IOC-Bilanz der Spiele von Rio Bachs Blütenträume

Die Spiele von Rio sollten ein einziges großes Fest werden. Stattdessen haben sie die Krise der olympischen Bewegung und des IOC eher noch verschärft. Korruption und Doping bleiben die großen Themen.

IOC-Präsident Thomas Bach
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IOC-Präsident Thomas Bach

Aus Rio de Janeiro berichtet


Am Ende dieser zwei Wochen von Rio de Janeiro malte Thomas Bach das Bild von Olympischen Spielen, die "wichtige, ikonische Spiele" gewesen seien. Die Spiele würden "ein großartiges Erbe" hinterlassen, sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in seiner Abschlussbewertung. Diese Ansicht hatte er relativ exklusiv.

Die Wahrheit ist: Das Wasser steht dem Chef des Olympiakonzerns bis zum Hals. Einer seiner wichtigsten Unterstützer, der Ire Patrick Hickey, dem Schwarzmarkthandel und die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen werden, wurde inzwischen in ein brasilianisches Hochsicherheitsgefängnis gebracht. Dort sitzen eigentlich Schwerstkriminelle ein, denen das IOC-Exekutivmitglied Hickey, Irlands NOK-Präsident und Boss aller europäischen Olympiakomitees, nun Gesellschaft leistet.

Polizeivideo: IOC-Mann Hickey im Morgenmantel abgeführt

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Die brasilianische Justiz demonstriert Härte gegen die olympischen Konquistadoren. Derartige Konsequenz hat bei den kriminalistischen Ermittlungen im Reich des Fußball-Weltverbandes Fifa schon viele hochrangige Offizielle zu Geständnissen und hochbrisanten Aussagen gebracht.

Bach behauptet, die Spiele kosteten den Steuerzahler nichts

Die Affäre Hickey könnte die IOC-Führung um Thomas Bach, die beinahe den Eindruck erweckt, als kenne man den Iren schon gar nicht mehr, noch stärker in Bedrängnis bringen. Der Fall passt ins Bild dieser Spiele. Und stimmt so gar nicht mit dem Eindruck überein, wie Bach die Show von Rio beurteilt.

Verhaftetes IOC-Mitglied Patrick Hickey, IOC-Boss Thomas Bach
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Verhaftetes IOC-Mitglied Patrick Hickey, IOC-Boss Thomas Bach

Wenn der IOC-Boss nun in seinem Olympia-Fazit behauptet, die Spiele kosteten den Steuerzahler gar nichts, bezieht er sich lediglich auf den reinen Organisationsetat, der nur einen Bruchteil der gigantischen Kosten von insgesamt etwa 20 Milliarden Dollar umfasst. Der Etat enthält auch nicht die Sicherheitskosten, die angeblich rund zwei Milliarden Dollar betragen und vom brasilianischen Staat aufgebracht werden.

Einer der bekanntesten brasilianischen Investigativreporter, Jamil Chade von der Folha de Sao Paulo, der rund um die Fußball-Mafia und die Spiele in Rio viele Affären ans Tageslicht brachte, sagt zahlreiche Korruptionsprozesse voraus. Beim Generalstaatsanwalt häufen sich die Aktenberge zur Olympia-Korruption, das wird auch das IOC-Mitglied Carlos Arthur Nuzman, Chef des Organisationskomitees und des brasilianischen NOK, in Bedrängnis bringen.

Nachwirkungen werden noch Jahre spürbar sein

Die Sommerspiele von Rio werden daher mit dem Verlöschen der olympischen Flamme in der Nacht längst nicht beendet sein. Sie werden sogar acht oder gar zwölf Jahre dauern. Allein das Dopingthema wird die Spiele überdauern. Noch in einem Jahrzehnt dürften Ergebnislisten von Rio umgeschrieben, Medaillen wegen nachträglich erwiesenen Dopings aberkannt und neue Olympiasieger benannt werden. So läuft das immer. So wurden, Beispiel, erst kurz vor den Olympischen Spielen 2012 in London mit den letzten Sportrechtsprozessen die Spiele 2000 von Sydney beendet. Auch das gehört zu dem "großartigen Erbe" dieser Spiele.

Olympische Spiele sind in der Existenzkrise, das ist nicht neu, durch Rio aber nochmals ganz deutlich geworden. Und das IOC sucht statt nach transparenten und demokratischen Wegen vielmehr weiterhin Unterstützung bei denen, die das Geld geben. Russland, China, Aserbaidschan, Katar sind seit Jahren die dominanten Konstanten - daran ändert auch die Verbannung zahlreicher russischer Sportler von diesen Spielen nichts.

Und der Sport? Olympische Spiele müssten eigentlich Spiele der Athleten sein, so wie es Bach stets behauptet. Die Realität sieht anders aus. Die Spiele von Rio waren keine Spiele der Athleten, denn dass vielen Sportlern hier keine optimalen Bedingungen geboten würden, war abzusehen und ist von Sportlern auch deutlich benannt worden.

DOSB-Chef Alfons Hörmann, Vorstandsvorsitzender Michael Vesper
DPA

DOSB-Chef Alfons Hörmann, Vorstandsvorsitzender Michael Vesper

Im Gastgeberland dienten diese Spiele vor allem der reichen Oberschicht, die sich mit ihren Firmen um Olympia-Aufträge balgte, und den Cartolas, wie die korrupte Kaste der Sportfunktionäre genannt wird. Die dafür Verantwortlichen sitzen im IOC, in den 28 olympischen Weltverbänden des Sommersports und im Organisationskomitee ROCOG - und diese maßen sich weiter an, für Sportler zu sprechen.

Vom DOSB ist in dieser Hinsicht wenig zu hören gewesen. Über die unverbrüchliche Treue, die DOSB-Präsident Alfons Hörmann und der Vorstandsvorsitzende Michael Vesper Bach entgegenbringen, wird wohl weiter diskutiert werden - und ob diese Haltung wirklich im Sinne der deutschen Sportler ist. Eine deutlichere Reaktion der DOSB-Spitze zu den IOC-Beschlüssen, Russland trotz des Staatsdopings nicht komplett auszuschließen, hätte man sich gewünscht.

Derweil fürchtet im amerikanischen Exil Julia Stepanowa um ihr Leben und die Rache aus Russland. Ohne die Enthüllungen der Whistleblowerin Stepanowa hätte die Welt wenig belastbare Kenntnis erlangt vom einem Staatsdopingsystem, das Tausende Olympiasportler anderer Nationen betrogen hat.

So enden die Rio-Spiele (vorerst, denn die juristische Aufarbeitung geht ja weiter) mit einem Akt, der besser als alles andere die Verlogenheit und Unglaubwürdigkeit der Branche demonstriert: Auf der Schlussfeier wird Stabhochsprung-Weltrekordlerin Jelena Isinbajewa aus Russland, vom Leichtathletik-Weltverband IAAF nicht für Olympia zugelassen, den olympischen Eid als neues IOC-Mitglied sprechen.

Meinungskompass
insgesamt 142 Beiträge
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Seite 1
dfkbs 21.08.2016
1. Und wie einmal....
...bestätigt sich ein altes Sprichwort: "Der Fisch stinkt vom Kopf"... Gell, Herr Bach???
jeff123 21.08.2016
2. Spiegel unserer Zeit
Leider schaffen es Funktionäre, Politiker und sonstige Despoten uns das Gefühl zu geben dass die Korruption, das Lügen und Betrügen ja gar nicht so schlimm sind, ja gar fast normal. Und wir als normales Volk fangen das an zu glauben. Wir, d.h. die noch an klassische Werte glauben, haben es aber auch nicht besser verdient weil wir alle nicht mehr die Energie aufbringen dagegen etwas zu tun, auf die Straße zu gehen bzw. solche Menschen aus ihren Aemtern zu wählen.
lima12666 21.08.2016
3. Bravo Herr Bach
sie haben es wieder einmal geschafft, die Wahrheit zu vernebeln und ihre eigene Wahrheit zu verbreiten. Dabei hätten sie der Welt auch erzählen können, die Erde sei eine Scheibe. Für wie blöd halten sie die Leute eigentlich. In Rio werden die Menschen nicht mehr mit den notwendigen medizinischen Leistungen versorgt, die Stadt hat Schulden die sie aus eigener Kraft nicht mehr abbauen kann und Herr Bach erzählt, die Spiele wurden nicht mit Staatsgeldern finanziert. Das IOC hat 800 Mio Dollar Vermögen, damit kann man die Menschen in Rio theoretisch versorgen. Aber dann muss Herr Bach ja auf seine "ehrenamtlichen 200.000 Dollar verzichten. Ich glaube, Herr Lochte hat "glaubwürdiger" gelogen.
jojack 21.08.2016
4. Transparenz und Demokratie
Gerade der demokratische Westen müsste auf mehr Transparenz und mehr Demokratie beim IOC pochen. Doch man spielt lieber mit und tut offiziell so, als wüsste man nicht um die Zustände beim IOC. Am Ende sind Olympische Spiele auch hierzulande ein beliebtes Prestigeobjekt. Dabei sollte sich inzwischen eines herumgesprochen haben: Überall dort, wo die Bevölkerung über Olympia abstimmen darf, da winkt das Wahlvolk dankend ab. Siehe Hamburg, siehe Garmisch, siehe Oslo. Die mit Olympia regelmäßig einhergehende Kostenexplosion, die grassierende Korruption, der Kommerz und die fehlende wirtschaftliche Nachhaltigkeit sind dem mündigen Bürger wichtiger als 14 Tage vergängliche Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit.
taglöhner 21.08.2016
5. Würgreflex
Hat Bach eigentlich einen Diplomatenpass :)? Dass diese homophobe Putinistin den Eid spricht, ist nur konsequent.
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