Spielergewerkschaft gegen Kürzungen. Sie hält das von Stern genannte Minus für einen Buchhaltertrick. Es droht wie 1999/2000 eine Aussperrung der Spieler durch die Clubs. Damals wurde die Saison von 82 auf 50 Partien verkürzt.

Ist es angesichts dieses Szenarios Zufall, dass kurz nach der Hornets-Übernahme durch die Liga die hohen Verluste öffentlich wurden? "Für den Verkauf haben wir uns keine Frist gesetzt, unser Ziel ist es, die Hornets in New Orleans zu halten", sagte Stern unlängst.

Das Bekenntnis zu New Orleans ist vermutlich nur PR-Getöse, damit kennt sich Stern ja aus. Schon kurz nach dem Erwerb der Hornets gab es Spekulationen über einen möglichen Umzug der Franchise. In Kansas City steht eine moderne Arena, in Seattle gibt es in Microsofts Vorstandsvorsitzendem Steve Ballmer einen möglichen Investor. Dazu kommen noch Anaheim, Las Vegas, Louisville, San Diego und St. Louis als mögliche Standorte.

Ein potentieller neuer Eigentümer ist bislang nicht in Sicht. Das ist nicht verwunderlich, schon Shinn war mit dem Versuch gescheitert, die Hornets los zu werden. Mit seinem Teilhaber Gary Chouest konnte er sich nicht auf eine Übernahme einigen.

Stern selbst wird weiterhin versuchen, dem Publikum am Beispiel der Hornets deutlich zu machen, wie schlecht es um die Liga bestellt sei. Die Fans sollen glauben, dass eine Reduzierung der Spielergehälter unausweichlich ist. Das Gezocke wird sobald nicht vorbei sein.



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