Sommerspiele 2020 IOC verbannt Ringen aus dem Olympia-Programm

Böse Überraschung für die Ringer: Die olympische Kernsportart soll 2020 aus dem Programm der Sommerspiele verschwinden, das hat das IOC beschlossen. Ein anderer Wackelkandidat soll dagegen weiter zum olympischen Programm gehören.
Olympisches Ringerturnier von London: Sportart soll 2020 aus dem Programm verschwinden

Olympisches Ringerturnier von London: Sportart soll 2020 aus dem Programm verschwinden

Foto: Orestis Panagiotou/ dpa

Hamburg - Olympia-Aus für das Ringen: Die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat die klassische Sportart am Dienstag überraschend aus dem Programm für die Sommerspiele 2020 gestrichen. Dies hat das IOC in Lausanne bestätigt. Dafür soll der Moderne Fünfkampf im Programm bleiben. Die Entscheidung muss von der IOC-Vollversammlung im September in Buenos Aires noch bestätigt werden. Dieser Schritt gilt aber als reine Formalie.

Ringen gehört zu den olympischen Kernsportarten. Es war schon bei den antiken Spielen Teil des Programms. Seit 1896 war Ringen Bestandteil aller Sommerspiele der Neuzeit.

Das IOC begründete seine Entscheidung mit den niedrigen Werten, die das Ringen bei einer detaillierten Analyse aller 26 olympischen Sommersportarten bekam. Dabei hatte die Programm-Kommission des IOC insgesamt 39 Kriterien wie TV-Quoten, Zuschauerzahlen, Ticketverkäufe, Verbreitung, Mitgliederzahlen und Attraktivität bei Jugendlichen untersucht.

Passarelli zeigt sich bestürzt vom IOC

"Das ist fatal für uns", reagierte Manfred Werner, Präsident des Deutschen Ringer-Bundes (DRB): "Es hat keinerlei Vorzeichen von Seiten des Weltverbandes gegeben." Bundestrainer Michael Carl nahm die Streichung mit großer Verwunderung aufgenommen. "Das hat mich sehr überrascht. Es gab zwar in den letzten Jahren immer wieder Gerüchte darüber, aber ich bin erstaunt, dass es jetzt so schnell gegangen ist. Wir müssen jetzt in Ruhe analysieren, wie es dazu gekommen ist", sagte der 33-Jährige.

Auch der Olympiasieger von 1984, Pasquale Passarelli, nahm die Entscheidung mit Bestürzung entgegen: "Das ist traurig. Es ist eine der ältesten Sportarten", sagte der 55-Jährige. Passarelli blieb mit seiner "90-Sekunden-Brücke" im Finale der Sommerspiele von 1984 unvergessen. So lange hielt er im Endkampf der Klasse bis 57 Kilogramm in der Ringer-Brücke den Angriffen des Japaners Masaki Eto stand und gewann am Ende die Goldmedaille.

344 Ringer und Ringerinnen waren bei den London-Spielen am Start. Dabei wurden im Freistil in elf Gewichtsklassen Medaillen verteilt, im griechisch-römischen Stil gab es in sieben Gewichtsklassen Entscheidungen.

Ringen kann sich auf der Vollversammlung in Buenos Aires mit den sieben olympischen Ersatzkandidaten (Baseball/Softball, Klettern, Karate, Rollschuhsport, Squash, Wakeboarden, Wushu) wenigstens dem Votum stellen - aber kaum mit einer unmittelbaren Wiederaufnahme ins Programm rechnen.

IOC-Präsident Jacques Rogge hatte bereits zweimal vergeblich versucht, sein Premium-Produkt Olympia auch auf Kosten des Modernen Fünfkampfes zu modernisieren, bei seinen Reformvorstößen auf der Session 2002 in Mexiko-Stadt und 2005 in Singapur aber jeweils empfindliche Niederlagen erlitten.

Und auch dieses Mal retteten die Modernisierungsmaßnahmen des deutschen Weltverbandspräsidenten Klaus Schormann die Mehrkämpfer vor dem prophezeiten Ausschluss. Mit einem offenen Brief hatte Schormann an die olympische Familie appelliert, das Vermächtnis von Pierre de Coubertin nicht zu zerstören, der den Modernen Fünfkampf stets als Inbegriff des Olympismus bezeichnet hatte. Jetzt hat es das Ringen erwischt - eine der klassischen Sportarten der Antike.

aha/sid/dpa
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