Karriere-Knockout Ex-Weltmeister Tyson tritt ab

Vor dem Kampf hatte er noch davon getönt, seinen Gegner wie einen toten Fisch aufzuschlitzen, am Ende lag Mike Tyson wie ein Sandsack in der Ringecke. Direkt nach seiner K.o.-Niederlage gegen den Iren Kevin McBride erklärte der Ex-Champ seinen Rücktritt.


Boxer Tyson: Zur siebten Runde nicht mehr im Ring erschienen
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Boxer Tyson: Zur siebten Runde nicht mehr im Ring erschienen

Washington - Tyson hat bei seinem erneuten Comeback im Box-Ring eine verheerende Niederlage kassiert. Der ehemalige Weltmeister im Schwergewicht verlor am Samstagabend in Washington gegen den krassen Außenseiter McBride durch technischen K.o., als er zur siebten Runde nicht mehr antrat.

Der Verlierer schlich aus der Halle, von vielen der 15.472 Zuschauern mit Pfiffen und Buhrufen bedacht. "Ich habe nur gekämpft, weil ich meine Rechnungen bezahlen muss", hatte der hoch verschuldete Tyson vorher zugegeben.

Es war die sechste Niederlage im 58. Profikampf für den 38-Jährigen, der direkt im Anschluss an den Fight das Ende seiner Karriere verkündete: "Es ist Schluss. Ich bin nicht mehr mit dem Herzen dabei. Ich möchte nicht den Sport missachten, den ich liebe. Es tut mir Leid für die Fans, die dafür bezahlt haben. Es ist an der Zeit, mein Leben anders zu gestalten und ein Vater zu sein, der sich um seine Kinder kümmert."

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Entgegen seiner Gewohnheit begann Tyson den Kampf äußerst verhalten, ließ nur in der vierten Runde kurz alte Klasse aufblitzen. Der einen Kopf größere und 38 Pfund schwerere McBride hatte bis dahin taktisch geschickt auf Nahdistanz geboxt und Tyson durch permanentes Klammern kaum Gelegenheit zu dessen gefürchteten Haken gelassen. Als der schnell müder werdende Tyson in Runde fünf nur durch den Gong gerettet wurde und wenig später nach einem Ausrutscher sogar Mühe beim Aufstehen hatte, zeichnete sich das traurige Ende ab. "Ich habe mich gefühlt als wäre ich 120 Jahre alt", erklärte der Ex-Champ nach dem Kampf.

Die letzten drei Minuten in Tysons Karriere waren - abgesehen von der Ohrbeißer-Attacke gegen Evander Holyfield - die bizarrsten. Der hilflose und völlig entkräftete 3:1-Favorit setzte ein paar wilde Schwinger in die Luft, brach seinem Gegner nach einem offensichtlichen Klammerversuch fast den Arm und erhielt schließlich wegen eines absichtlichen Kopfstoßes zwei Punkte Abzug.

Fast lethargisch saß Tyson anschließend in der Ringecke und zeigte nicht einmal eine Reaktion, als sein Coach trotz der Proteste des restlichen Trainerstabs den Kampf für beendet erklärte.

Trotz der Niederlage kassierte Tyson rund vier Millionen Dollar für den Kampf. McBride erhielt nur etwa 150.000 Dollar. Der einstige K.o.-König Tysonsteht vor dem Nichts, obwohl er in seiner Karriere mehr als 300 Millionen Dollar verdient haben soll. Ein verschwenderischer Lebensstil, falsche Berater und Anwaltskosten für seine zahlreichen Prozesse - unter anderem wegen der Vergewaltigung einer 18-Jährigen - haben den Ex-Häftling um einen ruhigen Lebensabend gebracht.



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