Segel-Regatta Deutscher triumphiert beim Solidaire du Chocolat

Jörg Riechers hat Segel-Geschichte geschrieben: Gemeinsam mit seinem französischen Partner gewann der 44-Jährige beim Solidaire du Chocolat. Über die mehr als 5000 Seemeilen von der Bretagne bis nach Mexiko setzten sie sich gegen die Favoriten durch.

Christophe Breschi

Hamburg - Übermütig springt Jörg Riechers auf der Yacht "mare" vor der mexikanischen Küste auf und ab, schwenkt eine brennende Fackel. Am Ufer von Pregreso stehen tausende Zuschauern applaudierend am Ufer. Der 44-jährige Skipper nimmt seinen französischen Segel-Partner Marc Lepesqueux in den Arm - zusammen bewältigten sie die mehr als 5000 Seemeilen beim Solidaire-du-Chocolat-Rennen von Saint-Nazaire in der Bretagne nach Progreso in Mexiko in 24 Tagen und rund acht Stunden. Damit ist Riechers der erste Deutsche, der je ein Shorthand-Transatlantik-Rennen gewonnen hat.

Dem Team gelang ein Außenseiter-Erfolg gegen die scheinbar übermächtigen Franzosen, die die drei favorisierten Teams stellten. Insgesamt waren elf Boote an den Start gegangen. Der Vorsprung auf das Franzosen-Trio, das tagelang hinter dem deutsch-französischen Team auf den entscheidenden Fehler wartete, betrug im Ziel gute fünf Stunden. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 8,56 Knoten. Damit unterboten Riechers und Lepesqueux die Referenzzeit der ersten Auflage um ganze zwei Tage und neun Stunden.

Schon am zweiten Tag der Marathon-Regatta hatte "mare" kurz die Führung im Feld der elf besten Class-40-Yachten übernommen, war dann aber nach einer nördlichen Kurswahl auf Platz sieben zurückgefallen. Das deutsche Schiff schien eine Position im Mittelfeld einzunehmen.

Die Favoriten belauerten sich im Süden, aber der Wind kam dann doch aus Norden. Auf Höhe der Azoren lag Riechers schon wieder vorne, bis es plötzlich tatsächlich im Süden schneller lief. "mare" fiel im Ranking auf Platz fünf zurück und wurde mit über 30 Seemeilen Rückstand geführt.

Akribische Auswertung der Wetterinfos sicherten der "mare" den Triumph

Dass es am Ende doch noch zum Sieg reichte, lag vor allem an der richtigen Interpretation der Wetterinformationen. Riechers hatte vor dem Rennen intensiv mit dem Kieler Wetterexperten Meeno Schrader die Strategie diskutiert. Er beharrte auf der Nordroute und lag richtig. Der Vorsprung wuchs auf gut 90 Seemeilen. Es schien eine Demütigung für die Franzosen zu werden.

Aber bei der Karibikinsel St. Barth konnten die Favoriten Boden gut machen. "mare" steckte in einer Flaute und die drei nächsten Kontrahenten rückten bis auf 27 Seemeilen auf.

Doch Riechers und Lepesqueux brachten den Vorsprung ins Ziel. "Ich habe wahrlich gezittert", sagte Nikolaus Gelpke, der Chef des "mare"-Verlages, der Onlineplattform SegelReporter. "Bei jeder Positions-Aktualisierung war ich online. Mehrfach berichtete Jörg per Telefon von Bord."

Gelpke gehört das Schiff - und er vertraute Riechers. Vor fünf Jahren stand der bei Gelpke im Büro in der Hamburger Speicherstadt und erzählte ihm von seinem Plan, die französische Einhand-Elite angreifen zu wollen. Der Verleger, der selber ein fanatischer Segler ist, erinnert sich: "Ich sah sein Potential. Und diese gewisse Verrücktheit, die man für diese Art des Segelns benötigt."

Im Januar 2012 lief dann die neue "mare", die knapp eine halbe Millionen Euro kostete, vom Stapel. Eigentlich zu spät, um sie gewissenhaft für ein Atlantik-Rennen vorzubereiten. "Aber Jörg arbeitet sehr professionell. Er hat ein gutes Gefühl und technisches Verständnis für das Boot. Er versteht es so, wie ein Michael Schumacher jede Schraube seines Wagens kennt."

Lesen Sie die ausführliche Version auf segelreporter.com.

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