NFL-Debütant Johnson Gescheitert, gefördert, gefeiert

Jakob Johnson feierte gerade sein Debüt als Football-Profi. Dabei galt er eigentlich als nicht gut genug für die NFL. Geholfen hat ihm ein vor zwei Jahren aufgelegtes Programm zur Förderung von im Ausland tätigen Spielern.
Jakob Johnson bei seinem NFL-Debüt gegen die New York Jets

Jakob Johnson bei seinem NFL-Debüt gegen die New York Jets

Foto: Adam Glanzman/AFP

Als Kind und Jugendlicher war Jakob Johnson ein sportliches Multitalent: Fußball, Basketball, Handball, Ringen, DLRG-Abzeichen - er hat viel ausprobiert. Dass er dann 2007 zum American Football kam, lag unter anderem daran, dass Johnson zuvor mit dem Fußball aufgehört hatte. Genau gesagt: Er hatte aufhören müssen.

Zu imposante Oberschenkel

Denn bei seinem Verein, dem TSV Sielmingen in Filderstadt, konnten sie in der D-Jugend einfach keine passenden Hosen mehr auftreiben, in die Johnsons imposante Oberschenkel passten. Sie suchten zwar, sie improvisierten, aber sie blieben erfolglos. "Damals gab's keine Größe L für Elf- oder Zwölfjährige. Das sah bei mir immer aus, als würde ich Unterhosen tragen - und das war mir dann irgendwann zu blöd." Johnson, 24, erzählt dies dem SPIEGEL in der Kabine des NFL-Topteams New England Patriots mit einem breiten Lächeln.

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Er ist derzeit ohnehin bestens gelaunt. Denn der Fullback hat ein extrem erfolgreiches Jahr hinter sich, wurde vom Hobby-Spieler in der German Football League zum Profi beim Meister, New England. Diese Entwicklung war vor zwölf Monaten nicht mal ansatzweise zu erwarten gewesen. Wer es in die NFL schaffen will, der muss in die USA. Johnson hingegen flog im Sommer 2018 aus Amerika zurück nach Stuttgart - enttäuscht und frustriert. Sein Traum vom ganz großen Football, soviel stand für ihn fest, war vorbei.

Erfolglos am College

Vier Jahre lang hatte er für die College-Mannschaft der Universität von Tennessee gespielt und die Hoffnung gehabt, es über dieses Schaufenster in die NFL zu schaffen. Dass sich letztlich kein Klub für ihn interessierte, überraschte ihn aber nicht. Von seinen vier Jahren stand er drei als Tight End auf dem Platz - konnte aber fast nichts zur Offensive beitragen: zwölf Partien, drei gefangene Pässe, 23 Yards Raumgewinn. So viel erlaufen andere mit einer einzigen Aktion. "Da habe ich natürlich nicht erwartet, bei irgendjemandem auf dem Radar zu sein", sagt Johnson.

Warum es am College nicht klappte, kann er bis heute nicht so richtig erklären. "Wahrscheinlich", so Johnson, "war ich mental noch nicht weit genug, habe ein paar Fehler gemacht, hatte nicht die richtige Einstellung." Das ist nun anders. Als Patriots-Trainer Bill Belichick und Offensive Coordinator Josh McDaniels auf Johnson angesprochen wurden, priesen sie vor allem dessen "großartige Einstellung." McDaniels beschrieb Johnson als "zähen Kerl", der "all das getan hat, was wir von ihm verlangt haben. Mehr geht nicht."

Per Programm in die NFL

In den vergangenen Tagen haben die Bostoner Medien viel über diesen Johnson berichtet. Darüber, dass er eine deutsche Mutter und einen amerikanischen Vater hat - und über seinen ungewöhnlichen Weg. Johnson kam durch das International Player Pathway Program (IPP) zu den Patriots. Dieses vor zwei Jahren gestartete Konzept soll es Spielern aus dem Ausland ermöglichen, sich unter NFL-Bedingungen zu beweisen. Johnson nennt das IPP "abgesehen vom College den direktesten Pfad für ausländische Spieler in die NFL".

Dieser Pfad führte ihn über ein Probetraining in London zu einem dreimonatigen Trainingscamp nach Florida. Johnson war einer von sieben Akteuren, die an der berühmten IMG-Academy in Bradenton von NFL-Trainern täglich stundenlang auf Haltung, Herz und Hirn getestet wurden. Vier unterschrieben im April NFL-Verträge - so auch Johnson.

Als er vor einer Woche bei New Englands 30:14-Heimsieg gegen die New York Jets erstmals das Patriots-Trikot mit der Rückennummer 47 trug, war dies nicht nur für ihn ein besonderer Moment, sondern auch für die IPP-Architekten. In den vergangenen Jahren hatte es keiner ihrer Spieler (unter anderem Moritz Böhringer) in einen NFL-Kader oder einen Practice Squad geschafft. Alle trainierten mit einem Sonderstatus, der es ihnen ermöglichte, an den täglichen Einheiten teilzunehmen, zugleich aber Pflichtspieleinsätze ausschloss.

Johnson ist nun der erste IPP-Profi, der gleich drei Mauern durchbrach. Zunächst schaffte er es in den Patriots-Practice-Squad, dann in den 53er Spielkader und schließlich sogar aufs Footballfeld. Und es werden weitere Einsätze folgen. Denn New Englands eigentlicher Fullback, James Develin, fällt aufgrund einer Nackenverletzung mindestens bis Mitte November aus.