Kalifornien-Rundfahrt Armstrong und die feine Rad-Gesellschaft

Einen Epo-Hersteller als Sponsor, Doping-Sünder am Start: Der Prolog der Kalifornien-Rundfahrt hatte einen faden Beigeschmack. Den Zuschauern war es egal - ihr Beifall für Lance Armstrong ließ sogar das Comeback des disqualifizierten Tour-Ersten Floyd Landis vergessen.


Hamburg - Die Zuschauer bejubelten Lance Armstrong, und Armstrong dankte es ihnen mit warmen Worten: "Die Begeisterung der Fans ist unglaublich, aber ich bin noch mehr begeistert", sagte der siebenmalige Tour-de-France-Sieger nach dem Auftakt der 4. Kalifornien-Rundfahrt.

Lance Armstrong: Umjubelt in Kalifornien
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Lance Armstrong: Umjubelt in Kalifornien

Das Zeitfahren zum Auftakt der Rundfahrt, das wie im Vorjahr der Schweizer Zeitfahr-Olympiasieger Fabian Cancellara gewann, geriet für Armstrong zur Triumphfahrt. 100.000 Zuschauer waren gekommen, um ihn beim Prolog rund um das Capitol der Landeshauptstadt Sacramento zu sehen - und feierten den 37-jährigen Texaner frenetisch.

Drei Wochen nach seinem Auftritt in Australien war Armstrong vom Enthusiasmus seiner Landsleute bei der Kalifornien-Rundfahrt beeindruckt: "Ich war in Australien schon überrascht, aber das hier überrascht mich noch mehr. Ich bin froh, hier zu sein und dankbar für die Unterstützung." Seinen bis dato letzten Start bei einem Profiradrennen auf der Straße in den USA hatte er vor vier Jahren bei der Georgia-Tour bestritten.

Weniger froh dürfte Armstrong darüber gewesen sein, dass Unbekannte nach dem Rennen den Material-Truck des Astana-Teams aufbrachen und die eigens für Armstrong entwickelte Zeitfahr-Maschine sowie die Räder von drei Team-Kollegen stahlen. Dies teilte Armstrong auf seiner Internetseite mit und setzte eine Belohnung für die etwa 20.000 Euro teure Sonderanfertigung aus.

Angesichts des Trubels um Armstrong, dessen Image vom "gläsernen Athleten" durch die Streichung seines als besonders transparent verkauften Anti-Doping-Programms Kratzer erhalten hat, geriet der sportliche Verlauf eher zur Nebensache. Er landete mit 4,3 Sekunden Rückstand auf Platz zehn. Armstrongs Astana-Kapitän Levi Leipheimer (USA) wurde mit 1,2 Sekunden Rückstand auf Cancellara Zweiter. Dritter wurde US-Zeitfahrmeister David Zabriskie (2,7). Die Ränge 28 und 55 belegten Grischa Niermann (11,1) und Jens Voigt (14,3), die beiden einzigen Deutschen im 136-köpfigen Fahrerfeld.

Die Rundfahrt ist so hochkarätig besetzt, wie es in dieser Saison wohl kein Rennen mehr sein wird. Die Zahl der als Doping-Sünder überführten oder verdächtigten Prominenz in der Starterliste ist allerdings auch einzigartig.

Zum Beispiel Floyd Landis, dessen Comeback angesichts des Trubels um Armstrong fast in Vergessenheit geriet. Landis, der seinen wegen Dopings aberkannten Tour-Sieg von 2006 auch in einem beispiellosen Justiz-Marathon nicht retten konnte, startet für das drittklassige OUCH-Team. Auf Rang 90 mit 20,4 Sekunden Rückstand hatte er aber Mühe zu folgen, wobei ihm die Folgen einer Sturzverletzung aus dem Training vom Vortag zu schaffen machten. Es war Landis' erstes Etappenrennen nach seiner verbüßten Dopingsperre.

Landis ist beileibe nicht der einzige Fahrer mit Doping-Vergangenheit im Feld. Unter dem Patronat und mit der Finanzkraft des weltweit führenden Epo-Produzenten Amgen gingen auch der Zeitfahr-Olympiasieger von Athen, Tyler Hamilton (USA) und Ivan Basso (Italien) auf den Prolog-Kurs. In einem Begleitwagen saß zudem der umstrittene Rudy Pevenage, früher persönlicher Berater von Jan Ullrich.

Epo-Hersteller als Organisator

Amgen organisiert die neuntägige Tour durch Kalifornien, die am kommenden Sonntag nach 1200 Kilometern in Escondido endet. Die von dem Bio-Technologie-Konzern entwickelten Epo-Produkte und deren Nachfolge-Präparate machten nach Berechnungen des "Handelsblattes" schon 2007 mehr als die Hälfte der gesamten Jahres-Umsätze des Unternehmens von rund 14 Milliarden Dollar aus.

ulz/sid/dpa

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