Pyrotechnik in deutschen Stadien "Kein Kavaliersdelikt, sondern eine gefährliche Straftat"

Sollen für das Abbrennen von Pyrotechnik in Stadien Haftstrafen verhängt werden? Bei der Konferenz der Innenminister sprechen sich mehrere Vertreter dafür aus. Es gibt aber auch Gegenstimmen.

Brennende Pyrotechnik im HSV-Block (30. Oktober in Wiesbaden)
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Brennende Pyrotechnik im HSV-Block (30. Oktober in Wiesbaden)


Noch bis zum Freitag beraten die deutschen Innenminister bei einem Treffen in Magdeburg zu mehr als 70 Themen. Unter anderem geht es um den umstrittenen Vorschlag des hessischen Innenministers Peter Beuth (CDU), das Zünden von Bengalos und anderer Pyrotechnik in Stadien oder auf Demonstrationen künftig mit Haftstrafen zu ahnden. Bisher wird das als Ordnungswidrigkeit eingestuft und mit Bußgeldern belegt.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius hält wenig von der Idee der Haftstrafen. Statt härterer Strafen sollten lieber die Sicherheits- und Kontrollmaßnahmen im Stadion verstärkt werden, sagte der SPD-Politiker am Mittwochabend zum Auftakt des Herbsttreffens mit seinen Amtskollegen in Magdeburg. "Wenn ich eine Straftat daraus mache, dann muss ich auch in der Lage sein, in die Blöcke zu gehen und die Menschen rauszuholen." Das sei in voll besetzten Stadien aber oft nicht möglich. Erwischte Pyrotechnik-Sünder sollten hingegen konsequent verfolgt und mit Bußgeldern belegt werden.

Beuths Idee hat aber auch Befürworter. "Ich bin mir mit Hessens Innenminister Peter Beuth einig, das Unwesen mit der Pyrotechnik in Fußballstadien noch besser zu bekämpfen", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der Zeitung "Die Welt". "Das illegale Abbrennen von Feuerwerkskörpern oder Zünden von Bengalos und Rauchfackeln ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine gefährliche Straftat, bei der schlimmste Verletzungen drohen." Das müsse sich auch im Strafmaß widerspiegeln.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) und der IMK-Vorsitzende Holger Stahlknecht (CDU) aus Sachsen-Anhalt sind weitere Befürworter des Beuth-Vorstoßes. "Es ist ein Witz, dass das Abbrennen von Feuerwerk bloß eine Ordnungswidrigkeit ist. In Zukunft muss das strafbewehrt sein. 1000 Grad heiße Pyros haben nichts mit Fankultur zu tun", sagte Stahlknecht der "Welt".

Die Vorsitzenden der Polizeigewerkschaften unterstützten ebenfalls einen härteren Kurs. "Wer nicht versteht, dass das Abbrennen von Bengalos, der Einsatz explosionsgefährlicher Stoffe, für die ganz überwiegende Mehrheit der friedlichen Zuschauer hoch gefährlich ist und damit mögliche Verletzungen von Stadionbesuchern billigend in Kauf genommen werden, muss schärfere Konsequenzen spüren", sagte Oliver Malchow für die Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Bei der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPG) meinte Rainer Wendt: "Eine solche abschreckende Wirkung ist notwendig. Denn leider verstehen solche Fußball-Rowdys keine andere Sprache mehr. Wenn die Vereine an ihre Grenzen kommen, helfen eben nur konsequente Strafen."

aar/dpa/sid

insgesamt 12 Beiträge
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PeterPan95 29.11.2018
1. Alte weiße Männer
Schön wie mir alte weiße Männer erklären wollen, was zu meiner Kultur zu gehören hat. Es passt aber in diese Riege, dass man lieber hart bestrafen als legale und sichere Wege schaffen will, solches Feuerwerk zu verwenden. Und dass es eben nicht so einfach ist mit "das gehört nicht zur Fankultur" zeigt sich doch auch daran, dass es pyros immer noch gibt und es auch durchaus stimmungsvoll empfunden wird, wenn es im richtigen Moment passiert.
spon_2937981 29.11.2018
2. Endlich
Vollkommen richtig, das muss harte Strafen nach sich ziehen. Es darf kein Argument gegen die Strafe sein, dass man nicht in der Lage wäre, die Täter aus dem Block zu holen. Die werden halt gefilmt und später erwischt. Selbst wenn man nur jeden 10. erwischen würde, könnte das zum Ende dieser gefährlichen Unart führen.
CancunMM 29.11.2018
3.
man muss doch nicht während des Spiels in den Block gehen. Personifizierte Eintritskarten, permanente Videoüberwachung, Kontrollen mit Drehkreuzen am Ausgang. Gibt schon Möglichkeiten die Täter zu bekommen. Man muss nur wollen.
desillusionment 29.11.2018
4.
Sehr schön, endlich gibt es wieder ein Feld auf dem konservative Politiker mal so richtig klare Kante zeigen können. Nur so am Rande : wie viele Menschen würden in den letzten Jahren durch Pyrotechnik verletzt? Und wie viele durch Pfefferspray durch Einsätze in Menschenmengen?
pric 29.11.2018
5. Unsinn
Warum argumentieren GdP und DPG auf dem Rücken der und gegen die sich im Einsatz befindlichen Polizisten? Sollen die, sowieso schon total überarbeitet und -fordert, sich auch noch darum kümmern jede Woche ~20 Stadionblocks zu stürmen und dafür gehasst, bespuckt, bepöbelt und angegangen werden, während so Salon-Schwätzer wie Wendt in warmen Fernsehstudios mehr Gewalt im Stadion fordern? Paradox!
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