IOC-Urteil Rekord-Geldstrafe für Österreich, aber Olympia-Teilnahme nicht in Gefahr

Das Internationale Olympische Komitee hat Österreich zu einer Geldstrafe in Höhe von einer Million Dollar verurteilt. Auf einen Ausschluss von den Winterspielen 2010 in Vancouver wurde verzichtet. Die Konsequenzen für Salzburgs Bewerbung um die Spiele 2014 sind allerdings nicht absehbar.


Hamburg - Österreich muss wegen des Dopingskandals bei den Winterspielen in Turin 2006 eine Geldstrafe in Höhe von einer Million Dollar bezahlen. Der Beschluss der IOC-Exekutive wurde heute offiziell verkündet. Das Strafgeld soll komplett in den Antidoping-Kampf des IOC fließen. Vor einem Monat waren bereits sechs Biathleten und Langläufer der Alpenrepublik lebenslang von Olympia ausgeschlossen worden. Zudem verlangt das IOC die komplette Aufarbeitung des Falles und daraus resultierende Strukturveränderungen im ÖOC bis zum 30. Juni 2008. Das ÖOC muss ferner alle IOC-Beschlüsse vollständig umsetzen, besonders jene in Verbindung mit der Nichtzulassung bestimmter Personen für künftige Olympische Spiele.

Mayer: Auslöser des Skandals
EPA/DPA

Mayer: Auslöser des Skandals

Das Verfahren ist mit der heutigen Entscheidung aber noch nicht abgeschlossen. Gegen mehrere Funktionäre des Turin-Aufgebotes wird weiter ermittelt, ebenso gegen den bereits von Olympia verbannten früheren Trainer Walter Mayer, dessen Aufenthalt im Ausweichquartier der Österreicher den Skandal ausgelöst hatte. Ein Ausschluss Österreichs von den nächsten Winterspielen 2010 in Vancouver habe nicht zur Debatte gestanden, sagte IOC-Vize Thomas Bach: "Eine Sippenhaft hätte vor allem unschuldige Sportler getroffen, das aber darf nicht sein." Offen bleibt, wie weit das Urteil die Chancen Salzburgs für die Winterspiele 2014 beeinträchtigt, die am 4. Juli in Guatemala City vergeben werden. Er glaube persönlich nicht an einen Negativeffekt, so Bach: "Wir gehen davon aus, dass das ÖOC die richtigen Schlüsse aus der Entscheidung zieht, die in ihrer Deutlichkeit ja für sich selber spricht."

ÖOC-Präsident Leo Wallner machte den Österreichischen Skiverband (ÖSV) wegen schwerwiegendem Fehlverhalten als Hauptschuldigen für die Affäre aus und fordert seinerseits vom Verband eine Million Dollar "für strafweise entgangene Unterstützung durch das IOC". Zudem sprach sich Wallner in einer ersten Reaktion für den Olympia-Ausschluss aller Turin-Betreuer des ÖSV-Langlauf- und Biathlonteams aus. "Der ÖSV hat den Ausschluss des ÖOC, und damit aller Athletinnen und Athleten, von den Sommerspielen 2008 und den Olympischen Winterspielen 2010 beinahe heraufbeschworen", erklärte Wallner.

Der ÖSV habe nach der "Blutbeutel-Affäre" um Mayer in Salt Lake City 2002 keine Lehren gezogen und "keine ausreichenden, zielführenden Maßnahmen" getroffen. Dies habe dazu geführt, dass in Turin durch teilweise dieselben Personen gegen die Olympische Charta sowie die Anti-Doping-Regularien verstoßen wurde. In der Kritik steht vor allem ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, der zugleich Vizepräsident des ÖOC ist. Die IOC-Forderung nach personellen Konsequenzen im ÖOC zielt offenbar auf dessen Entlassung hin. Am 29. Mai wird der ÖOC-Vorstand in einer Dringlichkeitssitzung über Maßnahmen entscheiden.

Das IOC verhängte erst zum zweiten Mal in der Geschichte eine Sanktion wegen Dopings. Zuvor war dem NOK Weißrusslands 2002 vom IOC die finanzielle Unterstützung in ungenannter Höhe gestrichen worden, weil sich eine Athletin in Salt Lake City einer Dopingkontrolle entzogen hatte.

fs/sid/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.