Umstrittene Äußerungen zu Homosexuellen IOC prüft Issinbajewas Rolle als Botschafterin

Eignet sich Jelena Issinbajewa nach ihren umstrittenen Aussagen zum russischen Anti-Homosexuellen-Gesetz noch als IOC-Botschafterin? Präsident Jacques Rogge ist sich offenbar nicht mehr sicher. Er will prüfen, ob die russische Stabhochspringerin weiter auf dem Posten bleiben kann.
Stabhochspringerin Issinbajewa: "Traditionelles Volk"

Stabhochspringerin Issinbajewa: "Traditionelles Volk"

Foto: Michael Kappeler/ dpa

Hamburg - Stabhochsprung-Weltmeisterin Jelena Issinbajewa muss wegen ihrer Unterstützung des russischen Anti-Homosexuellen-Gesetzes offenbar Ärger mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) fürchten. Auf die Frage, ob die 31 Jahre alte Russin nach ihren umstrittenen Äußerungen über Schwule und Lesben weiter Botschafterin der Olympischen Jugendspiele sein könne, antwortete der scheidende IOC-Präsident Jacques Rogge während einer Presskonferenz in Buenos Aires: "Wir werden das zu gegebener Zeit prüfen."

Das von Russlands Präsident Wladimir Putin unterzeichnete Gesetz stellt seit Juni in Russland die Weitergabe von Informationen über Homosexualität an Minderjährige unter Strafe.

Issinbajewa, die als Bürgermeisterin des Olympischen Dorfes der Winterspiele im kommenden Jahr in Sotschi vorgesehen ist, war nach ihrem WM-Triumph in Moskau für das fragwürdige Gesetz eingetreten. Sie fürchte um die Zukunft ihres Landes, sollte das umstrittene Dekret keine Anwendung finden. "Wenn wir all diese Dinge auf unseren Straßen zulassen, würden wir Angst um unsere Nation haben", hatte sie gesagt. "Wir verstehen uns als traditionelles Volk. Männer sollten Frauen lieben und umgekehrt. Dies ergibt sich aus der Geschichte."

Protestaktionen gegen das Gesetz nannte Issinbajewa "nicht respektvoll gegenüber unseren Menschen und Sportlern". Später relativierte sie unter dem Eindruck heftiger Kritik ihre Aussagen.

Das IOC selbst verteidigte auf der Exekutivsitzung in Buenos Aires erneut seine Zurückhaltung in Bezug auf das Gesetz. "Man kann vom IOC nicht erwarten, dass es in die Gesetzgebung eines souveränen Staates eingreift", sagte Rogge. Die Regierung in Moskau habe zudem versichert, das Gesetz habe keine negativen Auswirkungen für die Teilnehmer der Olympischen Winterspiele in Sotschi.

psk/sid