Olympia IOC vertagt Entscheidung über Ausschluss Russlands

Noch kein Olympia-Ausschluss: Das IOC hat nach den Enthüllungen über russisches Staatsdoping noch nicht entschieden, ob die Sportler des Landes an den Spielen von Rio teilnehmen dürfen.

IOC-Präsident Thomas Bach (l.) und Russlands Staatspräsident Wladimir Putin
AP

IOC-Präsident Thomas Bach (l.) und Russlands Staatspräsident Wladimir Putin


Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will noch nicht entscheiden, ob russische Sportler an den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro teilnehmen dürfen. Einen Tag nach der Veröffentlichung des Berichts des Sonderermittlers der Welt-Antidoping-Agentur (Wada), Richard McLaren, vertagte das IOC entsprechende Maßnahmen, bis der Sportgerichtshof Cas über eine Berufung gegen den bereits erfolgten Ausschluss der russischen Leichtathleten entschieden hat.

McLaren hatte von einem vom russischen Sportministerium und dem Inlandsgeheimdienst FSB gedeckten System der Verschleierung positiver Dopingproben rund um die Winterspiele von Sotschi 2014 berichtet. Mehr als 600 positive Dopingproben sollen gegen unbedenkliche Proben ausgetauscht worden sein, um die flächendeckende Einnahme verbotener Mittel zur Leistungssteigerung zu vertuschen.

Das IOC hatte in einer ersten Stellungnahme "die härtestmöglichen Sanktionen gegen Einzelpersonen oder Organisationen" angekündigt. Nach einer Telefonkonferenz der 15-köpfigen IOC-Exekutive am Dienstag gab das Komitee aber bekannt, zunächst die Entscheidung des Cas abwarten zu wollen, die bis spätestens Donnerstag erwartet wird. In dieser geht es allerdings nur um die Leichtathletik, in der die Sperre durch den Weltverband IAAF bereits ausgesprochen wurde, und nicht um die Erkenntnisse des McLaren-Berichts.

Das IOC beschloss stattdessen einige "Sofortmaßnahmen". Neben der Einrichtung einer Disziplinarkommission, die sich mit den Vorfällen beschäftigen soll, wirken der vorläufige Verzicht auf IOC-Veranstaltungen in Russland und ein Stopp der Planungen für die Europaspiele 2019 aber eher symbolisch. Dafür sollen laut IOC nun alle russischen Medaillengewinner von Sotschi erneut getestet werden.

"In Hinblick auf die Beteiligung der russischen Athleten bei den Spielen 2016 in Rio wird das IOC sorgfältig den Wada-Bericht bewerten. Es wird die rechtlichen Möglichkeiten mit Blick auf ein kollektives Verbot aller russischen Athleten für die Olympischen Spiele 2016 gegenüber dem Recht auf individuelle Gerechtigkeit abwägen", hieß es in der Mitteilung.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann lobte das behutsame Vorgehen des IOC. "Ich denke, es ist eine kluge Entscheidung, abzuwarten, wie die Dinge am Donnerstag vor dem Cas dargestellt werden", sagte Hörmann bei Sky Sport News HD: "Es geht nicht um eine schnelle Entscheidung, sondern eine bestmögliche. Es geht nicht nur um Rio, sondern um einen Meilenstein im Anti-Doping-Kampf."

Derweil kritisierte Russlands Sportminister Witali Mutko den Wada-Bericht: "Es verwundert, dass die Wada solche Schlussfolgerungen über ein Land nach nur 57 Tagen Untersuchung zieht", sagte er mit Blick auf den jüngsten Bericht der Organisation. Es sei zudem zu fragen, ob die Wada nicht ihre Kompetenzen überschreite. "Die Wada gibt Einschätzungen ab, fordert Ernennungen und Entlassungen. Das geht schon über den Sport hinaus. Jeder sollte in seiner Nische bleiben", meinte der Minister.

rae/dpa/sid

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insgesamt 29 Beiträge
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vadian 19.07.2016
1. DNA Vergleich
Ob Dopingproben vertauscht wurden, lässt sich ja heutzutage per DNA Vergleich sehr einfach feststellen.
klaus64 19.07.2016
2. Kommerzialisierung des Sports
Zur Kommerzialisierung des Sports, inzwischen fast aller Disziplinen kommt zusätzlich die nationale Komponente besonders bei den Olympischen Spielen hinzu. Um einer Politisierung und einseitige Fokussierung des Themas Doping auf Russland zu entgehen, sollten alle Athleten an den Spielen 2016 teilnehmen dürfen. Die Aufarbeitung des Themas Doping im Sport hat eine weitaus größere Dimension als z.B. Sotchi und Russland. Da die Kontrolleure den Dopingmitteln nur immer "hinterherhinken", wird uns nichts weiter übrigbleiben und die Kontrollen der z.Z. verbotenen Mittel einzustellen oder die weitere Kommerzialisierung stoppen. Beides ist natürlich eine kaum zu bewältigende Aufgabe, vom IOC nicht zu leisten. Was heißt heute sauberer Sport ? Der Sportler kann stimulierende Mittel einnehmen, wenn sie "noch" nicht auf der Liste stehen, bzw. nicht analysiert werden können. Der geschlagene Athlet sagt dann " ich bin sauber", aber eben nur sauber im Rahmen der z.Z. gültigen Kontrolle- das ist für die Zukunft zu wenig.
damalswarallesbesser 19.07.2016
3. Es muss halt alles seine Ordnung haben,
darum werden sich die Ermittlungen wohl bis Ende der olympischen Spiele hinziehen und erst dann Konsequenzen haben. Alles andere geht ja auch gar nicht, dafür steht viel zu viel Geld auf dem Spiel und es könnten Freundschaften auf höchste Ebene zerbrechen. (ist mir übel....) Nach der FIFA jetzt also das IOC?
thomas haupenthal 19.07.2016
4. Der...
...Bach wird es schon richten.Und seinen Freund in Moskau nicht im Stich lassen. In Rio wird man eine russische Mannschaft sehen.Jede Wette.
einleservonspon 19.07.2016
5. Ausschließen! Und bei den paralympischen Sportlern auch mal tiefer graben! !
Es ist einfach nur unfair den ehrlichen Sportlern gegenüber! Und diese sollten sich schämen, für ein Land starten zu wollen, in welchem von oben solch ein Betrug stattfindet! Bzw. sich freuen, wenn sie unter der olympischen Flagge starten dürfen! Wo ist nur die sportliche Fairness geblieben?! Ich habe eine Schwester, die sehr erfolgreiche paralympische Schwimmerin war. In den paralympischen Disziplinen sieht es doch genauso aus! Die haben nur leider keine Lobby, oder warum hört man nichts darüber??
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