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IOC-Präsidentenwahl: Thomas Bach und seine Konkurrenten

Foto: A2800 epa How Hwee Young/ dpa

IOC-Kandidaten im Schnellcheck Weltrekordler, Milliardär, Staranwalt

DOSB-Boss Thomas Bach wird bei der Wahl des neuen IOC-Präsidenten an diesem Dienstag als Favorit gehandelt. Doch wer könnte dem Deutschen noch gefährlich werden? Das sind die fünf Gegenkandidaten von Bach.

Hamburg - Eigentlich gilt es als ausgemachte Sache, dass Thomas Bach am frühen Dienstagabend, um 17.30 Uhr MESZ, zum neunten Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gekürt wird. Er wäre in der 119-jährigen Geschichte des IOC der erste Deutsche, der an der Spitze des Weltsports stünde.

Der Fecht-Olympiasieger Bach geht als Favorit ins Rennen - doch wer sind die anderen Kandidaten? SPIEGEL ONLINE stellt sie im Schnellcheck vor.

Richard Carrión, 60, Puerto Rico

Banker Carrión: Schatzmeister des IOC

Banker Carrión: Schatzmeister des IOC

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Carrión und das IOC: Mitglied seit 1990; von 1999 bis 2001 Vize-Finanzchef des IOC, seit 2002 Finanzchef; war an der Koordination der Olympischen Spiele 1996 in Atlanta beteiligt, koordiniert die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro.

Berufliche Karriere: Besitzt einen Master-Abschluss im Management von Informationssystemen vom Massachusetts Institute of Technology; saß im Vorstand diverser Banken, zog zuletzt ins Direktorium der New Yorker Notenbank ein.

Weitere Tätigkeiten: Ist seit 2007 im Basketball-Weltverband aktiv, dort ebenfalls in der Finanzabteilung; spielte selbst früher Racquetball und war Gewichtheber.

Prognose: Könnte Bach am gefährlichsten werden. Gilt als ausgezeichnet vernetzt und kann zudem gut mit großen Geldsummen umgehen; vermehrte den IOC-Schatz in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches; will im Fall einer Wahl die IOC-Strukturen verbessern und die Kosten von Olympischen Spielen reduzieren; gilt als enger Vertrauter von Noch-IOC-Präsident Jacques Rogge.

Sergej Bubka, 49, Ukraine

Stabhochspringer Bubka: Amtierender Weltkekordler

Stabhochspringer Bubka: Amtierender Weltkekordler

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Bubka und das IOC: Mitglied seit 2000, zunächst noch als Athleten-Repräsentant, seit 2004 leitet er das ukrainische NOK; erst Mitglied (1996 bis 2002), dann Vorsitzender (2002 bis 2008), dann Ehrenmitglied der Athleten-Kommission; Koordination diverser Olympischer Spiele, unter anderem 2008 in Peking und 2016 in Rio de Janeiro; unterstützt die Bewerbung von Lemberg/Lwiw für die Winterspiele 2022.

Berufliche Karriere: Weltrekordhalter im Stabhochsprung (6,15 Meter), mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger; Doktortitel in Pädagogik; Mitglied des ukrainischen Parlaments, Kabinettsmitglied, Berater des Präsidenten; leitete eine Bank und machte viel Geld mit Großbäckereien; möchte zudem Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF werden.

Weitere Aktivitäten: Diverse Organisationstätigkeiten im nationalen und internationalen Leichtathletikverband.

Prognose: Ist der jüngste Bewerber um das Präsidentenamt, galt lange Zeit als wenig aussichtsreich, offenbar haben sich seine Chancen aber wieder etwas verbessert; besitzt enge Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin. Tendenz: noch nicht reif.

Ng Ser Miang, 64, Singapur

IOC-Vize Ser Miang: Setzt auf die Jugend

IOC-Vize Ser Miang: Setzt auf die Jugend

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Ser Miang und das IOC: Mitglied seit 1998, seit 2009 Vizepräsident; Koordination der Olympischen Spiele 2008 in Peking, 2012 in London, Evaluation der London-Spiele; Vorsitzender der 123. IOC-Session.

Berufliche Karriere: Bachelor in Business Administration der Universität von Singapur; Singapur-Diplomat für Ungarn (seit 2000) und Norwegen (seit 2001), Mitglied des Parlaments; Präsident der nationalen Automobil-Vereinigung Singapurs (1988 bis 1996); verkaufte ein Busunternehmen an den Staat und wurde damit reich; Chef einer großen Supermarktkette.

Weitere Tätigkeiten: Passionierter Segler, Taucher, Golfer, Skifahrer, Tennisspieler, Schwimmer und Tai-Chi-Kämpfer; nahm an etlichen internationalen Segelregatten teil; engagiert sich seit 1991 in diversen nationalen und internationalen Sportverbänden, organisierte die Weltjugendspiele 2010 in Singapur.

Prognose: Gilt als besonders diplomatisch, ist vielen aber zu glatt; hat sich im Wahlkampf auf die Jugend fokussiert; teilt mit Rogge dessen Segelleidenschaft. Allenfalls Außenseiterchancen.

Denis Oswald, 66, Schweiz

Ex-Ruderer Oswald: Kampf der Korruption

Ex-Ruderer Oswald: Kampf der Korruption

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Oswald und das IOC: IOC-Mitglied seit 1991; Chefkoordinator der Olympischen Spiele 2004 in Athen und 2012 in London; Koordination etlicher weiterer Olympischer Spiele.

Berufliche Karriere: Jurastudium in Neuchâtel, Zürich und Cambridge, Anwaltszulassung, Promotion; freier Anwalt in Neuchâtel (1990 bis 1993); Richter am internationalen Sportgericht Cas; Professur an der Universität Neuchâtel.

Weitere Tätigkeiten: Ruderer, Eishockeyspieler, Radfahrer, Läufer, Skifahrer; Mitglied des Schweizer Ruderteams (1986 bis 1976), 13facher nationaler Meister, Teilnehmer an den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko City (Bronzemedaille) und Montreal 1976 (8.); Präsident des Internationalen Ruderverbands (seit 1989), Generalsekretär des Schweizer NOKs (1985 bis 1996).

Prognose: War als Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur im Gespräch, lehnte wegen der IOC-Kandidatur ab; erfahrener Sportpolitiker und angesehener Jurist; griff Bach im Wahlkampf scharf an; will im unwahrscheinlichen Fall seiner Wahl gegen Korruption kämpfen und die Disziplinen innerhalb der einzelnen Sportarten verringern. Chancen: Sieht er selbst kaum.

Wu Ching-Kuo, 66, Taiwan

Taiwanese Ching-Kuo: Will Neues schaffen

Taiwanese Ching-Kuo: Will Neues schaffen

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Ching-Kuo und das IOC: Mitglied seit 1998, sitzt seit dem vergangenen Jahr im Exekutivausschuss; über die Jahre Mitglied diverser olympischer Kommissionen, unter anderem Koordination der Olympischen Winterspiele 1998 in Nagano, der Sommerspiele 2008 in Peking und 2016 in Rio.

Berufliche Karriere: Studierte Architektur in Taiwan, Oxford und Liverpool; Vorsitzender etlicher Sportorganisationen; Ehrenprofessuren an vier chinesischen Universitäten und am armenischen Staatsinstitut "of Physical Culture and the Professionals of Boxing".

Weitere Tätigkeiten: Basketball-, Squash- und Tennisspieler, Schwimmer, Golfer; übernahm 2006 die Präsidentschaft des Weltboxverbandes (Aiba), geriet wegen der Manipulation von Kampfrichter-Urteilen in den Fokus von Ermittlungen; bis heute im Aiba-Vorstand. Sammelt Briefmarken.

Prognose: Wohl der Kandidat mit den geringsten Chancen; hat sich von der Aiba-Korruptionsaffäre nie ganz erholt; möchte für den Fall seiner Wahl die Anzahl der IOC-Mitglieder auf 130 erhöhen, das Alterslimit auf 75 Jahre anheben.

Thomas Bach, 59, Deutschland

Favorit Bach: Enge Verbindungen nach Asien

Favorit Bach: Enge Verbindungen nach Asien

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Bach und das IOC: Wurde 1991 Mitglied, gehört seit rund 17 Jahren mit einer turnusmäßigen Pause fast ausschließlich dem Exekutivkomitee an; stieg unter Ex-Präsident Juan Antonio Samaranch zu dessen Vize auf.

Berufliche Karriere: Studium des Rechts und der Politik an der Universität Würzburg, Doktorgrad; Wirtschaftsanwalt; Berater von Siemens; sitzt der deutsch-arabischen Vereinigung Ghorfa vor; ist Aufsichtsratchef der Weinig AG.

Weitere Tätigkeiten: Fußball- und Tennisspieler, Florettfechter, Fecht-Olympiasieger 1976 mit der Mannschaft, Weltmeister 1976 und 1977; deutscher Athletensprecher, Mitglied im Organisationskomitee der Fußball-WM 2006; seit 2006 Präsident des DOSB.

Prognose: Der Favorit. Kennt Rogge und die Abläufe im Komitee gut; wird seit mehr als zehn Jahren vom einflussreichen kuwaitischen Scheich Ahmad al-Sabah unterstützt; arbeitet (heimlich) seit Jahren auf das Amt hin; ist vernetzt wie kaum einer, vor allem in den arabischen Raum.

Der IOC-Wahlmodus

Die Wahl beginnt am Dienstag, 10. September, um 11 Uhr Ortszeit Buenos Aires (16 Uhr MESZ) mit elektronischen Wahlgeräten. Gewählt wird so lange, bis einer der sechs Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereint. Nach jedem Wahlgang scheidet der Bewerber mit der geringsten Stimmenzahl aus. Von den 103 stimmberechtigten IOC-Mitgliedern sind zwei nicht in Argentinien. Zudem dürfen die Landsleute eines Kandidaten so lange nicht mit abstimmen, bis dieser ausgeschieden ist. Das Ergebnis wird gegen 17.30 Uhr MESZ erwartet.

psk
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