Kanu-Comeback Rekordfrau Fischer fühlt sich vom Verband nicht gewollt

Acht olympische Goldmedaillen und 27 Weltmeistertitel hat Birgit Fischer gewonnen. Vor zwei Jahren trat sie zurück. Jetzt spielt sie mit dem Gedanken an eine Teilnahme in Peking. Kritik übt die Kanutin am deutschen Verband, die Verantwortlichen weisen diese zurück.


Hamburg - Die deutsche Rekord-Olympiasiegerin Birgit Fischer sorgte mit ihren Comeback-Plänen am Rande der Kanu-Weltmeisterschaft in Duisburg für Aufsehen, mit ihren Vorwürfen gegen den Deutschen Kanu Verband (DKV) aber auch für einen der wenigen Misstöne. Die 45-Jährige reizt die mögliche siebte Olympia-Teilnahme 2008 in Peking, sie fühlt sich aber nicht erwünscht. Die Verbands-Oberen hingegen betonten, der Weg zurück in die deutsche Mannschaft hänge allein von Fischer ab.

Kanutin Fischer: Siebte Olympische Spiele?
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Kanutin Fischer: Siebte Olympische Spiele?

"Ich glaube, dass die DKV-Verantwortlichen mich lieber von hinten als von vorn sehen", sagte Fischer. Fast genau ein Jahr vor Beginn der Olympischen Spiele vermutet die achtmalige Goldgewinnerin Methode hinter der Tatsache, dass sie von dem vorgezogenen Meldetermin, um weiterhin im Dopingkontrollsystem der Nationalen Anti-Doping-Agentur geführt zu werden, nur zufällig erfuhr. "Wenn man mir die Verlegung mitgeteilt hätte, wäre das ja der erste Schritt in die Richtung gewesen, dass man gewollt ist."

Verantwortliche wie Bundestrainer Reiner Kießler und Sportdirektor Jens Kahl halten dagegen: "Birgit ist keine Kader-Athletin, die direkt vom Verband angeschrieben wird. Der Landesverband oder der Verein sind in der Pflicht, die Information zur Meldung weiterzugeben", erklärt Kahl. Der Weg zurück in die Mannschaft stehe Fischer jederzeit offen, sagt Kießler: "Da sie sich aber seit längerem nicht dem Wettkampfsystem gestellt hat, brauchen wir da derzeit eigentlich nicht zu philosophieren." Wichtig sei ein klares Signal von Fischer, dass sie wieder mitfahren werde - allerdings rechnet kaum einer wirklich mit ihrem Comeback.

Ende August will sich Birgit Fischer entscheiden, ob sie das eigentlich Unmögliche wagt: "Ich verspüre Lust, mich wieder im Training zu quälen. Ich werde das nur mit mir persönlich ausmachen." Zwei Jahre setzt Fischer, die nicht zum ersten Mal Probleme dem Verband hat - sogar einmal für einen anderen Verband starten wollte - mittlerweile mit dem Rennsport aus. Doch auch vor den Sommerspielen in Athen hatte sich die Rekord-Weltmeisterin (27 Titel) binnen 303 Tagen fit gemacht - und Gold und Silber gewonnen, 24 Jahre nach ihrem ersten Olympiasieg.

Derzeit legt Fischer statt zu paddeln den Schwerpunkt auf ihre Firma, bietet Kanu-Wanderungen an, hält Vorträge und arbeitet an einem Bildband. "Das wäre auch das Hauptproblem: Wie bekomme ich meine Arbeit und den Leistungssport unter einen Hut", sagt Fischer. Obwohl sie jetzt "so viel Zeit wie nie hat, da meine Kinder gerade ausgezogen sind".

fsc/sid



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