Beschuldigter in U-Haft Berliner Judotrainer soll Kinder missbraucht haben

Die Polizei spricht von einem "dringenden Tatverdacht", der Landessportbund von einem Fall, "der uns alle tief betroffen macht": Ein Trainer soll sich an Jugendlichen vergangen haben, ohne dass es der Verein geahndet hat.

Judo: Eine Sportart wird vom Thema Missbrauch eingeholt
Kim Kyong-HUn REUTERS

Judo: Eine Sportart wird vom Thema Missbrauch eingeholt

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Der Name Judo heißt übersetzt ungefähr "der sanfte Weg". Es ist ein Sport, der sich selbst als "Philosophie zur Persönlichkeitsentwicklung" definiert, eine Sportart, die sich auf das Prinzip "Siegen und Nachgeben" beruft.

Und gerade dieser Sport wird in Berlin derzeit von schweren Missbrauchsvorwürfen erschüttert.

Ein 42-jähriger Judolehrer ist seit Montag in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, in mindestens 23 Fällen Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 16 Jahren sexuell missbraucht zu haben - Fälle, die sich seit dem Jahr 2006 bis ins Jahr 2018 zugetragen haben sollen. In diesem Jahr erst haben sich Eltern an die Kinderschutzbeauftragte des Landessportbundes in Berlin gewandt. Das brachte die Ermittlungen und die Festnahme des Mannes in Gang.

"Dieser Fall erschüttert uns alle und macht uns tief betroffen", sagt der Direktor des Landessportbundes, Friedhard Teuffel dem RBB. Laut Teuffel gehe es um "klar strafrechtliche Vorwürfe". Der Beschuldigte war seit vielen Jahren in der Berliner Judoszene zu Hause, er hatte 2007 in Tegel einen Judoverein gegründet und war dort in mehreren Funktionen, unter anderem als Vorsitzender und Trainer, tätig gewesen. Polizei und Staatsanwaltschaft teilten nach Bekanntwerden des Falls am Donnerstag mit, die Missbräuche seien, so der Erkenntnisstand, im Rahmen des Trainings, von Turnierteilnahmen und angeblichen "erzieherischen Maßnahmen" geschehen. Die Ermittler sprechen von teilweise schwerem Missbrauch.

"Die Körperlichkeit bietet Angriffsflächen"

Der Berliner Judoverband hat mit einer kurzen Stellungnahme reagiert: "Der Judo-Verband Berlin steht entschieden für den Kinder- und Jugendschutz ein und erwartet von allen Mitgliedsvereinen die Einhaltung der Gesetze, des DJB-Ehrenkodexes und unserer Judowerte", formulierte Geschäftsführer René Duvinage.

Die Ermittler haben nun unter anderem zu klären, wie es sein konnte, dass der Mann, falls die Vorwürfe zutreffen, sexualisierte Gewalt über zwölf Jahre ausüben konnte, ohne dass es ans Tageslicht kam und geahndet wurde. Auf der einen Seite ist die Sensibilität für das Thema zwar in den vergangenen Jahren gewachsen, dennoch scheint es auch oder gerade im Sport ein mühevoller Weg zu sein, sexuellen Missbrauch aus der Tabuisierung herauszuholen. Dazu kommt das Machtverhältnis, das Trainer speziell gegenüber Kindern im Sport innehaben.

"Wir wissen genau, dass die Faszination des Sports auch aus der Körperlichkeit herrührt", sagt Teuffel, "diese Körperlichkeit und die körperliche Nähe birgt aber auch eine Angriffsfläche". Der Landessportbund biete daher seit Längerem Schulungen bei Vereinen und Verbänden an, in denen die besondere Bedeutung der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen betont werde. Zudem arbeite man an der Erstellung eines Kinderschutzsiegels, nach denen "Trainer und Betreuer im Kinder- und Jugendbereich ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen" sollen.

Im Fall des Judotrainers kommen diese Maßnahmen allerdings zu spät. Teuffel sagt: "Vereine müssen schon bei einem leisen Verdacht genau hinschauen und nachfragen, was genau los ist." Das ist bei diesem Verein, der von dem Beschuldigten selbst geführt wurde und der dadurch auch die Machtposition im Verein besetzte, nicht passiert.



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