Japaner bei der Tour Erfolgreiche Exoten aus der Rad-Diaspora

Die Tour de France will neue Märkte erobern. Da passt es, dass in diesem Jahr zwei japanische Fahrer am Start sind. Fumiyuki Beppu und Yukiya Arashiro sind talentiert und frei vom Dopingverdacht - ideale Voraussetzungen, den Straßenradsport in ihrer Heimat endlich populär machen.

Von , Tarbes


Natürlich weiß es auch Kazuyuki Yamaguchi nicht genau. Wer kann in diesen Zeiten schon mit Sicherheit sagen, dieser oder jener Radprofi sei sauber. Aber Yamaguchi, Journalist bei der "Chunichi Sports" aus Tokio, sagt: "Ich glaube, dass sie nicht dopen." Sie, das sind Fumiyuki Beppu, 26, und Yukiya Arashiro, 24, japanische Radprofis, die in diesem Jahr ihr Debüt bei der Tour de France geben.

Japaner Beppu: Neue Märkte erschließen
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Japaner Beppu: Neue Märkte erschließen

Zwei Exoten, aber auch zwei Hoffnungsträger für die Organisatoren der Rundfahrt. Die Tour expandiert, sie will neue Märkte erschließen - mit sauberen und talentierten Fahrern. Die Japaner Beppu und Arashiro passen perfekt in diesen Plan.

Zum einen sind sie noch nie mit Doping in Verbindung gebracht worden - und gleichzeitig haben sie auf dieser Tour schon für Aufsehen gesorgt. Beppu, der für Skil-Shimano fährt, als Achter bei der Etappe nach La Grande-Motte, als er zusammen mit Lance Armstrong Tour-Top-Favorit Alberto Contador abhängte.

Auf dem dritten Teilstück hatte 32 Kilometer vor dem Ziel das komplette US-Team Columbia-HTC angetreten. Nur wenige, unter anderem Armstrong und der Mann in Gelb, Fabian Cancellara, konnten folgen. Die 26-köpfige Spitzengruppe, zu der auch Beppu gehörte, kam mit 39 Sekunden Vorsprung ins Ziel. Arashiro (Bbox Bouygues Telecom) machte als Fünfter bei der Sprintankunft in Brignoles auf sich aufmerksam.

Derlei Erfolge wurden in Japan wie Siege gefeiert. "Der Traum der beiden ist es, in Paris anzukommen", sagt Journalist Yamaguchi. "Jetzt glauben alle Japaner daran." Kisso Kawamuro (1926, 1927) und Daisuke Imanaka (1996) waren daran gescheitert.

Der Plan der Tour-Organisatoren geht auf. In Japan stieg das Interesse am Radsport schon, nachdem bekanntgeworden war, dass Beppu und Arashiro an der Tour de France teilnehmen würden. "Und mit jedem Erfolg wird der Sport noch populärer", sagt Yamaguchi. Drei Fernsehteams sind vor Ort, zehn Fotografen und noch mal so viele schreibende Journalisten. Zwar wird die Frankreich-Rundfahrt seit 1985 im japanischen Fernsehen gezeigt, "aber immer noch nur im Pay-TV", so Yamaguchi.

Ein bisschen erinnert die Situation in Japan an die der Formel 1 in Deutschland in der Vor-Schumacher-Ära. Der Straßenradsport ist auf dem Weg, von einem medialen Nischen- zu einem Premiumprodukt zu werden. Mit Athleten, die von ihren Rennställen nicht mehr aus Marketingerwägungen verpflichtet (wie der Chinese Li Fuyu 2007 von Discovery Channel), sondern nach Leistungskriterien ausgewählt werden. Beppu war immerhin schon Zweiter bei der Tour de Romandie.

Dass der Radsport in Japan irgendwann zu den populärsten Sportarten wie Sumo, Baseball oder Fußball aufschließen kann, ist allerdings illusorisch - aus ganz profanen Gründen. "Bei uns tut die Regierung zu wenig, selbst für Hobbyradler", sagt Yamaguchi. Diese lebten gefährlich. Es gebe nicht genug Radwege, stattdessen zu viele Autos und Verkehrsunfälle. "Und wer als Japaner ein erfolgreicher Radprofi werden will, kann das nicht in Japan. Er muss nach Europa gehen."

"Fumy" Beppu lebt mittlerweile in Frankreich. Nach seinem achten Platz auf der dritten Etappe bedankte er sich in seinem Twitterfeed bei Marseille. Seiner "Heimatstadt".

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Seite 1
Brieli 02.07.2009
1.
Zitat von sysopJubelnde Massen an der Strecke, packende Duelle in den Bergen und Millimeter-Entscheidungen im Sprintfinale - so könnte die Tour '09 aussehen. Oder versinkt die Frankreich-Rundfahrt einmal mehr im Doping-Chaos? Wie ist das Comeback von Lance Armstrong zu bewerten?
Wie üblich. Beides. Ist doch egal, ob ein Doper mehr oder weniger mitfährt.
Parisienne, 02.07.2009
2.
Zitat von sysopJubelnde Massen an der Strecke, packende Duelle in den Bergen und Millimeter-Entscheidungen im Sprintfinale - so könnte die Tour '09 aussehen. Oder versinkt die Frankreich-Rundfahrt einmal mehr im Doping-Chaos? Wie ist das Comeback von Lance Armstrong zu bewerten?
Ach ja, es ist wieder so weit, die Tour de Farce! Allein die Schlamperei der WADA mit dem Sinkewitz-Protokoll zeigt doch, in welch katastrophalem Zustand sich der Radsport noch immer befindet. Dann wurde auch gleich noch Thomas Dekker positiv auf EPO getestet, wunderbar. Wer noch immer daran glaubt, der Radsport könnte in absehbarer Zeit wieder sauber sein, tut mir einfach nur leid. Und Lance Armstrong? Was hat eigentlich Jan Ulrich die nächsten Wochen so vor?
DickBush, 02.07.2009
3. Lance setzt ein gutes Signal an
Auch andere Sportarten sind von der Drogenplagge nicht frei gewesen, im Radsport hat man aber ganz hart und konsequent gehandelt. Die Tour war und ist eine in jedem Bezug tolle Veranstaltung, es ist ein Glücksfall daß sich der große Lance wieder zum Wort gemeldet hat!
a.narchist, 02.07.2009
4. Als Kind die Friedensfahrt, später die Tour der Leiden ...
heute totale Radsport-Abstinenz. Allerdings gucke ich mir auch keine Leichtathletik-Wettbewerbe mehr an und keine ... Der ganze versiffte Kommerz-Sport kann mir gestohlen bleiben. Kälbermast-Mittel für Menschen und für Menschen gedachte Arzeneien den Pferden verabreicht. Olympiasieger - zwei Jahre Sperre - Weltmeister und wieder gedopt, die Karriere von Kugelstoßern. Hammerwerferinnen, die echt "der Hammer" sind und nun der König des Doping wieder auf dem Rad. Wer da noch mitfiebert, sollte einen Arzt aufsuchen oder die eigenen Medikamente absetzen.
Shiraz, 02.07.2009
5.
Zitat von sysopJubelnde Massen an der Strecke, packende Duelle in den Bergen und Millimeter-Entscheidungen im Sprintfinale - so könnte die Tour '09 aussehen. Oder versinkt die Frankreich-Rundfahrt einmal mehr im Doping-Chaos? Wie ist das Comeback von Lance Armstrong zu bewerten?
Hihi, alle Jahre wieder:-) Verseucht, verlogen, versaut. Schau ich mir nicht mehr an.
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