NBA Im Westen wird's wild

Die Playoff-Plätze in der Western Conference der NBA sind härter umkämpft denn je. Titelverteidiger Dallas wird als Außenseiter ins erste Duell der Meisterrunde gehen - falls Dirk Nowitzkis Mavericks die Playoffs überhaupt erreichen. Eine Prognose.

Dallas Forward Nowitzki (l.): Wohl nur als Außenseiter in die Playoffs
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Dallas Forward Nowitzki (l.): Wohl nur als Außenseiter in die Playoffs

Von Tobias Jochheim


Der Kampf um die Playoffs in der Western Conference der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA ist spannend wie selten zuvor: Gleich mehrere Teams streiten sich um die Plätze und um eine gute Ausgangslage für die Endrunde. Konstanz ist nur bei wenigen Teams zu erkennen. Selbst der bisherige Spitzereiter Oklahoma City Thunder hat derzeit mit einem Formtief zu kämpfen.

Am Freitag kassierte das Team gegen die Indiana Pacers bereits die dritte Niederlage in Serie und musste die Tabellenführung an die San Antonio Spurs abgeben. Trotz der jüngsten Schwächeperiode bleiben die City Thunder in dieser, von 82 auf 66 Spielen verkürzten, Saison das beste Team der Western Conference.

Der Hauptgrund heißt Kevin Durant und erzielt pro Spiel im Schnitt 27,6 Punkte. Dass die Thunder trotzdem keine One-Man-Show sind, haben sie wiederholt bewiesen. Ende Februar erzielten Durant und sein Co-Star Russell Westbrook in einem Spiel jeweils mehr als 40 Punkte - das war zuletzt 1996 Michael Jordan und Scottie Pippen gelungen.

Wenig später machten Durant, Westbrook und Thunder-Teamkollege James Harden im selben Spiel 30 oder mehr Punkte. Kurz: Die zweitbeste Offensive der Liga ist kaum zu stoppen - und wird wohl die reguläre Saison als Tabellenerster im Westen beenden.

Thunder und Spurs eine Klasse für sich

Platz zwei ist den San Antonio Spurs kaum zu nehmen. Der Meister von 2003, 2005 und 2007 weigert sich seit Jahren, seine Schlüsselspieler auszutauschen. Der Erzrivale von Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks hat sich als eins von zwei konstanten Teams im Westen präsentiert.

Das ist vor allem der Verdienst von Gregg Popovich. Der Trainer versteht es meisterhaft, die Spielzeit seines langjährigen Star-Trios Tim Duncan, 35 Jahre, Manu Ginobili, 34, und Tony Parker, 29, zu begrenzen. Diese Mischung aus Schonung, Erfahrung und Selbstvertrauen macht die Spurs zu einem gefährlichen Gegner. Zuletzt gewann man zehn Spiele in Folge.

Den Kampf um die Tabellenränge drei und vier tragen zwei Teams aus, die in derselben Halle spielen. In derselben Tabellenregion waren sie in den vergangenen Jahrzehnten allerdings nie zu finden. Der Unterschied zwischen Rekordmeister Los Angeles Lakers und den notorisch erfolglosen Los Angeles Clippers war immens.

Doch seit der Verpflichtung von Spielmacher Chris Paul aus New Orleans brauchen die Clippers einen Vergleich mit dem Stadtrivalen nicht mehr zu scheuen. Momentan stehen die Clippers mit zwei Siegen weniger hinter den Lakers auf Rang vier - und dort werden sie auch bleiben. Denn die Lakers haben zwar das schwerere Restprogramm, aber in Kobe Bryant auch den ehrgeizigsten Spieler der Liga.

Die beiden Teams aus Los Angeles bilden mit dem abgehängten Quartett Minnesota, Golden State, Sacramento und New Orleans eine Klammer um sieben Mannschaften, die sich um die vier letzten Playoff-Plätze streiten.

Mavericks zahlen Preis für risikoreiche Strategie

Mittendrin in diesem Kampf steckt Nowitzki mit seinen Dallas Mavericks auf Platz sechs. Die Texaner brauchen eine gute Ausgangslage für die Playoffs. Schließlich muss dort der Achte der regulären Saison gegen den Ersten ran, während der Sechste nur auf den Dritten trifft. Und Platz sechs wird Dallas wohl schaffen.

Dass es für den Titelverteidiger nicht zu mehr reicht - und auch das Verpassen der Playoffs bis zum letzten Spieltag droht -, liegt an der riskanten Strategie von Mavericks-Besitzer Mark Cuban. Der hatte den Kader vor der Saison ausgedünnt und Center Tyson Chandler ziehen lassen, den entscheidenden Mann der Verteidigung. Jetzt zahlt Dallas den Preis dafür. Der von den Lakers geholte Lamar Odom enttäuschte maßlos, Nowitzki und Jason Kidd waren abwechselnd verletzt oder formschwach. Immerhin: Der wirre Spielplan beschert Dallas unmittelbar vor den Playoffs vier wertvolle spielfreie Tage.

Platz fünf im Westen dürfte an die Memphis Grizzlies gehen. Das Team hat seit Mitte März seinen Anführer Zach Randolph wieder. Der Power Forward hatte sich im vierten Saisonspiel am Neujahrsabend ein Band im Knie gerissen. Am Freitag führte er Memphis mit 14 Punkten und 14 Rebounds zu einem souveränen Sieg über Vizemeister und Top-Titelfavorit Miami.

Um die Plätze sieben und acht kämpfen Houston, Denver und die Utah Jazz. Rund drei Wochen vor Saisonende ist nicht abzusehen, wer sich durchsetzt, zumal das Restprogramm aller drei Teams ähnlich schwer ist - und die Western Conference kaum einmal so unberechenbar war wie in dieser Spielzeit.



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