Interview "Ich halte das für grobe Steuerverschwendung"

Die deutschen Olympiateilnehmer sind in Sydney hinter den Medaillenerwartungen zurückgeblieben. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spart der Präsident des Steuerzahlerbundes, Karl Heinz Däke, 57, nicht mit Kritik.

Von Hubertus von Hörsten


Karl Heinz Däke: "Über Kiefer habe ich mich geärgert"
REUTERS

Karl Heinz Däke: "Über Kiefer habe ich mich geärgert"

SPIEGEL ONLINE:

Herr Däke, verfolgen Sie die Olympischen Spiele in Sydney?

Karl Heinz Däke: Wann immer ich Zeit finde, sitze ich vor dem Fernseher. Da meine Zeit aber eng bemessen ist, habe ich noch keine olympischen Ringe unter den Augen.

SPIEGEL ONLINE: Bisher schwimmen, laufen und turnen die deutschen Olympioniken meist hinterher. Wen haben Sie denn als Fall für das "Schwarzbuch" des Steuerzahlerbundes ausgemacht?

Däke: Er ist vielleicht nicht gleich ein Fall fürs Schwarzbuch. Aber über Nicolas Kiefer, den Tennisspieler, habe ich mich schon sehr geärgert.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Däke: Der Kiefer ist schon mit einer Oberschenkelverletzung nach Sydney gereist und dann prompt in der ersten Runde ausgeschieden. Und er ist eh schon ein Profi, der Millionen im Tenniszirkus kassiert und dann noch auf Kosten der Steuerzahler bei den Olympischen Spielen antritt. Da meine ich, sollte ein Riegel vorgeschoben werden. Zumindest die Reisekosten könnte ein Herr Kiefer schon selber tragen, zumal er die dann auch noch steuerlich absetzen kann.

SPIEGEL ONLINE: Was kostet ein Olympia-Teilnehmer den Steuerzahler? Insgesamt sind offiziell 722 Deutsche in Sydney: 428 davon sind Aktive, die übrigen Funktionäre und Betreuer.

Däke: Im Bundeshaushalt 2000 stehen 6,5 Millionen Mark für die Reisekosten und Unterbringung der Olympioniken zur Verfügung. 200 Millionen Mark stehen insgesamt für die Sportförderung zu Buche. Inwieweit die Länder noch Finanzhilfen beisteuern, kann ich nicht sagen. Aber wenn über ein Drittel der Olympia-Teilnehmer Offizielle sind, halte ich das schon für eine grobe Steuerverschwendung.

SPIEGEL ONLINE: Das olympische Motto lautet: Dabei sein ist alles. Sträuben sich Ihnen als Präsident des Steuerzahler-Bundes da nicht die Nackenhaare?

Däke: Nein, das tun sie nicht, denn die Qualifikationsnormen für Sydney sind, soweit ich das verfolgt habe, auch so bemessen, dass nicht jeder und jede einfach bei Olympischen Spielen teilnehmen kann. Da wurde schon geguckt, wer wirklich Erfolgsaussichten hat. Aber, um das auch klar zu sagen: Nicht jeder Sportler, der zu Olympischen Spielen fährt, muss auch mit einer Medaille nach Hause kommen. Das wäre auch vermessen, denn viele müssen erst einmal die Erfahrung bei so einem großen Sportfest sammeln, um dann beim nächsten Mal erfolgreich zu sein.

SPIEGEL ONLINE: Selbst der Deutsche Sportbund fordert jetzt Einschränkungen bei der Sporthilfe.

Däke: Solche Pläne werden immer aus den Schubladen vorgekramt, wenn eine Mannschaft nicht so erfolgreich ist. Aber es ist sicherlich gut, wenn insbesondere der Deutsche Sportbund mal über eine gezieltere Förderung nachdenkt. Wenn ich allerdings an die Schwimmer denke - und das haben Sandra Völker und Franziska van Almsick auch in Interviews gesagt -, liegt es wohl weniger an der Förderung, sondern vielmehr an der schlechten Betreuung - und in manchen Fällen wohl auch einfach an der schlechten Vorbereitung.



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