HSV Handball zieht vor Schiedsgericht Verzweifeltes Klammern

Die Handballer des HSV hoffen immer noch auf die Rettung: Vor dem Liga-Schiedsgericht wollen sie den Lizenzentzug verhindern. Dabei könnte sich der Klub die Bundesliga gar nicht mehr leisten. Für die HBL wäre das Ende der Hamburger ein Totalschaden.

HSV-Profi Mahé (M.): Wohl kein Bundesliga-Handball mehr in Hamburg
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HSV-Profi Mahé (M.): Wohl kein Bundesliga-Handball mehr in Hamburg

Von , Hamburg


SPIEGEL ONLINE Fußball

Es wirkt wie der letzte verzweifelte Versuch. Der HSV Hamburg zieht tatsächlich vor das Schiedsgericht der deutschen Handballbundesliga (HBL), um den Lizenzentzug und damit den Absturz in die dritte Liga noch zu verhindern. Dabei ist die Lage des Klubs beinahe aussichtslos. Dennoch droht HSV-Rechtsbeistand Thomas Summerer vorab schon mit einem zivilrechtlichen Verfahren. "Wenn man gute Argumente hat, ist auch der Weg vor ein ordentliches Gericht gangbar", sagte der renommierte Sportjurist dem "Hamburger Abendblatt".

"Ich bin der Meinung, dass der HSV vor einem Zivilgericht nicht mehr klagen kann, weil er die Lizenzierungsrichtlinien mit beschlossen hat", sagt indes HBL-Geschäftsführer Holger Kaiser auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Einen Notfallplan für eine weitere Hängepartie hat die HBL daher bisher nicht ausgearbeitet. "Das wäre extrem kompliziert angesichts des engen Terminkalenders", sagt HBL-Spielleiter Andreas Wäschenbach.

Irgendwann aber brauchen Klubs wie HBW Balingen (Bundesliga) und die HSG Saarlouis (2. Liga) Planungssicherheit, sie würden bei einem Lizenzentzug des HSV in ihren Klassen verbleiben. Für den EHF-Pokal, an dem der HSV bei erfolgreichem juristischen Kampf teilnehmen würde, hat die Liga laut Wäschenbach beim europäischen Verband bereits eine Fristverlängerung erwirkt.

Bis zum 27. Juni soll das dreiköpfige Schiedsgericht um den Vorsitzenden Frank Lau entscheiden, ob das Lizenzverfahren im Falle des HSV formal zu beanstanden ist. Sportrechtler Summerer sieht Chancen vor dem Gremium. Doch selbst wenn der HSV erfolgreich sein sollte, dürfte eine Lizenzerteilung mit derart hohen Auflagen verbunden sein, dass der HSV diese kaum erfüllen kann - wenn Mäzen Andreas Rudolph, der mit seinem Rücktritt als Präsident im Mai den Klub in Turbulenzen stürzte, nicht wieder mit seinen Millionen einspringt.

HSV-Gesellschafter erklärt Handball in Metropolen für gescheitert

Zudem sind die Finanzplanungen des HSV für die kommende Saison, die einen Etat von knapp sechs Millionen Euro vorsehen, schlichtweg zu vage: So soll der Trikotsponsor GHD, hinter dem Mäzen Andreas Rudolph steht, seine Zusage in Höhe von über 1,5 Millionen Euro für die kommende Saison an Bedingungen geknüpft haben. Auch existierte wohl kein substanzieller Plan, um das Defizit der Saison 2013/2014 in Höhe von über zwei Millionen Euro zu bewältigen.

Das Ende des HSV wäre für die Liga zweifellos ein Totalschaden: In diesem Fall verblieben die Füchse Berlin als letzte Bastion des Klubhandballs in den Großstädten; zuletzt war das Experiment des VfL Gummersbach in Köln gescheitert, auch in München gibt es keinen Profihandball. HSV-Mehrheitsgesellschafter Matthias Rudolph erklärt die Idee, den Handball in Hamburg zu etablieren, für gescheitert. "Ich bin mehr denn je überzeugt, dass der Handball nicht in die großen Städte gehört", sagt der Bruder des Mäzens.

Dabei kamen in der vergangenen Saison im Schnitt fast 9000 Fans zu den Heimspielen - womit der HSV den zweiten Platz im Ranking hinter dem Branchenprimus THW Kiel belegt. Der Fanzuspruch sei nicht das Problem, sagt Matthias Rudolph, sondern die Akquise der nötigen Sponsoren: "Die großen Unternehmen gehen nicht zum Handball, sondern zum Fußball."

Der Zuschauerschnitt der Liga dürfte also mit dem Untergang des HSV spürbar sinken. Auch zählten die Top-Spiele des HSV gegen den THW Kiel in den vergangenen Jahren zu den Quotenbringern im TV-Sender Sport1. "Der HSV war als Marke wichtig", sagt HBL-Prokurist Marc Schober. Aber ein Kollaps der Liga sei das nicht: "Selbst bei einem Zwangsabstieg des HSV darf man die Lage für den Ligahandball nicht überdramatisieren, denn wir haben viele etablierte Marken."

Sollte der HSV vor den Gerichten scheitern, müsste die Spielbetriebsgesellschaft in die Insolvenz. Und der Gesamtverein, der rund 270 Mitglieder hat, stünde in der dritten Liga Nord vor dem Neuaufbau. "Ich weiß nicht, ob wir dann noch gebraucht werden", sagt Matthias Rudolph, "das kommt auf die Konstellation an".



insgesamt 11 Beiträge
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carscho 11.06.2014
1. Kein Problem für den Handball, im Gegenteil
Die Saison war auch ohne den HSV die spannendste seit langem. Flensburg und die Löwen haben aufgeschlossen und das mit seriösen Geschäftsmodellen. Dass, was in HH gemacht wurde, war Wettbewerbsverzerrung auf Pump und der Verein hat/ hatte keine Seele. Dass Rudolph nun alles von 100 auf null fallen lässt, sagt doch alles. Er hätte dem Verein eine Übergangzeit geben können, damit man sich darauf einstellen kann, kleine Brötchen zu backen oder wieder nach Bad Schwartau zu gehen, oder was weiß ich. Das Klammern an die Lizenz ist wohl eher ein Klammern an die Posten und Gehälter, sicherlich legitim aus Hamburger Sicht aber aussichtslos... Bye, bye HSV Handball... Ich werde Dich nicht vermissen und die Liga am Ende auch nicht.
RalfHenrichs 11.06.2014
2. Gut, dass das nicht funktionierte
Es war an Peinlichkeit nicht zu überbieten, dass der Verein "HSV Handball" in Hamburg(!) mit der HSV-Raute werben durfte, ohne mit dem HSV (also dem Fussballverein) wirklich etwas zu tun zu haben.
hanseat52 11.06.2014
3. Eben doch
Na ja, THW Kiel gegen Bietigheim statt HSV steht dann auf dem Kalender. Den HSV werden nicht nur die Zuschauer in HH vermissen. Allerdings kann man beim HSV-Handball sehen, wie es nicht sein darf: Innerhalb von 10 Jahren nie ein einziges Talent im Kader gefördert und auch bei hohen Spielständen immer mit denselben gespielt, Das da wegen Überbelastung diverse Sportinvaliden oder häufig Verletzte herauskamen ist kein Wunder. Auch ein Grund für den finanziellen Untergang. Beim HSV Füßball ist es ähnlich, nur finden sich da immer wieder Sponsoren, die diese Traumtänzereien finanzieren. Die Füchse beweisen, dass Handball auch in der Großstadt geht.
heartware 11.06.2014
4. raute?
soweit ich weiß, ist die raute das emblem des hamburger sportvereins, zu welchem auch der fußbalclub gehoert. wieso sollte die handballsparte das vereinsemblem also nicht nutzen duerfen?
lövgren 11.06.2014
5.
Zitat von hanseat52Na ja, THW Kiel gegen Bietigheim statt HSV steht dann auf dem Kalender. Den HSV werden nicht nur die Zuschauer in HH vermissen. Allerdings kann man beim HSV-Handball sehen, wie es nicht sein darf: Innerhalb von 10 Jahren nie ein einziges Talent im Kader gefördert und auch bei hohen Spielständen immer mit denselben gespielt, Das da wegen Überbelastung diverse Sportinvaliden oder häufig Verletzte herauskamen ist kein Wunder. Auch ein Grund für den finanziellen Untergang. Beim HSV Füßball ist es ähnlich, nur finden sich da immer wieder Sponsoren, die diese Traumtänzereien finanzieren. Die Füchse beweisen, dass Handball auch in der Großstadt geht.
Das ist Blödsinn. Bietigheim ist seriös aufgestiegen und diese Begegnung gibts mit oder ohne HSVHandball. Von einer "Überbelastung" bei den HSVH_Luxuskadern zu sprechen, ist ebenfalls Blödsinn. Dass der ziemlich unfähige künftige Bundestrainer Schwalb immer die gleichen Sieben spielen ließ, steht auf einem anderen Blatt.
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