Interview mit Tim Duncan "Wir wollen Gold, nur Gold"

Für Tim Duncan und das US-Basketballteam ist das Testspiel gegen Deutschland am Mittwoch in Köln nur eine Durchgangsstation Richtung Athen. Olympiasieg lautet das Ziel. Mit SPIEGEL ONLINE sprach Duncan über seinen Landsmann Lance Armstrong, seinen NBA-Widersacher Dirk Nowitzki und seinen Hang zur Gemütlichkeit.


SPIEGEL ONLINE:

Herr Duncan, 2000 mussten Sie die Olympischen Sommerspiele in Sydney wegen einer Knieverletzung absagen. Was bedeutet Ihnen die Teilnahme in Athen?

Tim Duncan: Damit erfüllt sich ein Kindheitstraum. Meine Schwester Tricia war 1988 als Schwimmerin in Seoul dabei, ich habe es jetzt mit dem Basketballteam geschafft. Es wird eine große Ehre sein, für mein Land um eine Medaille zu spielen.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Vorgänger haben sich immer ein wenig vom olympischen Betrieb abgekapselt. Was planen Sie?

Duncan: Wir sind auf einem Schiff untergebracht, allerdings möchte ich gerne das olympische Dorf besuchen. Außerdem würde ich mir gerne Wettkämpfe anschauen: natürlich Schwimmen, daneben Leichtathletik und Turnen.

SPIEGEL ONLINE: Stört es Sie, dass so viele NBA-Stars wie Shaquille O'Neal, Kobe Bryant, Kevin Garnett, Vince Carter oder Tracy McGrady ihre Teilnahme abgesagt haben?

Duncan: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich mache mir lieber Gedanken um die Spieler, die hier sind. Die gefallen mir, weil sie Olympia erleben wollen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind mit 28 neben Allen Iverson der erfahrenste Spieler im vierten und bisher jüngsten Dream Team, dessen Durchschnittsalter 23,5 Jahre beträgt. Wurden Sie deshalb von Cheftrainer Larry Brown zum Co-Kapitän ernannt?

US-Profi Duncan (l.): "Jung und talentiert"
AP

US-Profi Duncan (l.): "Jung und talentiert"

Duncan: Dieses Amt ist eine besondere Ehre und Verantwortung für mich. Übrigens gibt es meiner Meinung nach nur ein Dream Team: das Original von 1992. Diesen Effekt können wir nicht wiederholen. Wir sind, sagen wir mal, nur professionelle Basketballspieler.

SPIEGEL ONLINE: Von denen einige, im Gegensatz zu 1992, außerhalb von Fachkreisen kaum bekannt sind. Wen sollen die Zuschauer Ihrer Meinung nach besonders im Auge behalten?

Duncan: Lamar Odom von den Los Angeles Lakers und Dwyane Wade aus Miami. Die sind jung, talentiert und überraschen selbst mich immer wieder.

SPIEGEL ONLINE: Was wollen Sie in Athen erreichen?

Duncan: Gold, nur Gold.

SPIEGEL ONLINE: Soll damit die Schmach des sechsten Platzes bei der Weltmeisterschaft 2002 im eigenen Land vergessen gemacht werden?

Duncan: Wir haben noch in guter Erinnerung, was in Indianapolis passiert ist. Wir werden zwar immer noch als stärkstes Team angesehen. Aber die Leistungsunterschiede zwischen der NBA und der Welt werden immer kleiner. Wir haben mehr Respekt vor unseren Gegnern. Das ist genau die Motivation, die wir benötigen.

Spurs-Star Duncan: "Ich glaube, dass diese Typen mich respektieren"
REUTERS

Spurs-Star Duncan: "Ich glaube, dass diese Typen mich respektieren"

SPIEGEL ONLINE: Zum Thema Respekt eine Nachfrage: Sie sind einer der besten Spieler in der NBA ...

Duncan: ... das sagen Sie ...

SPIEGEL ONLINE: ... und trotzdem nicht so populär wie Kobe Bryant oder Allen Iverson. Die US-Zeitschrift "Sports Illustrated" setzte Sie sogar einmal auf die Liste der "langweiligsten Superstars". Stört Sie die Missachtung?

Duncan: Nein. Das ist halt einfach so. Man kann mich, aus welchem Grund auch immer, nicht so gut vermarkten. Aber das ist okay, meine Aufgabe ist das Basketballspielen. Ich denke, dass man Respekt von den Typen will, gegen die man spielt und mit denen man spielt - mehr als alles andere. Und ich glaube, dass diese Typen mich respektieren.

SPIEGEL ONLINE: Im Vorbereitungsspiel treffen Sie auf den Deutschen Dirk Nowitzki, gegen den Sie in der NBA regelmäßig antreten. Was halten Sie von ihm?

Duncan: Oh, Dirk ist ein unglaublicher Spieler. Für seine Größe ist er wahnsinnig beweglich, in der Offensive hat er ein ganzes Sortiment an Optionen und kann von überall schießen. Und er wird von Jahr zu Jahr besser.

SPIEGEL ONLINE: Werden sich seine NBA-Kollegen beim Spiel in der Köln-Arena besonders um ihn kümmern?

Duell Duncan (r.) gegen Nowitzki: "Wir werden Dirk ständig foulen"
AFP

Duell Duncan (r.) gegen Nowitzki: "Wir werden Dirk ständig foulen"

Duncan: Wir werden ihn ständig foulen. Nein, wir werfen schon ein Auge auf ihn. Dummerweise ist die Drei-Punkte-Linie hier noch näher am Korb als in der NBA. Da trifft er noch mehr Dreier.

SPIEGEL ONLINE: Sind die Unterschiede zwischen den Regeln der NBA und denen des Weltverbands Fiba für Sie ein Problem?

Duncan: Unsere Gegner spielen das ganze Jahr, manchmal das ganze Leben nach den Fiba-Regeln. Wir müssen uns schon darauf einstellen. Auch deshalb machen unsere sechs Olympia-Vorbereitungsspiele Sinn. Andererseits: Basketball ist Basketball. Für mich ist es aber immer wieder eine unterhaltsame Erfahrung, in einer Halle zu spielen, wo alle Zuschauer deinen Gegner anfeuern.

SPIEGEL ONLINE: Vor den Olympischen Spielen war in Europa die Tour de France das große Thema. Hat man in den USA den Sieg von Lance Armstrong wahrgenommen?

Duncan: Doch, ja. Armstrong ist ein großartiger Athlet, ein Inspirator für alle möglichen Leute. Es war sein sechster Sieg in Folge. Oder der fünfte? Nein, der sechste. Es ist Wahnsinn, was er nach seiner schweren Krankheit erreicht hat.

SPIEGEL ONLINE: Nach den Olympischen Spielen haben sie endlich Sommerpause. Was macht Tim Duncan in seiner Freizeit?

Begehrter Duncan: "Ich bin einfach gerne zu Hause"
AP

Begehrter Duncan: "Ich bin einfach gerne zu Hause"

Duncan: Hmmh, ich bin so ein "Viel-Nichtstuer". Ich bin einfach gerne zu Hause, genieße die freie Zeit und mag Videospiele.

Duncans Ehefrau, die beim Interview in der Bibliothek des vornehmen Schlosshotels Bensberg zugegen ist, mischt sich an dieser Stelle in das Gespräch ein.

Amy Duncan: Tims Lieblingsplatz ist sein Bett. Da erholt er sich am besten. Er reist nicht so gerne. Ohne Spiele wie die zwei hier in der KölnArena, würden wir solche schönen Orte gar nicht sehen können.

SPIEGEL ONLINE: Im Spätherbst beginnt die nächste NBA-Saison. Sie waren schon zweimal Meister. Hat man da noch Ziele?

Duncan: Sicher, immer den nächsten Titel. Ich will so viele Titel wie möglich gewinnen. Das ist immer das Ziel.

SPIEGEL ONLINE: Wer sind Ihre Liga-Favoriten?

Duncan: Die üblichen Verdächtigen. Im Osten Meister Detroit, Indiana und Miami mit Shaquille O'Neal. Im Westen Minnesota, Houston, Phoenix, Denver, die Lakers und hoffentlich auch wir.

Die Fragen stellte Thorsten Schabelon



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