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21. August 2008, 12:48 Uhr

Illegale Medikamente

Pferde-Dopingaffäre erschüttert Springreitturnier bei Olympia

Skandal bei den Springreitern: Gleich vier Teilnehmer sind kurz vor dem Einzelfinale von den Olympischen Spielen ausgeschlossen worden - darunter Norwegens Bronze-Gewinner Hansen und der Deutsche Christian Ahlmann. Letzterer ist schon auf der Heimreise.

Hamburg - Neben der deutschen Springreiter-Equipe sind bei den Olympischen Spielen drei weitere Pferdesport-Teams von Dopingfällen betroffen. Prominentester mutmaßlicher Betrüger ist der Norweger Tony Andre Hansen, der nun an diesem Nachmittag nicht mehr in den Kampf um die Medaillen im Einzelfinale eingreifen kann. Er hatte im Mannschaftswettbewerb mit nur einem Strafpunkt das beste Ergebnis aller Reiter erzielt.

Springreiter Hansen: Bronzemedaille in Gefahr
AFP

Springreiter Hansen: Bronzemedaille in Gefahr

Bei Hansens Pferd Camiro wurde die verbotene Substanz Capsaicin nachgewiesen. Die Norweger könnten bei einer Bestätigung des Resultats durch die B-Probe ihre in Hongkong errittene Bronzemedaille an die Schweiz verlieren.

Bei Christian Ahlmanns Pferd Cöster war dasselbe Mittel wie bei Hansens Camiro entdeckt worden. Positiv fielen zudem der Ire Denis Lynch mit Lantinus und Bernhard Alves aus Brasilien mit Chupa Chup auf. Die vier Reiter wurden umgehend suspendiert und durften am Donnerstag am Einzel-Finale nicht mehr teilnehmen.

Seit diesen Olympischen Spielen ist eine neue Regelung in Kraft, nach der bereits nach der positiven A-Probe Reiter und Pferd das Turnier verlassen müssen. Die Öffnung der B-Proben wurde für diesen Freitag im "Hong Kong Analytical Laboratory" angesetzt. Ahlmann wollte sich bis zur Bekanntgabe des Ergebnisses der B-Probe nicht zu seinem Fall äußern und reiste bereits an diesem Donnerstag zurück nach Deutschland.

Bei Ahlmanns Wallach Cöster war bei einer Medikationskontrolle am 17. August die Substanz Capsaicin nachgewiesen worden. Capsaicin fördert die Durchblutung in schmerzenden, verhärteten Muskeln und lindert damit Muskelschmerzen und Muskelverspannungen.

Ahlmann, den 33-jährigen Doppel-Europameister von 2003, trifft damit eine neue Regel der Fei, der zufolge die Reiter schon nach einer positiven A-Probe vom Wettkampf auszuschließen sind. Am Freitag soll um 10 Uhr im Veterinärlabor von Hongkong die B-Probe geöffnet werden. "Die Beschleunigung des Verfahrens, das international unter besonderer Mitwirkung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung ins Leben gerufen wurde, ist genau richtig", sagte Haring. "Wir werden seitens der FN alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den Fall aufzuklären." Am Freitagvormittag soll es zu einer Anhörung der Fei mit Ahlmann und dem deutschen Delegationsleiter Reinhardt Wendt kommen.

Wie Björn Nolting, Tierarzt der deutschen Mannschaft mitteilte, handelte es sich bei der Substanz Capsaicin um ein Extrakt der Chilischote, das zur oberflächlichen Behandlung auf der Haut angewendet werden könne. "Es hat in erster Linie einen durchblutungsfördernden Effekt", sagte Nolting. Ahlmann belegte beim olympischen Turnier mit der Mannschaft im Springreiten einen enttäuschenden fünften Platz.

Bereits bei den Olympischen Spielen 2004 wurde beim Pferd Goldfever des deutschen Springreiters Ludger Beerbaum der Wirkstoff Betamethason entdeckt. Das Glucocorticoid war in einer Salbe, mit der ein Ekzem an Goldfevers Fesselbogen behandelt wurde. Im September 2005 wurde das Paar Beerbaum/Goldfever vom Internationalen Sportgerichtshof Cas endgültig disqualifiziert, die deutsche Mannschaft musste ihre Goldmedaillen zurückgeben.

fpf/jar/sid

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