Kampf gegen Epo Dopingjäger prüfen revolutionären Bluttest

2. Teil: "In der Leichtathletik werden Probleme nicht so offensiv angegangen"


SPIEGEL ONLINE: Wann kann der Test zum Einsatz kommen?

Schmidt: Das wird leider noch eine Weile dauern. Wir werden in den kommenden 18 Monaten im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur noch einige Tests zur methodischen Absicherung durchführen. Unter anderem untersuchen wir gerade noch Höhentrainingseffekte genauer. Prinzipiell würde der Test aber jetzt schon funktionieren.

SPIEGEL ONLINE: Bleiben dann überhaupt noch Schlupfwinkel für Doper?

Schmidt: In erster Linie wird ein Sportler, der manipuliert hat, versuchen, rechtlich gegen das Ergebnis und die Sperre vorzugehen. Bislang gab es das ja nicht, dass ein Sportler aufgrund seiner Blutwerte und nicht aufgrund verbotener Substanzen in seinem Körper als Doper überführt wurde. Wenn aber einmal juristisch geklärt wird, dass eine Sperre auch aufgrund dieses Tests rechtlich unbedenklich ist, also offizielle Stellen die hohe Wahrscheinlichkeiten einer Manipulation - beispielsweise 10.000:1 - als Nachweis zulassen, dann hat der dopende Sportler nur noch sehr eingeschränkte Manipulationsmöglichkeiten.

Radsportler Schumacher: Verdächtige Werte
REUTERS

Radsportler Schumacher: Verdächtige Werte

SPIEGEL ONLINE: Ist die Zeit der Ausreden damit vorbei?

Schmidt: Sicherlich nicht. Es werden bestimmt auch weiterhin recht obskure Fälle konstruiert werden, wie etwa die Existenz eines vor der Geburt verstorbenen Zwillings, die der Radsportler Tyler Hamilton als Ausrede für die Bildung von speziellen Anti-Körpern im eigenen Blut anführte - was schließlich den positiven Doping-Befund ergeben habe.

SPIEGEL ONLINE: Warum findet der Blutpass bislang nur im Radsport und Skilanglauf Anwendung?

Schmidt: Das kann ich mir nicht erklären. In der internationalen Leichtathletik beispielsweise ist vieles langsamer, Probleme werden dort nicht so offensiv angegangen. Auch Obergrenzen für Blutwerte sind dort ja de facto nicht existent. Die Blutwerte sind zwar teilweise bekannt, Sanktionen werden aber nicht erhoben – anders als im Rad- oder Wintersport.

SPIEGEL ONLINE: Im Wintersport gibt es sogar unterschiedliche Obergrenzen je nach Sportart...

Schmidt: ... was ich aber für unsinnig halte.

SPIEGEL ONLINE: Wieso?

Schmidt: Eisschnelllauf und Skilanglauf beispielsweise sind beide zu einem großen Anteil Ausdauerdisziplinen. Dennoch weichen ihre Obergrenzen deutlich voneinander ab; und sogar zwischen Skilanglauf und Biathlon gibt es Unterschiede. Allerdings sollte man schon disziplinspezifische und mehr noch individuelle Eigenheiten beachten. Wir haben herausgefunden, dass beispielsweise Ruderer häufig sehr hohe Hämatokrit-Werte aufweisen, die meiner Meinung nach nicht auf Doping zurückzuführen sind. Ruderer haben auch mitunter bis zu elf Liter Blut, viele Wintersportler kommen mit der Hälfte aus. Zwischen diesen Sportarten gibt es also große Unterschiede.

SPIEGEL ONLINE: Die Regularien müssten also im Wintersport nicht Biathlet von Langläufer unterscheiden, sondern jeden einzelnen Athleten?

Schmidt: Genau. Man muss eine erlaubte Schwankungsbreite für jeden einzelnen Sportler festlegen. Wenn er die überschreitet, ist der Verdacht der Manipulation da. Im Blutpass, der bei Fis und UCI eingesetzt wird, ist dieser Ansatz bereits Realität. Mit dem Hämoglobin-Masse-Test kann ein Verdacht nun deutlich erhärtet werden. Bislang war man bei Veränderungen von Blutparametern häufig auf Spekulationen angewiesen, wobei man sich manchmal mit seltsamen Argumenten auseinander setzen musste.

SPIEGEL ONLINE: Wie bei dem inzwischen positiv getesteten Rad-Profi Stefan Schumacher, der Sie in seiner Verteidigungsstrategie im Herbst 2007 zitiert hatte, als er des Dopings verdächtigt wurde.

Schmidt: Das war eine Frechheit. Mit Herrn Schumacher stand ich nie in Kontakt. Eine amerikanische Studie wurde in diesem Fall mir zugeordnet; über Durchfall, an dem er gelitten haben soll, hatte ich jedoch nie etwas veröffentlicht. Die Beteiligten haben sich bei mir inzwischen entschuldigt. Die damals diskutierten Veränderungen sind allerdings auch mit Durchfall nur schwer zu erklären. Stefan Schumacher hatte einen gegenüber seinen sonstigen Werten stark erhöhten Hämatokrit-Wert - da müsste er schon sehr krank gewesen sein.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Test hätte Klarheit schaffen können?

Schmidt: Ja. Hätte sich die Hämoglobin-Masse nicht verändert, müsste man der Durchfall-Theorie glauben. Wenn nicht, wäre Schumacher vielleicht schon ein Jahr vor seiner positiven Probe bei der Tour 2008 positiv getestet worden.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben eine zeitlang für das Radsportteam T-Mobile interne Blutkontrollen durchgeführt. Mögliche Doping-Sünder im Team sollten so ausfindig gemacht und suspendiert werden können. Warum wurde die Zusammenarbeit mit dem Manager Bob Stapleton beendet, als aus dem Rennstall das Team Columbia wurde?

Schmidt: Bob Stapleton hatte eine zweite professionelle Firma für die Kontrollen engagiert...

SPIEGEL ONLINE: ... die Agency for Cycling Ethics (ACE) aus den USA...

Schmidt: … mit der wir nicht so zurecht gekommen sind.

SPIEGEL ONLINE: Wieso?

Schmidt: Der Datenabgleich bei den Blutwerten ging uns nicht weit genug.

SPIEGEL ONLINE: Auffällige Werte wären also zu verschleiern gewesen, ohne dass die UCI oder die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada davon etwas mitbekommen hätten?

Schmidt: Nein, das wohl nicht. Nach meinen Informationen sollen Wada und UCI ständig informiert gewesen sein. Wir wollten jedoch noch mehr Transparenz.

Das Interview führte Frieder Pfeiffer



insgesamt 331 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Umberto, 11.10.2008
1.
Zitat von sysopSeit mehreren Jahren werden immer wieder professionelle Radsportler des Dopings überführt. Jüngstes Beispiel ist Stefan Schumacher aus dem Team Gerolsteiner. Ist der Radsport am Ende? Diskutieren Sie mit.
Seit vielen Jahren werden immer wieder 100 m Läufer des Dopings überführt. Trotzdem wird immer noch diese Distanz gelaufen. Gleiches kann man über Gewichtheber feststellen, die auch trotzdem immer noch 'heben'. Ich sehe nicht, dass dies beim Radsport anders sein wird.
sitiwati 11.10.2008
2. der Radsport
gibts ja nicht erst seit JU oder LA, daher wird der Radsport auch nicht untergehen, ist wie Koch in Hessen, Hessen wird auch den H Koch und dei Faru Y überstehen !
Fritz Katzfuß 11.10.2008
3. Vollkommen
am Ende.
sitiwati 11.10.2008
4. da tun
Zitat von Fritz Katzfußam Ende.
Sie den 100.000ende Hobbyradfahrern Unrecht ! aber scheinbar kommen Sie aus ihren Heim nicht rauss !
Pinarello, 11.10.2008
5. Ja ja, nur der Radsport dopt!
Zitat von sysopSeit mehreren Jahren werden immer wieder professionelle Radsportler des Dopings überführt. Jüngstes Beispiel ist Stefan Schumacher aus dem Team Gerolsteiner. Ist der Radsport am Ende? Diskutieren Sie mit.
Ach nee, nicht schon wieder auf den Radsport, dort wird genauso wenig oder viel gedopt wie in allen anderen Profisportarten auch, bei den Belastungen einer 3-wöchigen Rundfahrt auch kein Wunder, besonders wenn den Medienvertretern nach jeder Etappe einer abzugehen scheint, wenn schon wieder eine neue Rekordzeit und Durchschnittsgeschwindigkeit erreicht wurde, was den normalen Radsportfan nicht die Bohne interessiert, der fährt nämlich auch selber und weiß, daß man einmal schneller und auch wieder langsamer ist. Allerdings kann man den SPON und die restliche ach so moralischen Zeigefingerheber-fraktion von ARD und ZDF wohl beruhigen, nach den das IOC rund 1000 Blutproben aus Peking nachträglich mit neuen Verfahren überprüfen läßt, kann man ja als Radsportfan mal gespannt sein, ob diejenigen mit dem moralischen Zeigefinger dann auch noch so einseitig auf den Radsport einprügeln, weil die Dopingfälle in den restlichen Sportarten sind ja nur bedauerliche einzelne Einzelfälle, darüber kann man ja getrost hinwegsehen, beim Radsport genügt schon der Verdacht gegen Stefan Schuhmacher um den kompletten Rückzug von ARD und ZDF von allen Radsportveranstaltungen anzukündigen. Was ist das nur für eine heuchlerische Welt, aber das steht ja schon in der Bibel, am schlimmsten von allen Sündern sind die Pharisäer mit dem so hochgelobten Anspruch.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.