Jan Ullrich Dopingverdacht ausgeräumt

Weil sich die Vorwürfe als unhaltbar erwiesen, hat der Internationale Radsport-Verband UCI Jan Ullrich vom Dopingverdacht im Zusammenhang mit der Giro-Razzia im Juni 2001 freigesprochen.

Berlin - Über diese Entscheidung informierte am Mittwoch der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) in einer Pressemitteilung, in der der Niederländer Leon Schattenberg, Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission der UCI zitiert wird. "Es handelt sich um kein Doping-Vergehen", erklärte Schattenberg, der auf die Auswertungen der Razzia beim Giro d'Italia am 6. Juni 2001 durch das italienische Nationale Olympische Komitee Coni reagierte.

Kein Handlungsbedarf beim BDR


Bei Ullrich waren kortekoidhaltige Medikamente sichergestellt worden, beim ebenfalls freigesprochenen Telekom-Teamarzt Lothar Heinrich Koffeintabletten. Den Eingang der Akten aus Italien hatte am Dienstag BDR-Vizepräsident Olaf Ludwig als erster bestätigt. Nach eingehender Untersuchung der Liste der in den Hotelzimmern von Ullrich und Heinrich gefundenen Substanzen komme Schattenberg laut BDR zu dem Schluss, dass es keinen Handlungsbedarf gebe. Die UCI habe berücksichtigt, dass Ullrich Asthmatiker sei, dies in seinem Gesundheitspass 2001 vermerkt ist und die gefundenen Substanzen aus medizinischen Gründen zugelassen seien.

Zum "Fall Heinrich" stellte Kollege Schattenberg fest: "In seiner natürlichen Beschaffenheit handelt es sich dabei nicht um ein Dopingmittel: Die Substanz wirkt dopend, wenn sie in einer Menge eingenommen oder verabreicht wird, die die Koffeinkonzentration im Urin 12 mg/ml überschreiten lässt." In geringerem Umfang sei die Einnahme daher zugelassen. "Es handelt sich um kein Dopingvergehen und stellt auch keinen Verstoß gegen das Doping-Kontroll-Reglement dar. Wir sind nicht der Ansicht, dass in diesem Fall ein Verfahren eröffnet werden muss", erklärte der niederländische Mediziner.

Nach über zehn Monaten sei jetzt auch offiziell geklärt, dass die Razzia der italienischen Polizei beim Giro bei Ullrich und Heinrich keinerlei Anhaltspunkte für Verstöße gegen Dopingvorschriften erbracht habe, teilte der deutsche Dachverband mit. Die Akten aus Italien seien vergangene Woche beim BDR eingetroffen und umgehend sowohl der UCI zur Prüfung vorgelegt als auch übersetzt worden.

Ärger über die italienischen Behörden


"Es ist unverständlich, wieso wir diese alten Unterlagen erst jetzt erhalten, von italienischer Seite aber immer wieder der Eindruck erweckt wurde, es gäbe weitere Erkenntnisse", empörte sich BDR-Präsident Sylvia Schenk am Mittwoch. "Auch ein Radprofi hat Anspruch auf zügige Bearbeitung solch schwerwiegender und in der Öffentlichkeit breitgetretener Vorwürfe. Immerhin liegt eine erhebliche Rufschädigung vor, die bei Dr. Heinrich auch seine Seriosität als Arzt betrifft." Der unverzichtbare Kampf gegen Doping dürfe nicht durch "leichtfertigen Umgang mit derartigen Vorwürfen diskreditiert werden".

Die deutsche Übersetzung hätte die Einschätzung bestätigt, dass es sich um die bereits "seit langem bekannten Fakten" handele. Die Angelegenheit sei jetzt erledigt, erklärte der BDR. Giacomo Aiello, der Vorsitzende der Coni-Anti-Doping-Kommission, hatte gegen italienische Profis und Betreuer, gegen die im Zusammenhang mit der Giro-Razzia ermittelt wurde, Sperren bis zu viereinhalb Jahren gefordert. Der italienische Verband sprach die meisten allerdings frei.

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