Kampf gegen Sperre Ullrichs Chancen steigen

Für viele gilt Jan Ullrich bereits als Doping-Sünder. Doch gibt es weder eine positive A- noch B-Probe des Radprofis. Deshalb könnte Ullrich auch ohne Sperre aus der Doping-Affäre herauskommen. Anders Tour-Sieger Floyd Landis: Der gibt trotz eindeutiger Beweise nicht auf.


Hamburg - "Da es weder eine positive A- noch B-Probe gibt, wird die Anklage nicht einfach. Es gibt einen Indizien-Prozess", erklärte der Sportrechtler Michael Lehner, als Verteidiger von Olympiasieger Dieter Baumann und Radprofi Danilo Hondo Experte für Marathon-Prozesse in Doping-Fragen.

Radprofi Ullrich: "Anklage nicht einfach"
DPA

Radprofi Ullrich: "Anklage nicht einfach"

Der Schweizer Radsport-Verband, bei dem Ullrich gemeldet ist, hat vom Weltverband UCI noch nicht die Unterlagen der spanischen Behörden über das Doping-Netzwerk um den Sportarzt Eufemiano Fuentes erhalten. Das bestätigte Verbands-Geschäftsführer Roland Schläfli auf dpa-Anfrage.

"Wenn wir die Unterlagen vom Weltverband erhalten, geht es sehr schnell. Wir werden dann etwa eine Woche brauchen, um zu beurteilen, ob wir den Fall unserer Disziplinar-Kommission vorlegen, die dann ein Verfahren eröffnen kann", sagte Schläfli: "Falls es dazu käme, könnte ein Urteil innerhalb einer weiteren Woche gefällt werden. Meines Wissens wäre es der erste Fall, ohne positive Doping-Proben ein Verfahren zu eröffnen."

UCI-Sprecher Enrico Carpani teilte mit, dass die Akten demnächst in der Schweiz eingehen müssten. "Es kann sich nur noch um Tage handeln, bis die Unterlagen auch den Schweizer Verband erreichen. Die Italiener haben ihre Akte bereits", sagte Carpani. Der nationale Verband hätte laut Carpani nach Eingang der Unterlagen einen Monat Zeit, ein mögliches Verfahren zu eröffnen. "Dann wäre die UCI am Zug. Wenn wir mit der Entscheidung des nationalen Verbands nicht konform gehen, können wir den Internationalen Sportgerichtshof CAS anrufen", so der UCI-Sprecher. Dieser Weg stehe natürlich auch dem Sportler offen.

Sollte der in Doping-Fragen als konsequent bekannte Schweizer Verband entscheiden, dass die Vorwürfe für eine Anklage reichen, und die Disziplinarkammer zusammentritt, drohen Ullrich zwei Jahre Sperre. Danach könnte das zusätzliche, zweijährige Arbeitsverbot in ProTour-Teams in Kraft treten, was wohl einem Karriereende des 32-Jährigen gleichkäme.

Verschiedene Quellen zitierten aus den Unterlagen der spanischen Guardia Civil, wonach Ullrich Nachfragen nach Insulin, Testosteron, Wachstumshormonen und manipulierten Blutkonserven zugeschrieben werden.

Zivilrechtliche Folgen wird Ullrichs Verwicklung in die Doping-Affäre aber nicht haben. Die zuständige Staatsanwaltschaft hatte schon während der Tour de France, die Ullrich nicht fahren durfte, mitgeteilt, dass die betroffenen Radprofis im vorliegenden Fall höchstens als Zeugen gehört würden.

Landis-Hüftoperation in zwei Wochen

Unterdessen will sich der als Dopingsünder entlarvte Tour-Sieger Floyd Landis in zwei Wochen seiner notwendigen Hüftoperation unterziehen und danach die Anhörung vor der nationalen Anti-Doping-Kommission USADA vorbereiten. "Mein Ziel ist es, meine Unschuld zu beweisen", sagte der 30-Jährige in einem Interview mit "USA Today".

Er sei bei der Tour insgesamt achtmal getestet worden, einschließlich dreier Blutkontrollen: "Aber nur eine Probe war positiv. Niemand, der richtig denken kann, nimmt Testosteron nur einmal. Auf diese Art wirkt es gar nicht."

Die USADA ist nach der positiven B-Probe gemäß den Regeln des Radsport-Weltverbandes UCI nun für den Fall zuständig. Landis drohen eine zweijährige Sperre sowie die Aberkennung des Tour-Sieges einschließlich der Gewinnsumme in Höhe von 450.000 Euro.

pav/dpa/sid



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