Interview mit Jan Ullrich "Kann Lance Armstrong angreifen"

Trotz anderthalb Stunden Rückstand auf die Spitze zieht Jan Ullrich ein positves Fazit seines Debüts beim Giro d'Italia und blickt der Tour der France überaus optimistisch entgegen.

Herr Ullrich, Ihr erster Giro liegt hinter Ihnen. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Jan Ullrich:

Die Entscheidung, beim Giro zu starten, war auf jeden Fall richtig. Besser hätte ich mich auf die Tour de France nicht vorbereiten können. Nach dem Giro werde ich mich erst kurz erholen und dann weiter hart trainieren. Bis zum Tour-Start am 7. Juli in Dünkirchen werde ich noch zwei Rennen bestreiten. Man geht immer gerne in die Schule, wenn man seine Hausaufgaben gemacht hat.

Sie hatten sich vorgenommen, beim Giro ein- oder zweimal ans Limit zu gehen, am Ende stehen zwei dritte Plätze zu Buche. Sind Sie damit zufrieden?

Ullrich: Ja, denn am Anfang hatte ich die Befürchtung, wegen meiner Bronchitis vielleicht gar nicht in Mailand anzukommen, aber dann ist es immer besser geworden. Mit dem dritten Platz auf der Bergetappe am Mittwoch habe ich gezeigt, dass ich in Fahrt komme. Das macht mich für die Tour zuversichtlich.

Ihr großes Ziel ist ein zweiter Tour-Sieg, aber Lance Armstrong war in den zwei vergangenen Jahren eine Klasse für sich. Wie sehen Sie Ihre Chancen in diesem Jahr?

Ullrich: Ich merke, dass meine Form kommt. Mein Ziel ist es, Lance anzugreifen, und ich bin überzeugt, dass ich das erreiche. Irgendwo muss das ja auch sein, ohne gesundes Selbstbewusstsein geht es nicht. Ich glaube, die Tour de France wird in diesem Jahr sehr spannend.

Der Giro wurde von Dopingfällen und der Razzia der italienischen Drogen-Polizei überschattet. Wie beurteilen Sie die Aktion der Doping-Fahnder?

Ullrich: Für uns war die Razzia sehr unangenehm, besonders für mich. Am Ende kam raus, dass bei einigen Fahrern irgendetwas gefunden wurde. Die Art des Vorgehens war nicht in Ordnung, auch wenn die Aktion Erfolg hatte. Schwarze Schafe gibt es überall, nicht nur im Radsport.

Besonders spektakulär war die Enttarnung von Dario Frigo, der bis zu dem Zeitpunkt Zweiter im Gesamtklassement gewesen war.

Ullrich: Wir waren alle bestürzt, das hätte wirklich keiner gedacht. Natürlich hat man eine Wut auf diese Fahrer. Für mich ist eigentlich klar, dass ein Fahrer nach einem solchen Vergehen nicht wieder zurückkommen dürfte.

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